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Presseinformation 47/2007 vom 21.06.2007 | zur Druckversion

Land fördert Forschung an der Kieler Universität mit 1,4 Millionen Euro

Staatssekretär de Jager: "Eine kräftige Brise für mehr innovative Vielfalt"


Schleswig-Holsteins Wissenschafts-Staatssekretär Jost de Jager hat der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) heute (21. Juni) für sechs Forschungs- und Infrastrukturprojekte Förderbescheide in Höhe von insgesamt 1,4 Millionen Euro übergeben. Das Geld stammt aus dem Innovationsfonds des Landes.

Wie de Jager sagte, werde mit diesem wichtigen Instrument der Forschungsförderung unter anderem für die neu gegründete Murmann School of Global Management and Economics eine Gastprofessur im Bereich Ozeanwirtschaft finanziert. Damit soll eine Spezialisierung des MBA (Master of Business Administration) in Global Management and Economics für Meereswissenschaftler geboten werden, die später in global agierenden Unternehmen oder in internationalen Organisationen arbeiten. Neben wissenschaftlichen Vorhaben (siehe Anlage) wird in diesem Jahr auch die Einrichtung eines Familienservicebüros gefördert.

Nach den Worten des Staatssekretärs habe der Innovationsfonds in den letzten Jahren viele Projekte und Strukturentwicklungen an den Hochschulen möglich gemacht. Seit 2005 stehen mindestens sieben Millionen Euro jährlich zur Verfügung. In den ersten drei Jahren der Laufzeit zwischen 2004 und 2006 konnten Zusagen für Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Millionen Euro gemacht werden. Davon gehen fast 50 Prozent an die Universität Kiel. Mit diesem Geld wurden und werden an der CAU 23 Projekte gefördert, 44 Projekte werden an den acht weiteren Hochschulen in Schleswig-Holstein gefördert.

Professor Thomas Bauer, Rektor der CAU, dankte den Wissenschaftlern für ihre herausragenden Ideen. Er verwies darauf, dass alle Projekte unterschiedliche Fachbereiche miteinander vernetzen – "eine wichtige Voraussetzung für Innovation. Wissenschaftliche Neuerungen gedeihen in einem kreativen Klima, wie es an einem Ort wie der universitas naturgemäß vorhanden ist. Um aber Neuerungen umzusetzen, bedarf es fachübergreifender Netzwerke, die komplexe Themen wie Lebenswissenschaften oder den Ozean von allen Seiten beleuchten. Beim Ausbau dieser Netzwerkstrukturen unterstützt uns das Ministerium aus dem Innovationsfonds maßgeblich."

Kurzbeschreibung der aus dem Innovationsfonds geförderten Einzelprojekte

Ultra-Hochdurchsatz-Sequenzierzentrum (2nd Generation Sequencing):
Aufbau am Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB)

Das Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) ist eine Einrichtung von drei Fakultäten (Medizinische, Mathematisch-Naturwissenschaftliche, Agrar- und Ernährungswissenschaftliche) der CAU. Es dient dazu, Plattformtechnologien zur genetischen und genomischen Forschung zugänglich zu machen. Mit der Entwicklung von Sequenzierungstechnologien der nächsten Generation wird der Durchsatz gegenüber den jetzt verwendeten 96-Kapillar-Elektrophorese-Sequenziergeräten um den Faktor 30 bis 500 steigen (das heißt von zirka 2 Megabasen/Tag auf bis zu 1000 Megabasen/Sequenzierlauf). Für die Erforschung genomischer Vielfalt in der Sequenz wird damit im "System Mensch" ein neuer Maßstab gesetzt, aber auch weiteren Disziplinen (z. B. Botanik, Biologie) der Eintritt in die systematische Erforschung von molekularer Artenvielfalt ermöglicht, da jetzt die Sequenzierung ganzer Genome innerhalb weniger Tage möglich ist. Dazu wurden entsprechende Geräte vom Bundesforschungsministerium eingeworben, die jetzt in der Universität durch die Entwicklung entsprechender experimenteller Methoden und Protokolle zugänglich gemacht werden sollen.
Fördersumme: 442.000 Euro
Antragsteller: Prof. Dr. Stefan Schreiber, Zentrum für Molekulare Biowissenschaften der Uni Kiel
Prof. Dr. Thomas Bosch, Institut für Allgemeine Zoologie, Uni Kiel
Prof. Dr. Christian Jung, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Uni Kiel

Zentrum für transgene Mausmodelle (UMIM – Unit for Murine Inflammation Models):
Errichtung in den Räumen des Viktor Hensen-Hauses

Modellsysteme der Maus stellen in der biomedizinischen Forschung eine Schlüsseltechnologie dar, um die komplexen Vorgänge humaner Pathophysiologie im lebenden Organismus untersuchen zu können. Transgene und genetisch veränderte Mauslinien stehen in Kiel zahlreichen Arbeitsgruppen zur Verfügung und sind ein wesentlicher Teil der Exzellenzclusterinitiative "Entzündungen an Grenzflächen". In diesem Projekt soll eine Einheit für Entzündungsforschung aufgebaut werden, eine zentrale Einrichtung für transgene Mausmodellsysteme, um Schwerpunkte der Fakultäten nachhaltig zu stärken. Das Zentrum soll die Möglichkeit schaffen, definierte Modelle menschlicher Erkrankungen an der Maus standardisiert anzuwenden.
Fördersumme: 280.000 Euro
Antragsteller: Prof. Dr. Gerald Rimbach, Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde, Uni Kiel
Prof. Dr. Stefan Rose-John, Biochemisches Institut, Uni Kiel
Prof. Dr. Stefan Schreiber, Institut für klinische Molekularbiologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Ozeanwirtschaft: Gastprofessur für Global Management and Economics
Mit der Schaffung der Murmann School of Global Management and Economics ist ein Schritt unternommen worden, die Kompetenzen des Instituts für Weltwirtschaft besser mit den Wirtschaftswissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zu verzahnen. Das Institut für Betriebswirtschaftslehre und das Institut für Weltwirtschaft haben aus dem Innovationsfonds eine Gastprofessur für Global Management and Economics im Bereich Ozeanwirtschaft bewilligt bekommen, mit der eine Spezialisierung des MBA (Master of Business Administration) in Global Management and Economics für Meereswissenschaftler, die später in global agierenden Unternehmen oder in internationalen Organisationen arbeiten, entwickelt werden soll.
Viele Probleme der Nutzung, aber auch Verschmutzung von Ozeanen und dem damit zusammenhängenden Klima sind auf wirtschaftliche Tatbestände im globalen Maßstab zurückzuführen. Der Abbau von Rohstoffen und die Nutzung nachwachsender Ressourcen sind nur von großen multinationalen Unternehmen zu bewältigen. Die Verschmutzung der Ozeane und der Klimawandel lassen sich nur mit ökonomischen Anreizen bekämpfen.
Fördersumme: 250.000 Euro
Antragsteller: Prof. Dr. Sönke Albers, Institut für Betriebswirtschaftslehre, Uni Kiel
Prof. Dr. Peter Nippel, Institut für Betriebswirtschaftslehre, Uni Kiel
Prof. Dr. Dennis Snower, Institut für Weltwirtschaft, Kiel

Anoxia/Hypoxia-induzierte Signaltransduktion in Pro- und Eukaryoten
Sauerstoff (O2) ist ein für jede lebende Zelle wesentlicher Umweltfaktor. Änderungen im O2-Gehalt wahrzunehmen und darauf reagieren zu können, ist für viele Organismen eine überlebenswichtige Anpassung. Vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der CAU haben sich in diesem Projekt zusammengeschlossen, um die molekularen Grundlagen der Wahrnehmung von O2-Änderungen und die daran gekoppelte Reizweiterleitung in Archaebakterien und Pflanzen zu erforschen und zu vergleichen. Sie nutzen dafür zum einen die in ihren Arbeitsgruppen etablierten Technologien des life cell imaging und der in-organello-Analyse, also der Untersuchung von lebenden Zellen oder daraus isolierten Organellen. Darüber hinaus werden Transkriptom- und Proteomanalysen durchgeführt, die aufzeigen, welche Gene und von diesen Genen kodierte Proteine bei Änderungen der O2-Konzentration für eine Zelle wichtig sind. Die Etablierung dieses Forscherverbundes wird durch die Anschubfinanzierung von drei Doktorandenstellen ermöglicht und soll über Einwerbung weiterer Drittmittel fortgeführt werden.
Fördersumme: 227.015 Euro
Antragsteller: Prof. Dr. Margret Sauter, Botanisches Institut, Uni Kiel
Prof. Dr. Frank Kempken, Botanisches Institut, Uni Kiel
Prof. Dr. Ruth Schmitz-Streit, Institut für Allgemeine Mikrobiologie, Uni Kiel
PD Dr. Christoph Plieth, Zentrum für Biochemie und Molekularbiologie, Uni Kiel

Einrichtung eines Familienservicebüros
Das Familienservicebüro wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehungsweise wissenschaftlicher Ausbildung fördern, Konzepte für die Weiterentwicklung der familienfreundlichen Hochschule entwickeln und einführen. Es wird einen Welcome-Service für neu berufene Professorinnen und Professoren und neu eingestellte Mitarbeiter einrichten. Für Paare, die beide eine Karriere in Schleswig-Holstein anstreben, wird ein Konzept entwickelt, Verbindungen zur Wirtschaft im Lande werden vertieft und Kooperationen mit umliegenden Wissenschaftsstandorten (Nordverbund) geschaffen.
Die CAU wird mit Hilfe des neu eingerichteten Familienservicebüros wesentlich besser im Wettbewerb um die besten Köpfe konkurrieren können. Die Rekrutierung von Professorinnen und Professoren wird leichter gelingen. Die zu erwartenden Modernisierungs- und Professionalisierungseffekte werden wesentlich dazu beitragen, den Standort Kiel im Wettbewerb der deutschen und europäischen Wissenschaftsstandorte zu fördern.
Fördersumme: 142.000 Euro
Antragsteller: Andrea Eickmeier, Gleichstellungsbeauftragte der Uni Kiel
Martin Meyer, Abteilungsleiter Personalmanagement, Uni Kiel

Sensor- und Aktornetze in der Meeresforschung (OceanSense):
Vorbereitung eines Antrags für eine DFG-Forschergruppe

Ausgehend von dem nun seit zirka vier Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten SWARMS-Projekt konnte in den Arbeitsgruppen Fischer und Luttenberger (Uni Lübeck bzw. Uni Kiel) eine hohe Kompetenz zu einer Vielzahl von Themenstellungen im Gebiet der drahtlosen Sensornetze aufgebaut werden. Um diese Kompetenz einerseits für die Kieler Meeresforschung nutzbar zu machen und andererseits Schleswig-Holstein und Hamburg als prominente Wissenschaftsstandorte für dieses Forschungsgebiet zu positionieren, soll in Nachfolge des SWARMS-Projekts bei der DFG die Einrichtung einer Forschergruppe beantragt werden, die neben den genannten auch Meereswissenschaftler des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und Informatiker der Uni Lübeck und der Technischen Uni Hamburg-Harburg umfassen soll. Mit den hier beantragten Mitteln wird ein entsprechender DFG-Antrag bis zur Abgabereife vorbereitet.
Fördersumme: 30.000 Euro
Antragsteller: Prof. Dr. Norbert Luttenberger, Institut für Informatik, Uni Kiel (federführend)
Prof. Dr. Stefan Fischer, Institut für Telematik, Uni Lübeck

Ein Foto zum Thema steht zum Download bereit unter:
www.uni-kiel.de/download/pm/2007/2007-047-1.jpg

Bildunterschrift:
Zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kieler Uni erhielten Förderbescheide aus dem Innovationsfonds von Staatssekretär Jost de Jager.
Copyright: Uni Kiel, Foto: Julia Zahlten



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