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Presseinformation 106/2005 vom 21.10.2005 | zur Druckversion

Musikgeschichte der Nazizeit: Angelpunkt Kiel

Musikforscher Prieberg vermacht sein Archiv der Kieler Universität


Einen wahren musikwissenschaftlichen Schatz hat die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) jetzt geschenkt bekommen: Fred K. Prieberg – freiberuflicher Musikforscher und -publizist, bekannt für seine musikhistorische Arbeit über die Zeit des Nationalsozialismus – hat sein gesamtes Privatarchiv gespendet. Die "konkurrenzlose Sammlung" von Buchbänden, Tonträgern, Noten und Akten wird zu einem Anlaufpunkt für die internationale Forschung werden, ist sich der Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts der CAU, Professor Bernd Sponheuer, sicher.

Das Archiv umfasst eine Bibliothek mit zirka 1500 Bänden, 800 Tonträgern und 120 Aktenordnern mit biografischem Material zu Musikern, originaler Korrespondenz und Dokumentkopien aus Archiven des In- und Auslands. Besonders brisant: Unter den Unterlagen befinden sich auch zirka 2200 Karteikarten von Musikern aus der NSDAP-Mitgliederkartei, die Prieberg im Laufe der Jahre für seine Handbücher zusammengetragen hat. Neben der Musik der NS-Zeit befasste sich Prieberg aber auch mit der neuen Musik aus der DDR, der UdSSR, Polen und Ungarn. Das gesamte Material wird jetzt an der Schleswig-Holsteinischen Landesuniversität archiviert und ist voraussichtlich ab Anfang kommenden Jahres öffentlich zugänglich.

"Wer sich mit der Rolle der Musik im nationalsozialistischen Deutschland befasst, kommt um die einschlägigen Publikationen von Fred K. Prieberg nicht herum", erklärt der Kieler Professor Sponheuer. Er lernte den heute 77-jährigen Musikforscher 1998 durch das gemeinsame Forschungsprojekt "Archivinventar 1933-45" persönlich kennen, und seither arbeiten sie zusammen.

Der ehemalige Rundfunkjournalist Prieberg recherchiert seit 45 Jahren zur Musik im Dritten Reich und hat mit Publikationen wie der 1982 erschienenen "Musik im NS-Staat" Meilensteine gesetzt. "Er zeichnete ein differenziertes, von Einzelschicksalen ausgehendes Geschichtsbild des Musiklebens im Dritten Reich. Und das bereits sehr früh – zu einem Zeitpunkt, als die akademische Musikwissenschaft vermied, politische Verwicklungen der eigenen Disziplin zu reflektieren", betont Professor Sponheuer. Erst in diesem Sommer ist Priebergs Lebenswerk – das zehntausend Seiten starke "Handbuch Deutsche Musiker 1933-1945" – erschienen.

Fred K. Prieberg arbeitet heute zurückgezogen in den Vogesen in Frankreich. Zur Ruhe hat er sich noch nicht gesetzt, wie er betont: "Mit Legat meines Archivs bin ich ja nicht zum Däumchendrehen verurteilt, sondern kann mich weiter um ergänzende Information und um Rat und Tat zugunsten des akademischen Nachwuchses kümmern."


Weitere Informationen zu Fred K. Prieberg und seinem Werk:
www.fred-prieberg.de
www.3sat.de/kulturzeit/tips/76921/index


Zwei Fotos zum Thema stehen zum Download bereit unter:

www.uni-kiel.de/download/pm/2005/2005-106-1.jpg
Bildunterschrift: Rund 50 Regalmeter umfasst das Archiv Prieberg, das jetzt an der Kieler Universität einen Raum bekommen hat.

www.uni-kiel.de/download/pm/2005/2005-106-2.jpg
Bildunterschrift: Liederbücher des Dritten Reiches aus der umfangreichen Sammlung von Fred K. Prieberg
Fotos: Sandra Ogriseck, Copyright: CAU

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Musikwissenschaftliches Institut
Professor Bernd Sponheuer
Tel: (0431) 880-2307, Fax: (0431) 880-7304
E-Mail: sponheuer@musik.uni-kiel.de



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