CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePressePressemeldungen2007Nr. 43

Presseinformation 43/2007 vom 11.06.2007 | zur Druckversion

Im Meer oder im Mund: Nanostrukturen und ihre Gesetze

Heisenberg-Professur für Nanotechnologen der Uni Kiel


Der Kieler Materialwissenschaftler Rainer Adelung (36) ist mit der Heisenberg-Professur ausgezeichnet worden, die er jetzt angetreten hat. Die Heisenberg-Professuren der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bieten exzellenten jungen Wissenschaftlern nicht nur eine fünf Jahre lang von der DFG finanzierte Stelle, sondern auch die Aussicht darauf, anschließend unbefristet weiterbeschäftigt zu werden. Adelungs Arbeitsgebiet sind Nanostrukturen, insbesondere Nanodrähte. Deren Wechselwirkungen mit der makroskopischen Welt sollen nun untersucht werden, zum Beispiel für die Haftungseigenschaften von Dentalmaterialien oder für Anti-Fouling-Beschichtungen, um Schiffsoberflächen vor Muschelbewuchs zu schützen. Für die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel legt diese Professur einen weiteren Baustein für ihren fächerübergreifenden Forschungsschwerpunkt Nanotechnologie. Bislang gibt es in ganz Deutschland erst sieben Heisenberg-Professoren.

Nanodrähte und -röhren mit einem Durchmesser von rund einem zwanzigtausendstel Millimeter – zirka das Tausendstel eines Haares – haben Rainer Adelung und seine Arbeitsgruppe im Rahmen ihrer bisherigen Arbeiten hergestellt und isoliert. Damit aber Nanotechnologie wirksam wird, braucht es häufig sehr große Mengen dieser kleinen Strukturen. Adelungs Team gelang beispielsweise eine Synthese, bei der große Oberflächenbereiche in kurzer Zeit mit Nanostrukturen belegt werden können. "Solche Oberflächen haben neuartige, überlegene Eigenschaften gegenüber konventionellen Materialien, sie können zum Beispiel Wasserstrahlen reflektieren", erklärt der Nanotechnologe.

In seiner zukünftigen Arbeit als Heisenberg-Professor stehen nun das Verständnis der Funktionen und die Interaktionen (physikalisch, chemisch) der Nanostrukturen mit der Umgebung im Vordergrund. Diese Umgebungen können medizinischer Natur sein, wie etwa Zahnoberflächen, bei denen es auf die Bioverträglichkeit ankommt oder die aggressive Salzwasserumgebung des Meeres.

Nach dem Physikstudium an der Kieler Universität promovierte Adelung ebenfalls in Kiel summa cum laude und bekam den Fakultätspreis für die beste Doktorarbeit. Als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung ging er dann für zwei Jahre an die Case Western Reserve University nach Cleveland in den USA. Im März 2002 kam er zurück an die Ostsee, um hier am Lehrstuhl für Materialverbunde mit einer eigenen Arbeitsgruppe zu forschen – an Nanostrukturen unterschiedlichster Oberflächen – von Brennstoffzellen bis hin zu Zahnersatz. "Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, denn an den Lehrstuhl ist auch ein Team gebunden, in dem ich selbst Doktoranden in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn fördern kann", betont Rainer Adelung.

Professor Thomas Bauer, Rektor der CAU, ergänzt: "Die Heisenberg-Professur fügt sich hervorragend in den Struktur- und Entwicklungsplan der Universität ein. In persona von Rainer Adelung wird die Nanotechnologiekompetenz mit anderen Standortvorteilen Kiels, wie etwa der Expertise in den Meereswissenschaften, in einmaliger Weise verknüpft. Die fakultäts- und fächerübergreifende Ausrichtung des Forschungsbereichs – von der Medizin über die Naturwissenschaften bis hin zur Technik – wird zur Weiterentwicklung in Forschung und Lehre, aber auch ihrer Umsetzung in der Praxis beitragen." In den Nanowissenschaften hat die Kieler Universität bereits einiges vorzuweisen: Unter anderem ein DFG-Sonderforschungsbereich und die Koordination der Norddeutschen Initiative Nanomaterialien mit der Wirtschaft sind hier angesiedelt. Ein Nanolabor mit Transmissionselektronenmikroskop wird derzeit an der Technischen Fakultät gebaut.

Lebenslauf von Dr. Rainer Adelung:
www.tf.uni-kiel.de/

Details zur Heisenberg-Professur:
www.dfg.de/forschungsfoerderung/nachwuchsfoerderung/heisenberg/


Fotos zum Thema stehen zum Download bereit unter:

www.uni-kiel.de/download/pm/2007/2007-043-1.jpg
Bildunterschrift: Heisenberg-Professor Rainer Adelung
Copyright: CAU, Foto: Sandra Ogriseck

www.uni-kiel.de/download/pm/2007/2007-043-2.jpg
Bildunterschrift: Nanoigel. Diese Oberfläche ist mit Nanodrahtstacheln versehen, die einen Durchmesser von 150 Atomen bzw. zirka 50 Nanometern haben.
Copyright: CAU, Abbildung: Mady Elbahri

www.uni-kiel.de/download/pm/2007/2007-043-3.jpg
Bildunterschrift: Ein Wasserstrahl (0,4 mm Durchmesser) wird auf einer mit Nanodrahtstacheln versehenen, Wasser abstoßenden Oberfläche reflektiert.
Copyright: CAU, Abbildung: Michael Scharnberg


Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Materialwissenschaft
Professor Rainer Adelung, Tel: 0431/880-6234, Fax: 0431/880-6229
e-mail: ra@tf.uni-kiel.de



Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse und Kommunikation, Leiterin: Susanne Schuck, Text: Sandra Ogriseck
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
e-mail: presse@uv.uni-kiel.de