Auswirkungen der Mid-Term-Review-Beschlüsse
auf den Agrarsektor und das Agribusiness
in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
- Kurzfassung -
Studie aus dem Institut für Agrarökonomie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Im Auftrag der
Raiffeisen Hauptgenossenschaft Nord AG
erstellt von
Prof. Dr. Dr. Christian H.C.A. Henning
Dipl.-Ing. agr. Arne Henningsen
M. Sc. Carsten Struve
M. Sc. Jörg Müller-Scheeßel
Kiel im Juli 2004
Kurzfassung der Studie
Die jüngste Agrarreform, der so genannte Mid-Term-Review (MTR), der am
26. Juni 2003 in Luxemburg vom Ministerrat beschlossen wurde, ist nach der MacSharry-Reform
1992 ohne Frage eine der bedeutendsten Agrarreformen seit Bestehen der Europäischen
Union. Dies folgt aufgrund mindestens der folgenden zwei Punkte. Erstens erfolgt
im MTR eine fundamentale Umstellung des agrarpolitischen Regimes. Mit der Entkopplung
wie auch z.T. mit den Cross-Compliance Regelungen und der Modulation werden
vollkommen neue agrarpolitische Instrumente eingeführt, deren kurzfristige
und vor allem aber auch mittel- und langfristige Wirkungen nicht einfach abgeschätzt
werden können. Zweitens erhöht sich die Unsicherheit hinsichtlich
der Auswirkungen der beschlossenen Reform dadurch, dass die jüngste Reform
anders als vorangegangene Reformen im großen Maße nationale Spielräume
hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung der entkoppelten Direktzahlungen gewährt
und die jeweilige konkrete Ausgestaltung der Prämienzahlung erhebliche
Auswirkungen auf die implizierten Boden- und Quotenpreise und damit auf die
Einkommensverteilung und strukturelle Entwicklung im Agrarsektor hat. Konkret
befürchten die Bauern nicht nur abrupte und unsoziale Einkommensverluste
gerade für Futterbaubetriebe, sondern ebenfalls einen abrupten Abfall der
Agrarproduktion, der in bestimmten Regionen sogar mit einem massiven Brachfallen
von Flächen einhergehen könnte. Darüber hinaus bezweifeln kritische
Stimmen aus Wissenschaft und Forschung, dass strukturelle Anpassungsprobleme
im Agrarsektor tatsächlich durch die Reform komplett gelöst werden
und mittelfristig eine durchgreifende Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen und der deutschen Landwirtschaft erreicht wird. Neben
den unmittelbaren betrieblichen und sektoralen Anpassungsreaktionen induziert
der MTR über entsprechende nationale Anpassungsreaktionen auf der Nachfrage-
und Angebotsseite innerhalb der EU-Mitgliedstaaten entsprechende Weltmarktpreiseffekte.
Diese Weltmarktpreiseffekte haben einerseits direkte Rückwirkungen auf
die politische Bewertung der Reform sowie andererseits indirekte Rückwirkungen
auf die ökonomischen Anpassungsprozesse auf betrieblicher und regionaler
Ebene.
Neben den ökonomischen Anpassungsreaktionen impliziert der MTR aber auch
spezielle politische Anpassungsreaktionen, die mittel- und langfristig eine
fundamentale Veränderung der agrarpolitischen Rahmenbedingungen in der
EU beinhalten könnte. Insbesondere ist zu befürchten, dass die Entkopplung
zu einer erhöhten Transparenz der Transferzahlungen führt, welche
weitere politische Diskussionen über die Höhe und Verteilung betrieblicher
Transferzahlungen nicht nur zwischen Landwirten und Nichtlandwirten (insbesondere
Steuerzahlern) sondern erstmalig auch innerhalb der Landwirte entfachen könnte.
Weiterhin stellt sich die Frage, ob höhere gesellschaftliche Ansprüche
an multifunktionale Leistungen der Landwirtschaft zukünftig tatsächlich
bestehen bzw. wie diese politisch umgesetzt werden.
Nicht zuletzt aufgrund der bestehenden Unsicherheiten und Ad-hoc-Bewertungen
der jüngsten Agrarreform ist es wichtig, dass objektive agrarökonomische
Studien vorgelegt werden, die eine quantitative Abschätzung der unmittelbar
zu erwartenden sektoralen und regionalen Produktions- und Einkommenseffekte
im Agrarsektor sowie ihrer mittel- und langfristigen Auswirkungen auf den sektoralen
Anpassungspfad der Landwirtschaft erlauben. Berücksichtigt man die intersektoralen
und interregionalen wirtschaftlichen Verflechtungsstrukturen, so ist eine Abschätzung
des sektoralen Anpassungspfades der Landwirtschaft an den MTR sicherlich auch
aus der Sicht der vor- und nachgelagerten Agribusinessunternehmen wie auch aus
regionalpolitischer Sicht hinsichtlich der Entwicklung ländlicher Regionen
von großem Interesse.
In diesem Zusammenhang hat die Raiffeisen HaGe Kiel eine Studie zur Abschätzung
der Wirkungen des MTR auf den strukturellen Anpassungspfad der Landwirtschaft
in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg Vorpommern in Auftrag gegeben. Hauptziel
der Studie ist es, die ökonomischen Anpassungsreaktionen auf veränderte
agrarpolitische Rahmenbedingungen und ihre Wirkungen auf die Agrarstruktur in
Schleswig-Holstein (SH) und Mecklenburg- Vorpommern (MV) quantitativ abzuschätzen.
Im Vordergrund stehen die kurz- und mittelfristigen ökonomischen Anpassungsreaktionen im landwirtschaftlichen Sektor, d.h. die Entwicklungen in den nächsten 10 Jahren bis 2013. Darüber hinaus soll aber auch auf entsprechende langfristig zu erwartende Entwicklungen eingegangen werden. Zentral ist dabei die Frage, welche politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in Zukunft in Norddeutschland langfristig zu erwarten sind und welche strukturellen Anpassungen und Wettbewerbschancen sich unter diesen Bedingungen ergeben. Die zentrale Frage ist dann schließlich: Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft in Norddeutschland unter den neuen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen nach dem MTR aus?
Hauptziel der Analysen ist die quantitative Ermittlung der Anpassungsreaktionen
auf den MTR im Agrarsektor in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
Im Zentrum der Analysen stehen dabei strukturelle Anpassungen der Landwirtschaft,
die unmittelbar Konsequenzen für den Geschäftsbereich der HaGe als
zentralen landwirtschaftlichen Großhändler in Norddeutschland haben.
Insofern umfasst die Studie die folgenden Teilbereiche:
A. Betriebliche Anpassungsreaktionen
Neben der quantitativen Abschätzung der ökonomischen Implikationen des MTR soll in dieser Studie aber auch auf die grundsätzliche Wirkungsweise einzelner Reformelemente eingegangen werden. Dies erscheint sinnvoll, da es sich insbesondere bei der Entkopplung um ein neues agrarpolitisches Instrument handelt, dessen Wirkungsweise unter Umständen komplexer Natur sein kann.
IV Zentrale Elemente des Mid-Term-Review
A. Entkopplung
V Grundlegende Wirkungsweise zentraler Reformelemente
Entkopplung verändert die ökonomische Vorzüglichkeit
einzelner Produktionsaktivitäten und hat somit unmittelbare Produktionswirkungen.
Entkopplung der Tierprämien (Bullen- und Mutterkuhprämie) reduziert
c.p. die Wettbewerbsfähigkeit der Bullenmast und Mutterkuhhaltung, während
Entkopplung der Ackerprämie c.p. die Wettbewerbsfähigkeit der Grandes
Cultures reduziert. Zusätzlich ergibt sich die Möglichkeit zu „Mulchen“
als neue Produktionsaktivität. Weiterhin kann die Entkopplung eine Extensivierung
des Futterbaus für die Milchwirtschaft implizieren, da die Entkopplung
die Opportunitätskosten der Futterflächen verringert. Insgesamt hängt
die Nettowirkung der Entkopplung auf die Produktionsstruktur von den konkreten
Produktionsbedingungen, insbesondere von den Klima- und Bodenverhältnissen
ab. Marktfruchtbaubetriebe, die vor der Entkopplung Bullen gehalten haben, werden
c.p. die Bullenmast reduzieren und vermehrt Grandes Cultures anbauen bzw. schlechten
Ackerboden „Mulchen“, während reine Marktfruchtbaubetriebe
mit gutem Ackerboden ihre Produktion unverändert beibehalten werden. Berücksichtigt
man, dass die Kopplung der Prämie oft eine ineffiziente Produktionsstruktur
der Betriebe impliziert hat (z.B. Bullenmast), so erhöht die Entkopplung
bei betriebsindividueller Prämienausgestaltung unmittelbar den Gesamtdeckungsbeitrag
bzw. Gewinn. Ein guter Indikator zur Abschätzung der Richtung der Auswirkung
des MTR auf die betrieblichen Produktionsstrukturen ist eine Betrachtung der
Veränderung der planungsrelevanten Deckungsbeiträge der Hauptproduktionsrichtungen.
Betrachtet man dies für Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern,
so zeigt sich, dass durch den MTR zwar alle Deckungsbeiträge abgesenkt
werden, aber sich die relative Rentabilität der Milchproduktion im Vergleich
zur Rindermast, aber auch der Getreideproduktion durch den MTR verbessert. Durch
die Entkopplung werden alle vergangenen Preissenkungen seit der MacSharry-Reform
produktionswirksam. Berücksichtigt man, dass seit der MacSharry-Reform
die Interventionspreise für Getreide um 43% und für Rindfleisch um
28% gekürzt wurden, hingegen der Milchpreis im MTR um nur 20% gekürzt
wird, so erscheint die relative Verbesserung der Milch nachvollziehbar.
Je nach Prämienausgestaltung nach dem Betriebs- oder Regionalmodell
kommt es zu Einkommensumverteilungen. Dies ist unmittelbar einsichtig für
eine regionalisierte Prämien. Berücksichtigt man die indirekten Überwälzungseffekte
der gekoppelten Prämienzahlungen (zum Beispiel die Absenkung des Kälberpreises
durch Entkopplung der Bullenprämie), so gilt dies allerdings ebenfalls
für Prämienzahlungen nach dem Betriebsmodell. Relevant ist, inwieweit
Prämienzahlungen über den Bodenmarkt auf die Bodenbesitzer überwälzt
werden. Hier ergibt sich ein zentraler Unterschied zwischen dem Betriebs- und
dem Regionalmodell betriebsindividueller und regionalisierter Prämienausgestaltung.
Bei regionalisierter Ausgestaltung entspricht die Anzahl der Prämienrechte
der prämienfähigen Fläche, und somit wird der Wert des Prämienrechts
komplett auf den Pachtpreis übergewälzt. Hingegen ist die Anzahl der
Prämienrechte bei betriebsindividueller Prämienausgestaltung konstruktionsgemäß
geringer als die Anzahl der prämienfähigen Fläche. Dadurch wird
der Wert des Prämienrechts nicht auf den Pachtpreis übergewälzt,
und es kommt zu einem deutlichen Abfall der Boden- und Pachtpreise auf das Grundrentenniveau,
das sich ohne Prämienzahlungen ergibt.
Die Absenkung der Interventionspreise für Butter und Magermilch
impliziert eine Absenkung des Milchpreises um rund 20%. Diese Milchpreissenkung
reduziert c.p. die relative Vorzüglichkeit der Milchproduktion. Ob die
Milchpreissenkung eine Reduktion der Milchproduktion unterhalb der Quotenmenge
impliziert, hängt von den konkreten betrieblichen Bedingungen ab. In jedem
Fall impliziert diese c.p. aber eine Absenkung der Quotenpreise, sollte die
Quote für viele Betriebe nicht mehr bindend sein, so käme es zu einem
Abfall des Quotenpreises auf Null.
Der Wegfall der Intervention für Roggen impliziert ebenfalls
einen Abfall des Roggenpreises, dies führt zusammen mit der Entkopplung
der Ackerprämie zu einer starken Einschränkung des Roggenanbaus.
VI Modellergebnisse für die betrieblichen Effekte in Schleswig Holstein:
VI.a Produktionsstrukturen:
Die betrieblichen Output- und Inputstrukturen verändern sich z.T. signifikant
durch den MTR. Im Durchschnitt aller Betriebe ergibt sich eine Reduktion der
Bullenmast um 20% sowie der Mutterkuhhaltung um 97%. Die Milchproduktion bleibt
trotz der Milchpreissenkung wettbewerbsfähig, und die Quotenerhöhung
um 1,5% wird im Durchschnitt aller Betriebe voll ausgeschöpft. Hauptursache
für die innerbetriebliche Wettbewerbsfähigkeit der Milch ist in dem
unterstellten technischen Fortschritt der Milchproduktion mit einer Ertragssteigerung
von 10% zu sehen. Entsprechend reduziert sich die Anzahl der Milchkühe
um rund 8%. Die durch die Reduktion der Bullenmast und der Mutterkuhhaltung
frei werdenden Futterflächen werden entweder zur Extensivierung des Futterbaus
oder aber zur Ausdehnung des Marktfruchtbaus genutzt oder aber gemulcht. Dabei
ergeben sich klare regionale und betriebstypenspezifische Anpassungsmuster.
Marktfurchtbaubetriebe verwenden die frei werdenden Flächen zur Ausdehnung
des Marktfruchtbaus um rund 1%, während sie nur 0,8% ihrer LN mulchen.
Futterbau-Milch-Betriebe extensivieren ihren Futterbau und dehnen ihre Futterfläche
um durchschnittlich 1% aus. Gleichzeitig reduzieren die Futterbau-Milchbetriebe
ihre Marktfruchtfläche aufgrund geringerer Wettbewerbsfähigkeit der
Grandes Cultures nach Wegfall der Ackerprämie insbesondere in der Geest,
während auch die Futterbau-Milchbetriebe nur 0,14% ihrer Betriebsfläche
mulchen. Im Gegensatz zu den Futterbau-Milch- und den Marktfruchtbaubetrieben
mulchen die Futterbau-Mastbetriebe mit durchschnittlich 25% einen großen
Teil ihrer Flächen. Insbesondere kleine (unter 60ha) und große (über
200ha) Futterbau-Mastbetriebe mulchen rund ein Drittel ihrer Flächen. Regional
werden die Marsch und das Hügelland durch die Anpassungsreaktionen der
Marktfruchtbaubetriebe dominiert, während in der Geest die Anpassungsreaktionen
der Futterbau-Milchbetriebe vorherrschend sind.
Analog zu den Outputstrukturen passen sich die betrieblichen Inputstrukturen
an, und es ergeben sich korrespondierende regionale und betriebliche Anpassungsmuster.
Durchgehend wird der betriebliche Arbeitseinsatz um durchschnittlich 7% reduziert.
Dabei werden überwiegend Fremdarbeitskräfte in großen Betrieben
frei gesetzt, während die Familienarbeitskräfte aufgrund der im Modell
unterstellten geringen Opportunitätskosten im Betrieb verbleiben (3 €
pro Familien-AKh im Vergleich zu 10 € pro Fremdarbeitskraftstunde). Die
geringe außerlandwirtschaftliche Entlohnung der Familienarbeitskräfte
spiegelt dabei auch das große Beharrungsvermögen landwirtschaftlicher
Betriebsinhaber im landwirtschaftlichen Sektor aufgrund spezieller Präferenzen
für die Tätigkeit als landwirtschaftlicher Unternehmer wider. Am deutlichsten
ergibt sich die Anpassung des Arbeitsinputs für die Futterbau-Mastbetriebe
mit rund 28%, da diese einen Großteil Ihrer Flächen mulchen. Analog
zu den Outputstrukturen ergeben sich für die Marktfrucht- und Veredlungsbetriebe
sehr geringe Inputanpassungen. Die Nachfrage nach Dünger und Pflanzenschutz
geht für die Futterbaubetriebe aufgrund der Extensivierung des Futterbaus
und der Einschränkung des Marktfruchtbaus um durchschnittlich 5% bzw. 8%
zurück, während die Marktfruchtbaubetriebe ihre Nachfrage nach Dünger
und Pflanzenschutzmitteln praktisch konstant lassen.
Inhaltsübersicht
VI.b Einkommen
Der MTR hat einen signifikant negativen Einfluss auf die betrieblichen Einkommen.
Für die regionalisierte Einheitsprämie reduziert sich der Gewinn im
Durchschnitt aller Betriebe um 17%. Dabei ergeben sich erhebliche Unterschiede
zwischen den Betriebstypen und Größenklassen. Futterbau-Mast-Betriebe
verzeichnen im Durchschnitt eine Gewinnreduktion von nur 4%, während Futterbau-Milchbetriebe
im Durchschnitt eine Gewinnreduktion von 19% hinnehmen müssen. Interessant
ist, dass für alle Betriebtypen kleine Betriebe eine signifikant geringere
Reduktion ihrer Gewinne verzeichnen als große Betriebe. Beispielsweise
liegt die Gewinnreduktion für kleine Futterbau-Milchbetriebe bei nur 16%,
während große Betriebe Verluste von 22% bzw. 23% (über 200ha
bzw. 100-200 ha) verzeichnen.
Die Einkommenswirkung des MTR hängt entscheidend von der Ausgestaltung
der Prämienrechte ab. Dabei spielen neben den direkten Verteilungswirkungen
der Prämienausgestaltung insbesondere auch die indirekten Verteilungswirkungen
aufgrund veränderter Pacht- und Quotenpreise eine Rolle. Interessant ist,
dass aus betriebsindividueller Sicht die relative Vorzüglichkeit einer
Prämienausgestaltung sich hinsichtlich der direkten Prämienverteilung
und letztendlichen Gewinnveränderung zum Teil erheblich unterscheiden kann.
Beispielsweise ergibt sich für die Milchbetriebe die günstigste Prämienverteilung
für das von der Bundesregierung anvisierte Kombigleitmodell, d.h. eine
regionalisierte Einheitsprämie mit einer betriebsindividuellen Milchprämie.
Berücksichtigt man allerdings die indirekten Verteilungswirkungen über
entsprechende Überwälzungseffekte auf den Boden/Quotenmärkten,
so ergibt sich die geringste Gewinnreduktion für die Milchviehbetriebe
für eine individuelle Betriebsprämie, wie sie ursprünglich im
Brüsseler Grundvorschlag vorgesehen ist. Gemessen in der Gewinnentwicklung
stellt die betriebsindividuelle Prämienausgestaltung für alle Betriebstypen
und auch für alle Betriebsgrößen einheitlich die günstigste
Prämienausgestaltung dar, da Überwälzungseffekte auf Bodenbesitzer
und „Sofamelker“ über erhöhte Pacht- bzw. Quotenpreise
vermieden werden.
Inhaltsübersicht
VI.c Wettbewerbsfähigkeit
Aufgrund der veränderten betrieblichen Gewinn- und Liquiditätssituation
hat der MTR ebenfalls einen klaren Effekt auf die mittelfristige Wettbewerbsfähigkeit
individueller Betriebe sowie einzelner Betriebstypen und -größenklassen.
Kurz- und mittelfristig können kleinere Betriebe durch die Reform relativ
besser gestellt werden als große Betriebe. Dies gilt insbesondere bei
Umverteilung durch Regionalprämie, Modulation und aufgrund höherer
Kapitalbelastungen nicht genutzter Kapazitäten in den großen Betrieben.
Die Wirkung des MTR auf die kurz- und mittelfristige relative Wettbewerbsfähigkeit
der Betriebe hängt sehr stark von der nationalen Prämiengestaltung
ab. Im Gegensatz zu einer regionalisierten Prämienausgestaltung ergeben
sich bei betriebsindividueller Prämiengestaltung relativ günstigere
Gewinnentwicklungen für größere Betriebe, da sich anders als
bei der Regionalisierung deutlich geringere Pachtpreise ergeben und größere
Betriebe einen höheren Pachtanteil als kleinere Betriebe haben.
Die relative Wettbewerbsfähigkeit von Marktfruchtbaubetrieben nimmt allgemein
durch die Agrarreform gegenüber Futterbaubetrieben zu. Dies ist aus Sicht
der allokativen Effizienz sinnvoll.
Langfristig stellen zusätzlich Kapitalinvestitionen, Alterstrukturentwicklung
und Hofnachfolge sowie technischer Fortschritt (Milchroboter, Biotechnologie,
Energiepflanzen) und zukünftige gesetzliche Rahmenbedingungen (Tierschutz,
Umweltschutz) wichtige Determinanten der relativen Wettbewerbsfähigkeit
einzelner Betriebstypen dar.
VII Modellergebnisse für die sektoralen/regionalen Effekte in Schleswig-Holstein
VII.a Output
A. Pflanzliche Produkte
Insgesamt gehen sowohl der Marktfruchtbau als auch der Futterbau mit 2% bzw.
3% leicht zurück. Etwa 15.000 ha schlechtes Dauergrünland fallen aus
der landwirtschaftlichen Produktion und werden nur noch gemulcht. Dagegen fallen
in Schleswig-Holstein kaum Ackerflächen zusätzlich zur bestehenden
Stilllegung brach. Der Futterbau verschiebt sich folglich von schlechten Dauergrünlandflächen
auf Ackerflächen, die bisher zum Marktfruchtbau genutzt wurden.
Veränderung der Landnutzung in Schleswig-Holstein
SH |
Heute
[ha] |
MTR
[ha] |
Differenz |
|
in ha |
in % |
|||
| Marktfruchtbau | 446.595 |
436.423 |
-10.172 |
-2,3 |
| Futterbau | 515.096 |
510.068 |
-5.028 |
-1,0 |
| Brache Acker | 39.300 |
39.319 |
19 |
0,0 |
| Mulchen Grünland | 0 |
15.236 |
15.236 |
Inf |
In den einzelnen (Ober-)Naturräumen Schleswig-Holsteins
ergibt sich ein differenzierteres Bild. Auf den guten Ackerbaustandorten, also
in der Marsch und im östlichen Hügelland, dehnt sich der Marktfruchtbau
aus und drängt den (Acker) Futterbau stärker zurück als im übrigen
Schleswig-Holstein. Dagegen geht der Marktfruchtbau auf der Hohen Geest und
der Vorgeest mit 9% bzw. 26% deutlich zurück. Auf der Vorgeest dehnt sich
der Futterbau aus, und die Stilllegung bzw. das Mulchen von Ackerflächen
nimmt zu.
Marktfrüchte
Wie oben bereits erwähnt, geht der Marktfruchtbau insgesamt um ca. 2% zurück.
Allerdings gibt es eine deutliche Verschiebung innerhalb der Marktfrüchte.
Während der Anbau von Roggen und Triticale stark zurückgeht (-40%),
wird der Anbau von Weizen, Gerste und Raps leicht ausgedehnt. Der starke Rückgang
des Roggen- und Triticaleanbaus hat zwei Hauptursachen. Zum einen gehen wir
von einem weiteren Absinken des Roggenpreises aus, und zum anderen werden Roggen
und Triticale überwiegend auf Grenzstandorten angebaut, die nach der Entkopplung
der Grandes-Cultures-Prämie durch die Nutzung als Futterfläche oder
durch Mulchen einen höheren Deckungsbeitrag erzielen.
Die Veränderung des Marktfruchtbaus ist insgesamt regional sehr unterschiedlich.
Der Anbau von Winterweizen dehnt sich in allen Obernaturräumen mit Ausnahme
der Vorgeest leicht aus. Der Rückgang des Weizenanbaus auf der Vorgeest
liegt zum einem am gesamten Rückgang des Marktfruchtbaus und zum anderen
daran, dass der Anbau von Weizen auf den sandigen Böden der Vorgeest kaum
rentabel ist. Der Anbau von Wintergerste nimmt auf der Hohen Geest und der Vorgeest
deutlich zu, da durch den Preisrückgang des Roggens die Wintergerste dort
an relativer Vorzüglichkeit gegenüber dem Roggen gewinnt. Im östlichen
Hügelland ist der Rückgang des Roggen- und Triticaleanbaus am geringsten,
da es dort weniger Grenzstandorte gibt, die Futterfläche aufgrund der geringen
Rinderdichte nicht ausgedehnt wird und auch nach der Reform relativ viel Triticale
angebaut wird, um es in der eigenen Schweinemast zu veredeln.
Futterbau
Trotz eines deutlichen Rückganges des Rinderbestandes um ca. 14% wird die
für Futterbau genutzte Fläche nur geringfügig eingeschränkt
(-1%). Dies liegt an der Extensivierung des Futterbaus, die insbesondere dadurch
erfolgt, dass die Ausdehnung des Grasanbaus auf Ackerflächen keinen Verlust
der Grandes-Cultures-Prämie mehr zur Folge hat. Somit nimmt der Futterbau
auf dem Acker deutlich zu, wobei der Anbau von Silomais leicht zurückgeht,
während sich der Grasanbau auf Acker stark ausdehnt. Die Nutzung des Dauergrünlandes
geht leicht zurück ( 4%), da wie bereits oben erwähnt ein Teil des
schlechten Dauergrünlandes aus der Produktion fällt und nur noch gemulcht
wird. Der Grasanbau auf Dauergrünland- und Ackerflächen insgesamt
bleibt dabei in etwa konstant.
Während die Futterfläche im östlichen Hügelland deutlich
sinkt, nimmt sie in der Vorgeest sogar leicht zu. Insbesondere der Ackerfutterbau
weist deutliche regionale Unterschiede auf. Auf den guten Ackerbaustandorten,
also in der Marsch und im östlichen Hügelland, wird der Ackerfutterbau
mit 9% bzw. 8% merklich eingeschränkt. Dagegen dehnt sich der Ackerfutterbau
auf der Hohen Geest und der Vorgeest mit 13% bzw. 21% deutlich aus.
Während in den meisten Naturräumen der Anbau von Gras auf (bisherigen)
Ackerflächen klar ausgedehnt wird, nimmt der Anbau im östlichen Hügelland
um 16% ab, da dort der Marktfruchtbau attraktiver ist. Die Substitution von
Silomais durch Ackergras ist am stärksten in der Marsch, da dort Gras zwar
wesentlich besser wächst als Mais, aber bisher die Grandes-Cultures-Prämie
die Rentabilität des Maisanbau künstlich erhöht hat.
B. Tierische Produktion
Rinder
Der Rinderbestand insgesamt nimmt um ca. 14% ab. Die Veränderung betrifft
aber die einzelnen Arten der Rinderhaltung unterschiedlich. Auch die um 1,5%
erhöhte Milchquote wird weiterhin voll ausgeschöpft, so dass die produzierte
Milchmenge um genau diesen Wert steigt. Bei einer prognostizierten Steigerung
der Milchleistung von 10% brauchen nur noch ca. 8% weniger Milchkühe gehalten
zu werden, um die Quotenmenge zu produzieren.
Durch die Entkopplung der Prämien ist nach unseren Berechnungen die Mutterkuhhaltung
kaum noch rentabel. Daher prognostiziert das Modell einen drastischen Rückgang
um 97%. Allerdings beruht das Modell auf durchschnittlichen Rindfleischpreisen
für Standardware. Dies bedeutet, dass die Mutterkuhhaltung bei besonderer
Vermarktung des Rindfleisches zu höheren Preisen noch rentabel sein kann.
Da diese besondere Vermarktung aber ein Nischenmarkt bleiben wird, gehen wir
dennoch davon aus, dass die Mutterkuhhaltung drastisch zurückgehen wird.
Durch den Rückgang der Milch- und Mutterkühe werden auch weniger männliche
Kälber geboren, so dass zwangläufig auch die Bullenmast zurückgehen
muss. Weiterhin gewinnt die Kälbermast durch die Entkopplung der Rindersonderprämien
sowie durch niedrigere Kälberpreise an Attraktivität. Dies führt
dazu, dass deutlich weniger männliche Rinder gehalten werden.
Veränderung der Rinderhaltung in Schleswig-Holstein
Hohe
Geest |
Heute
[ha] |
MTR
[ha] |
Differenz |
|
in ha |
in % |
|||
| Rinder insgesamt | 1.278.125 |
1.100.319 |
-177.806 |
-13,9 |
| Milchkühe | 362.676 |
334.640 |
-28.036 |
-7,7 |
| Mutterkühe | 29.223 |
842 |
-28.380 |
-97,1 |
| männl. Mastrinder |
326.401 |
272.853 |
-53.547 |
-16,4 |
dav. Mastkälber |
0 |
12.138 |
12.138 |
--- |
| dav. Mastbullen | 326.401 |
260.716 |
-65.685 |
-20,1 |
Bei den Milch- und Mutterkühen gibt es kaum regionale Unterschiede. Dagegen ergeben sich bei der Mast männlicher Rinder deutliche regionale Unterschiede. Während sich die Bullenmast in der Marsch um fast die Hälfte reduziert, ist der Rückgang in den anderen Regionen mit 9-17% nicht ganz so stark. Auffällig ist, dass im östlichen Hügelland die Kälbermast einen merklichen Umfang erreicht. Dies liegt daran, dass dort durch die hohen Opportunitäten des Marktfruchtanbaus das Futter am teuersten ist und die Verwertung des Futters in der Kälbermast höher ist als bei Mastbullen.
VII.b Inputs
A. Dünge- und Pflanzenschutzmittel
Insgesamt sinkt die Düngemittelnachfrage um ca. 6%, wobei der Rückgang
der Nachfrage nach stickstoffhaltigen Düngemitteln etwas stärker ist
als der Nachfragerückgang von anderen Düngemitteln. Die Pflanzenschutzmittelnachfrage
sinkt nur sehr leicht um ca. 1%.
Dabei ergeben sich deutliche regionale Unterschiede. Der Rückgang ist am
stärksten in der Vorgeest und in der Hohen Geest, da dort der Futterbau
am stärksten extensiviert wird und der Marktfruchtbau zurückgeht.
Dagegen bleibt im östlichen Hügelland die Düngemittelnachfrage
in etwa konstant, und die Pflanzenschutzmittelnachfrage steigt sogar leicht
an, da dort der Marktfruchtbau ausgedehnt wird.
Veränderung der Dünge- und Pflanzenschutzmittelnachfrage in
SH [%]
Schleswig-
Holstein |
Marsch
|
Hohe
Geest |
Vorgeest
|
Östliches
Hügelland |
|
| Düngemittel insges. | -5,6 |
-4,1 |
-12,1 |
-16,0 |
-0,2 |
| N-Dünger | -6,2 |
-5,6 |
-12,3 |
-15,7 |
-0,6 |
| P-Dünger | -4,3 |
-2,1 |
-9,9 |
-15,7 |
0,2 |
| K-Dünger | -4,2 |
1,5 |
-12,7 |
-17,4 |
1,6 |
| Pflanzenschutzmittel | -1,0 |
-0,4 |
-6,6 |
-11,9 |
1,4 |
Die Nachfrage nach Kraftfutter für Rinder sinkt um ca. 2%. Dabei ergibt
sich eine Verschiebung innerhalb der Futtermittel für Rinder. Durch den
drastischen Rückgang der Mutterkuhhaltung, den deutlichen Rückgang
der Mastbullenhaltung und den Rückgang der Färsenaufzucht (für
Milch- und Mutterkühe) sinkt der Futtermittelbedarf für diese Rinder
um ca. 13%. Allerdings macht der Futterbedarf für diese Rinder nur ca.
1/3 des Rinderfutters aus. Dem gegenüber steigt der Bedarf an Milchleistungsfutter
trotz eines Rückganges der Milchkühe leicht an. Dies liegt zum einen
an der Ausdehnung der Milchproduktion (wegen der Quotenerhöhung) und zum
anderen ist die von uns erwartete höhere Milchleistung nur durch höhere
Kraftfuttergaben zu erreichen. Da wir davon ausgehen, dass die Nachfrage nach
Futtermitteln für andere Tierarten in etwa konstant bleibt, wird die Futtermittelnachfrage
insgesamt sich um nur ca. 1% reduzieren.
Veränderung der Futtermittelnachfrage in SH [%]
Schleswig-
Holstein |
Marsch
|
Hohe
Geest |
Vorgeest
|
Östliches
Hügelland |
|
| Futtermittel insges. | -1,1 |
-6,7 |
-1,2 |
-0,2 |
0,6 |
| dav. Rinderfutter | -2,1 |
-14,7 |
-1,6 |
-0,3 |
1,8 |
| dav. Milchviehfutter | 3,0 |
3,0 |
3,1 |
3,0 |
2,9 |
| dav. and. Rinderfutter | -12,9 |
-38,5 |
-11,2 |
-6,6 |
-1,8 |
Die regionalen Unterschiede im Futtermittelbedarf beruhen fast ausschließlich auf der unterschiedlichen Nachfrage durch „andere Rinder“. Somit bestimmen hauptsächlich die Bestandsdichte der Bullen und Mutterkühe sowie deren Veränderung die Auswirkungen auf die Futtermittelnachfrage. So führt in der Marsch der starke Rückgang der Bullenmast zu einem hohen Rückgang der Futtermittelnachfrage und im östlichen Hügelland der nur sehr geringe Rückgang der Bullenmast zu einem nur geringen Rückgang der Futtermittelnachfrage.
C. Arbeit
Der Arbeitseinsatz insgesamt reduziert sich um etwa 7%, wobei der Einsatz der
Fremdarbeitskräfte wesentlich stärker sinkt (-20%) als der Einsatz
der Familienarbeitskräfte ( 3%). Bei der Interpretation muss allerdings
bedacht werden, dass das Modell keinen Strukturwandel abbildet. Im Zuge des
Strukturwandels scheiden Familienarbeitskräfte aus und müssen so (auf
anderen Betrieben) eventuell von Fremdarbeitskräften ersetzt werden. Es
ist somit davon auszugehen, dass der Einsatz von Fremdarbeitskräften um
weniger als 20% sinkt und der Einsatz von Familienarbeitskräften um mehr
als 3% zurückgeht.
Auch beim Arbeitseinsatz gibt es regionale Unterschiede. Im östlichen Hügelland
ändert sich die landwirtschaftliche Produktion nur geringfügig, so
dass dort der Arbeitseinsatz nicht so stark sinkt. Dagegen wird auf der Geest
der Futterbau extensiviert und in der Marsch die Bullenhaltung stark eingeschränkt,
so dass in diesen Regionen der Arbeitseinsatz stärker reduziert wird.
VII.c Boden- und Quotenmärkte
Bei Entkopplung nach dem Regionalmodell wird die Prämie an die Bodenbesitzer
überwälzt. Somit wird der Pachtpreis für Ackerland analog zur
Prämienhöhe sinken, d.h. bei einem Absinken der Netto-Prämie
von 425 €/ha (= 429 €/ha abzüglich 1% Modulation) auf 342 €/ha
(= 360 €/ha abzüglich 5% Modulation) wird der Pachtpreis auch um etwa
83 €/ha zurückgehen. Dabei wird der Mindestpachtpreis (inklusive Prämienrecht)
der Prämienhöhe abzüglich der Cross-Compliance-Kosten entsprechen,
also je nach Cross-Compliance-Auflagen 260 bis 315 €/ha.
Dagegen werden die Pachtpreise für Dauergrünland tendenziell ansteigen.
Allerdings ist die Entwicklung der Pachtpreise für Dauergrünland nicht
einheitlich. Insbesondere die Pachtpreise von schlechtem Dauergrünland,
die bisher z.T. sehr niedrig waren, werden durch die Prämie sehr stark
ansteigen, und zwar auf die Prämienhöhe abzüglich der Cross-Compliance-Kosten,
also auf ca. 260 bis 315 €/ha. Demgegenüber werden die bisher recht
hohen Pachtpreise für gutes Dauergrünland, das in Gegenden mit hoher
Rinderdichte liegt, konstant bleiben oder leicht sinken. Dies liegt insbesondere
daran, dass nach der Entkopplung bei knapper Futterfläche bisherige Ackerflächen
ohne Verlust der Grandes-Cultures-Prämie zum Grasanbau genutzt werden können.
Es ergibt sich somit tendenziell eine Annäherung der Pachtpreise für
schlechtes und gutes Dauergrünland sowie zwischen Ackerland und Dauergrünland.
Durch die Senkung des Milchpreises sinkt auch die Zahlungsbereitschaft für
Milchquoten um ca. 40%. Da der Quotenpreis zusätzlich von vielen anderen
Faktoren, z.B. Erwartungen über zukünftige Milch(quoten)preise, abhängt,
kann man hieraus nicht direkt die Entwicklung des Quotenpreises ablesen –
allerdings gibt es eine deutlich abnehmende Tendenz.
Da die neu eingeführte Milchprämie sofort entkoppelt wird, also nicht
an die Milchquote gebunden ist, hat diese Prämie auch keinen direkten Einfluss
auf den Quotenpreis.
VIII Modellergebnisse für die sektoralen/regionalen Effekte in Mecklenburg-Vorpommern
VIII.a Outputs
A. Pflanzliche Produkte
Die Marktfruchtfläche nimmt in allen Landesteilen ab, der Rückgang
ist auf den guten Standorten (im Nordwesten) des Landes aber deutlich geringer
als auf den schlechteren Böden (im Süden). Dies liegt zum Teil an
dem unterschiedlichen Rückgang der Roggen- und Triticalefläche. Die
Futterbaufläche wird in einigen Regionen trotz des Rückganges der
Rinderhaltung ausgedehnt. Das Aggregat „Brache auf Acker“ nimmt
in ganz Mecklenburg-Vorpommern um gut 20% zu mit einer deutlicheren Ausprägung
auf den schlechteren Standorten als auf den guten. Es ist zu erwähnen,
dass im Süden weniger Grünland gemulcht wird als in den anderen Regionen.
Veränderung der Flächennutzung in Mecklenburg-Vorpommern [%]
Mecklenburg-Vorpommern |
Heute
[ha] |
MTR
[ha] |
Veränderung |
|
absolut
[ha] |
in % |
|||
| Marktfrucht | 864995 |
816135 |
-48860 |
-5,6 |
| Futterbau | 359042 |
381393 |
22351 |
6,2 |
| Brache auf Acker | 96161 |
116460 |
20299 |
21,1 |
| Mulchen Grünland |
0 |
7006 |
7006 |
Inf |
Marktfrüchte
Die Auswirkungen der Agrarreform auf den Getreide- und Ölsaatenbereich
in Mecklenburg-Vorpommern sind naturgemäß stark von der Bodenqualität
abhängig. Für das gesamte Land kann ein deutlicher Rückgang der
Roggen- und Triticalefläche vorhergesagt werden, der den seit längerem
bestehenden Trend weiter fortsetzt. Der Rückgang in diesem Bereich wirkt
sich dann auf die anderen Getreidearten aus. Insgesamt ist ein Rückgang
von 8% in der Getreidefläche zu erwarten, allerdings liegt dieses hauptsächlich
an dem Rückgang der Roggen-/Triticalefläche, während die anderen
Getreidearten aufgrund der beschriebenen Substitution des Roggens teilweise
ansteigen. Insgesamt geht die Roggen-/Triticalefläche um insgesamt 52%
zurück, während die Weizenfläche um 4% ansteigt.
Aufgrund unterschiedlicher Bodenqualitäten werden im Nordwesten des Landes
weniger Veränderungen zu beobachten sein als im Süden, wo die Getreideanbaufläche
insgesamt um 13% fällt, obwohl der Weizen- und Gerstenanbau recht deutlich
steigen. Die Entwicklung im Osten Mecklenburg-Vorpommerns ist ebenfalls geprägt
von einem deutlichen Rückgang des Roggen-/Triticaleanbaus, der sich durch
einen Rückgang des Getreides um 10% auszeichnet. Weizen- und Gerste steigen
hier um 4 bzw. 9%.
Futterbau
Der Futterbau steigt in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt um 6% an. Diese Entwicklung
ist allerdings in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Während
auf den guten Ackerbaustandorten im Nordwesten des Landes mit einem leichteren
Anstieg (+5%) als im Durchschnitt des Landes zu rechnen ist, steigt der Futterbau
in der südlichen Region recht stark an (+13%). Im Osten des Landes ist
der Futterbau rückläufig, weil der Silomaisanbau deutlich zurückgeht
und nicht durch den Anstieg des Grasanbaus auf Ackerland ausgeglichen werden
kann. *)
*) Alle Ergebnisse im Hinblick auf Bullenmast
und Futterbau für den östlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns sind
mit Vorsicht zu interpretieren, da ein sehr großer Betrieb im LP mit Durchschnittsdaten
abgebildet wird.
Veränderung der Futterfläche in Mecklenburg-Vorpommern [%]
Mecklenburg-Vorpommern |
Heute
[ha] |
MTR
[ha] |
Veränderung |
|
absolut
[ha] |
in % |
|||
| Futterfläche | 359042 |
381393 |
22351 |
6,2 |
| Ackerfutter | 88269 |
117626 |
29357 |
33,3 |
| Silomais | 67247 |
52777 |
-14470 |
-21,5 |
| Gras auf Acker | 21022 |
64850 |
43828 |
208,5 |
| Dauergrünland | 270773 |
263767 |
-7006 |
-2,6 |
| Grasanbau gesamt |
291795 |
328616 |
36821 |
12,6 |
B. Tierische Produkte
Milch
Die Milchproduktion steigt nach der Reform um 1,5% an und reizt damit die Quote,
die im Zuge des MTR um genau diese 1,5% erweitert wurde, voll aus und bleibt
somit bindend. Da eine Milchleistungssteigerung von 10% bis in das Jahr 2013
angenommen wird, geht die Anzahl der Milchkühe um 8% zurück und unterscheidet
sich nicht in den verschiedenen Regionen. Dieses Ergebnis besagt nur, dass die
heute vorhandenen Stallplätze auch nach der Reform weitestgehend genutzt
werden. Es bedeutet nicht, dass sich die derzeit u.U. schwierige Situation der
Milchviehhalter verändern wird. Über die Eigentumsstruktur der Betriebe
können keine Informationen gegeben werden.
Veränderung der Tierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern [%]
Mecklenburg-Vorpommern |
Heute
[ha] |
MTR
[ha] |
Veränderung |
|
absolut
[ha] |
in % |
|||
| Futterfläche | 359042 |
381393 |
22351 |
6,2 |
| Ackerfutter | 88269 |
117626 |
29357 |
33,3 |
| Silomais | 67247 |
52777 |
-14470 |
-21,5 |
| Gras auf Acker | 21022 |
64850 |
43828 |
208,5 |
| Dauergrünland | 270773 |
263767 |
-7006 |
-2,6 |
| Grasanbau gesamt |
291795 |
328616 |
36821 |
12,6 |
Rindfleisch
Die Bullenmast wird durch die Entkopplung in Mecklenburg-Vorpommern um insgesamt
57% zurückgehen. Auch dieser Wert verteilt sich auf die verschiedenen Regionen
unterschiedlich. So geht die Bullenhaltung im Nordwesten und im Süden um
jeweils 50% und im Osten um 70% zurück, wobei letzte Zahl wie bereits angesprochen
mit Vorbehalt zu betrachten ist.
Die Mutterkuhhaltung geht, ähnlich wie die Bullenhaltung, stark zurück.
Durch die Reform und die damit verbundene Entkopplung fällt die Mutterkuhhaltung
um 48% in ganz Mecklenburg-Vorpommern ab. Der verbleibende Teil der Mutterkühe
wird zu einem Großteil auf ökologisch bewirtschafteten Flächen
gehalten, für die eine Ökoprämie gewährt wird. Da diese
verständlicherweise nicht entkoppelt wird und davon ausgegangen wird, dass
für das Mulchen von (Bio )Flächen keine Ökoprämie gezahlt
wird, ist somit diese Prämie indirekt an die Tierhaltung gekoppelt. Ohne
diese Ökoprämie wäre der Rückgang der Mutterkuhhaltung noch
stärker. Während der Süden und der Nordwesten durch den MTR mehr
als 50% der Mutterkühe verlieren, geht sie im Osten und hier insbesondere
in Uecker-Randow deutlich geringer, um 25%, zurück. Dieses liegt an dem
heute schon hohen Anteil an ökologisch gehaltenen Mutterkühen in der
Region.
Inhaltsübersicht
VIII.b Inputs
A. Dünge- und Pflanzenschutzmittel
Der Düngemittelbedarf geht, wie es bei Betrachtung der
Produktionsstruktur nicht anders zu erwarten ist, um 4% zurück.
Veränderung des Dünge- und Pflanzenschutzmittelbedarfes in
Mecklenburg-Vorpommern [%]
Veränderung in % |
MV |
Nordwest |
Süd |
Ost |
| Gesamt-Düngemittel | -4 |
-3 |
-6 |
-4 |
| N-Dünger | -5 |
-3 |
-7 |
-6 |
| P-Dünger | -4 |
-3 |
-7 |
-3 |
| K-Dünger | -1 |
-1 |
-2 |
+2 |
| Pflanzenschutzmittel | -4 |
-2 |
-5 |
-4 |
Die Veränderungen sind in den jeweiligen Regionen unterschiedlich,
je nachdem ob in der Region der Marktfruchtbau ansteigt (mehr Düngereinsatz)
ob der extensive Futterbau die Marktfrüchte zurückdrängt (weniger
Einsatz) und wie sich der Nährstoffanfall aus der Gülle ändert.
Die für die einzelnen Nährstoffe unterschiedlichen Entwicklungen resultieren
aus den variierenden Nährstoffgehalten der Gülle. Da Rindergülle
verhältnismäßig viel Kalium enthält, geht der Bedarf nach
K-Dünger verhältnismäßig wenig zurück und steigt in
der Region mit dem größten Rückgang der Rinderhaltung sogar
an.
Die Veränderung des Pflanzenschutzmittelbedarfs hängt stark von der
Entwicklung des Ackerbaus ab. In Regionen, in denen mit deutlichen Änderungen
in der Produktionsstruktur zu rechnen ist, geschieht folglich in diesem Bereich
mehr, in anderen weniger. Relativ wenig geschieht z.B. in den guten Ackerbauregionen
im Nordwesten des Landes, anders sieht es aus in den schlechteren Regionen,
in denen der Rückgang des Pflanzenschutzmittelbedarfs schon bei 5% liegen
kann.
B. Futtermittel
Futtermittelnachfrage korrespondiert mit der Veränderung der Tierhaltung.
Während die Schweineproduktion durch den MTR nicht geändert wird und
sich der Futtermittelbedarf dadurch nicht ändert, geht der Bedarf an Rinderfutter
in ganz Mecklenburg-Vorpommern um 8% zurück. Am deutlichsten ist der Rückgang
wieder in der Region Ost, in der die Produktion der Bullen deutlich zurückgeht
und damit den Futtermittelbedarf mit nach unten zieht.
Veränderung des Futtermittelbedarfes in Mecklenburg-Vorpommern [%]
Veränderung in % |
MV |
Nordwest |
Süd |
Ost |
| Futtermittel insgesamt | -4 |
-2 |
-4 |
-18 |
| dav. Rinderfutter | -8 |
-3 |
-8 |
-24 |
| dav. Milchviehfutter | 3 |
3 |
3 |
3 |
C. Arbeit
Die Arbeitskräfte gehen bis 2013 um 17% zurück. Der allergrößte
Teil besteht aus entlassenen Arbeitskräften (-13%), nur in geringem Umfang
werden Familienarbeitskräfte ihre Arbeitskraft außerhalb des Sektors
anbieten (+1%). Unter verschiedenen Lohnkosten bzw. Lohnansätzen werden
zunehmend arbeitsextensive Produktionsverfahren eingeführt, die zunehmend
zu Veränderungen des Arbeitskräftebesatzes führen.
Der Boden- und Quotenmarkt ist in Mecklenburg Vorpommern deutlich schwieriger einzuschätzen als in Schleswig-Holstein. Insbesondere ergeben sich sehr niedrige Pachtpreise für Mecklenburg-Vorpommern, die seit 1990 konstant unterhalb der Bodenrenten liegen. Analysiert man die Auswirkung des MTR auf die Zahlungsbereitschaft, die sich aus der innerbetrieblichen Rentabilität des Bodens bzw. der Milchquote ableitet, so ergibt sich das folgende Bild: Die Zahlungsbereitschaft für Ackerland sinkt um durchschnittlich 6% ab, während die Zahlungsbereitschaft für Grünland deutlich um 230% ansteigt.
IX Die Wirkung der MTR auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene
IX.a Andere Bundesländer in Deutschland
Qualitativ ergeben sich für alle Bundesländer vergleichbare Anpassungen
der Produktionsstrukturen, d.h. die MTR bewirkt in allen Bundesländern
eine klare Reduktion der Bullenmast und der Mutterkuhhaltung, während die
Milchproduktion wettbewerbsfähig bleibt, d.h. die Quote wird ausgeschöpft.
Entsprechend wird der Futterbau extensiviert, während der Marktfruchtbau
wie auch der Getreideanbau in Abhängigkeit der konkreten Bodenqualitäten
und Betriebsstrukturen zum Teil ausgedehnt zum Teil aber auch zu Gunsten eines
erhöhten Ackerfutterbaus bzw. Mulchen“ eingeschränkt werden.
In keinem Bundesland ist ein massives flächengebundenes Mulchen zu erwarten,
obwohl der Anteil des Mulchens in einigen Bundesländern durchaus deutlich
über 10% der LN umfassen kann.
IX.b Nationale Wirkungen in den EU-Mitgliedstaaten
Trotz national unterschiedlicher Ausgestaltung der Prämienzahlungen ergeben
sich auf nationaler Ebene der EU-Mitgliedsländer zumindest qualitativ relativ
homogene Anpassungsreaktionen der sektoralen Produktionsstrukturen, d.h. starker
Rückgang der Bullenmast (-8 bis 15%), Ausdehnung des Futterbaus (1,5 bis
8%), Rückgang des Getreidebaus (-1 bis -16%) und Ausdehnung des Mulchens
(9% bis 46%). Die Milchquote bleibt in allen EU-Mitgliedstaaten bindend.
Quantitativ ergeben sich z.T. erhebliche nationale Unterschiede in den Anpassungsreaktionen.
Überraschend ist vor allem die starke Wirkung des MTR auf die nationalen
Produktionsstrukturen in Großbritannien. Nach dem CAPRI-Modell ergibt
sich für Großbritannien eine Reduktion des Getreideanbaus um 17%,
wobei neben der Einschränkung der Roggenproduktion insbesondere auch die
Weizenproduktion stark eingeschränkt wird, nämlich um -15%.
IX.c Wirkung des MTR auf internationalen Agrarmärkten
Der Mid-Term-Review hat aufgrund der implizierten veränderten Produktionsstrukturen
in den EU-Mitgliedstaaten einen Effekt auf die Preisentwicklung auf den internationalen
Agrarmärkten. Dabei ergibt sich insbesondere für Getreide eine induzierte
Preissteigerung aufgrund der durch den MTR induzierten Einschränkung der
Getreideproduktion innerhalb der EU. Insgesamt liegt die induzierte Steigerung
der internationalen Getreidepreise durch den MTR im Vergleich zur Agenda 2000
im Jahr 2009 in der Größenordnung von 3% (Hartweizen) bis 9% (Gerste).
Für Deutschland ergibt sich eine Getreidepreissteigerung von rund 7% für
Weizen. Absolut entspricht dies einem Weizenpreis von rund 10,8 €/t.
X Abschließende Beurteilung des MTR