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Presseinformation 9/2007 vom 30.01.2007 | zur Druckversion

Wertvoller Bücherfund

An der Uni Kiel "gestrandete" Bände gehen auf die Heimreise nach Meißen


Zwei wertvolle Bücher aus dem 16. beziehungsweise 18. Jahrhundert, die den alten Besitzvermerk "Bibliotheca Afrana" tragen, sind jetzt in der Fachbibliothek Geschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wieder aufgetaucht. Beide Bände stammen ursprünglich aus der Bibliothek der Landesschule, dem heutigen Sächsischen Landesgymnasium Sankt Afra in Meißen, wohin sie nun auch wieder zurückgegeben werden. Die Bücher treten in dieser Woche nach über 50 Jahren "im Exil" ihre Heimreise an.

"Besonders das Werk des Luther-Schülers und späteren Luther-Kritikers Matthias Flacius Illyricus 'Decimatertia Centuria Ecclesiasticae Historiae' von 1574 ist kulturhistorisch höchst bedeutend", erklärt Dr. Eckhard Hübner vom Historischen Seminar, der die Bände jetzt bei einer Revision in einem Panzerschrank der Fachbibliothek entdeckt hat. Das Buch gehört zu den Magdeburger Centurien, dem ersten Versuch einer umfassenden Kirchengeschichte aus Sicht der Reformation. Flacius, einer der wichtigsten protestantischen Religionstheoretiker des 16. Jahrhunderts, gliedert die Weltgeschichte nach Jahrhunderten; der in Kiel gefundene Band ist dem 13. Jahrhundert gewidmet. Das zweite Buch, das an der Universität an der Ostsee gestrandet ist, "Einleitung zur Teutschen Reichshistorie vom Ursprung der Teutschen biss auf gegenwärtige Zeit verabfasset" wurde 1739 von Burkhard Gotthelf Struve verfasst und gehört in die Reihe der im 18. und 19. Jahrhundert zahlreich erschienenen Reichs- und Staatsschriften. Es umfasst knapp 1500 Seiten, und ein Kupferdruck ziert das Titelblatt.

Das Historische Seminar hat beide Bände in den 60er Jahren rechtmäßig von Berliner Antiquaren gekauft und dann aufgrund ihres Wertes im Panzerschrank verschlossen. "Bei einer Revision entdeckten wir nun die kleinen ovalen Stempel mit der Umschrift 'Bibliotheca Afrana', recherchierten im Internet und stießen auf die tragische Geschichte der Schulbibliothek in Meißen", so Hübner. Diese war zum Ende des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört worden, ihre damals rund 25.000 Bände in alle Winde verstreut, in den Gebäuden von Sankt Afra wurde eine LPG-Fachhochschule eingerichtet. Nach der Wende, im August 2001 öffnete das Landesgymnasium Sankt Afra an historischem Ort wieder seine Tore für hochbegabte Jungen und Mädchen. "Seither versuchen wir, das Schicksal unserer Bibliothek zu kommunizieren und unsere Werke aus dem alten Bestand wiederzubekommen, inzwischen sind es etwa 100", berichtet der Schulleiter Dr. Werner Esser. "Einige der 'alten Schinken' fanden sich ganz in der Nähe, in den rechtselbischen Schlössern bei Dresden. Dass es zwei unserer Raritäten so weit in den Norden verschlagen hat, rührt mich besonders. Wir sind der Kieler Universität sehr dankbar für diese Rückgabe."

Die Direktorin der Kieler Universitätsbibliothek (UB), Dr. Else Wischermann, dazu: "Die Rückführung von verschollenem und wieder gefundenem Kulturgut ist durchaus üblich, auch international. Für die UB Kiel ist ein solcher Fall der Restitutierung jedoch – nach unserem Wissen – bisher noch nicht vorgekommen. Umso mehr freue ich mich, dass wir den rechtmäßigen Besitzer ausfindig machen konnten und damit das kulturelle Erbe von Sankt Afra in Meißen wieder belebt wird, wenn auch nur mit zwei Bänden."


Zwei Fotos zum Thema stehen zum Download bereit unter:

Bild 1: www.uni-kiel.de/download/pm/2007/2007-009-1.jpg
Bildunterschrift: Bibliothekssolidarität: Else Wischermann und Eckhard Hübner präsentieren die Bände in der Kieler Universität, die nach mehr als 50 Jahren wieder in ihre sächsische Heimatbibliothek zurückgeschickt werden.

Bild 2: www.uni-kiel.de/download/pm/2007/2007-009-2.jpg
Bildunterschrift: Charakteristisch: der Besitzvermerk der Schulbibliothek Sankt Afra, darunter der Stempel der Fachbibliothek Geschichte der Uni Kiel

Copyright: CAU, Fotos: Sandra Ogriseck


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