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Presseinformation 54/2007 vom 16.07.2007 | zur Druckversion

Geistliches Leben im Lübecker Dom am Ende des Mittelalters

Studierende des Historischen Seminars der Kieler Uni gestalten Ausstellung


Im Lübecker Dom eröffnen am 20. Juli zehn Studierende der Kieler Universität die Ausstellung "Das Lübecker Domkapitel vor der Reformation". Darin haben sie neueste Ergebnisse der historischen Forschung für ein breites Publikum aufgearbeitet. Sechs Poster geben Einblick in verschiedene Bereiche des kirchlichen Lebens im Mittelalter: die Geschichte des Domkapitels, den Alltag im Dom, das Leben eines Domherrn, Besitz und Einkünfte des Domkapitels oder auch die wichtigen kirchenrechtlichen Zusammenhänge. "Im Jahr der Geisteswissenschaften gibt es hier für Besucher des Doms wie für geschichtlich Interessierte viel Aufschlussreiches und Spannendes zu entdecken", so Professor Arnd Reitemeier, der Leiter des Hauptseminars, in dessen Rahmen die Ausstellung entstand. Sie wird bis Ende August zu sehen sein.

Das Lübecker Domkapitel wurde 1160 gegründet und umfasste am Ende des Mittelalters 39 Geistliche. Es war das höchste geistliche Gremium in Lübeck, das die Pfarrer der Lübecker Gemeindekirchen stellte und den Bischof wählte. Das Gremium stand seit seiner Gründung in Konkurrenz zum Rat der Stadt, was sich nicht zuletzt an der vergleichbaren Größe des Doms (als Kirche des Bischofs und des Domkapitels) und der Marienkirche (als zentraler Bürgerkirche) zeigt. Über Jahrhunderte wurde der Lübecker Dom ganz anders genutzt als heute, wie die Präsentationen verdeutlichen.

Grundlage der Lehrveranstaltung an der Kieler Uni waren die in den 1990er Jahren vom Leiter des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, Professor Wolfgang Prange, herausgegebenen Quellen zum Domkapitel am Ende des Mittelalters. Anja Meesenburg (23) über die ersten Sitzungen im Seminar: "Alle Quellen sind durchgängig in Latein verfasst. Es war anfangs sehr mühsam, sich durch die vielen Texte zu arbeiten." Andreas Wiener (26): "Ich war überrascht, wie stark ältere Forschungen korrigiert werden müssen." Tagelang wurde übersetzt, zahlreiche Bücher mussten gelesen werden. Vor Ort in Lübeck wurde im Stadtarchiv, in der Stadtbibliothek, im St. Annen-Museum und im Dom recherchiert. Viele Ergebnisse werden erstmals in der Ausstellung präsentiert. Die Diskussionen um die Texte und das Layout jedes einzelnen Posters nahmen viele Stunden in Anspruch. Sehr zufrieden zeigt sich der Seminarleiter, Professor Arnd Reitemeier: "Die Studierenden haben nicht nur selbstständig geforscht, sondern ihre Ergebnisse auch allgemein verständlich umgesetzt."

Das Historische Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel belegt im aktuellen Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) einen Spitzenplatz in den Kategorien Bibliotheksausstattung, Betreuung und Studiensituation in den Studiengängen Diplom, Magister und Bachelor. "Eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung ist das Wichtigste im Studium. Zugleich bemüht sich das Historische Seminar, die Studierenden mit Projekten wie dem von Herrn Reitemeier an die Praxis zu führen", so Professor Karl-Heinrich Pohl, Geschäftsführender Direktor des Historischen Seminars. Aus demselben Grund müssen alle Kieler Geschichtsstudierenden auch mehrere Exkursionen absolvieren, um Geschichte gleichsam vor Ort zu studieren.


Ausstellungseröffnung:
Freitag, 20. Juli 2007, 16:00 Uhr
Ostchor Dom zu Lübeck, Mühlendamm 2-6, 23552 Lübeck
Professor Arnd Reitemeier gibt eine Einführung in das Thema "Lübeck und das Lübecker Domkapitel". Anschließend stellen die Studierenden in kurzen Vorträgen die Poster vor. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Ein Foto zum Thema steht zum Download bereit unter:
www.uni-kiel.de/download/pm/2007/2007-054-1.jpg

Bildunterschrift: Dieses Detail des Warendorp-Altars aus dem 15. Jahrhundert zeigt einen betenden Domherrn, ein Mitglied des Lübecker Domkapitels. Deren Leben zeichnet ein Teil der neuen Ausstellung im Lübecker Dom nach.
Copyright: St. Annen-Museum, Lübeck


Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Historisches Seminar, Prof. Dr. Arnd Reitemeier
Tel: 0431/880-3402 /-2294, Fax: 0431/880-1524
e-mail: areitemeier@email.uni-kiel.de



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