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Presseinformation 56/2007 vom 27.07.2007 | zur Druckversion

Wirtschaft erteilt Wissenschaft Millionenaufträge für Klimaforschung

Austermann: "Schleswig-Holstein erste Adresse bei CO2-Speicherung"


Der Hochschulstandort Schleswig-Holstein soll mit Hilfe der Wirtschaft eine der weltweit ersten Adressen bei der Entwicklung von Technologien zur Speicherung des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) werden. Wie Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Dietrich Austermann am Freitag (27. Juli) in Kiel sagte, sind in den nächsten Jahren aus der Wirtschaft Forschungsaufträge in Höhe von über 25 Millionen Euro zu erwarten. Ein Schwerpunkt werde die Untersuchung der so genannten CO2-Sequestrierung an Land (on-shore) und auf See (off-shore). "Durch die Schaffung des Netzwerks von Forschern und Vertretern der Energiewirtschaft ist eine neue Allianz gegründet worden, die für alle Beteiligten Vorteile verspricht und zu einem entscheidenden Sprung im Kampf gegen den Klimawandel werden wird", sagte Austermann. Angesichts des gewaltigen finanziellen Umfangs der bislang eingeworbenen Mittel für Forschung und Entwicklung, komme dies einem Exzellenzcluster "Angewandte Energieforschung" gleich, sagte Austermann.

Wie Austermann und der Direktor des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, Prof. Dr. Peter Herzig, erläuterten, werden die Energiekonzerne RWE-Dea und Wintershall allein IFM-GEOMAR in den nächsten Monaten Forschungsaufträge mit einem Gesamtvolumen von voraussichtlich 3.5 Millionen Euro erteilen. Dabei geht es unter anderem um die Einrichtung von Drucklaboren und die Frage, wie das Treibhausgas CO künftig in fester Form unter dem Meeresgrund deponiert und im selben Arbeitsgang Erdgas (Methan) gewonnen werden kann. Gleichzeitig sollen unter Federführung der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) im Rahmen des Projekts auch Möglichkeiten der Lagerung von Kohlendioxid an Land untersucht werden.

Wie Herzig weiter sagte, haben Wissenschaftler des IFM-GEOMAR unter Koordination von Prof. Dr. Klaus Wallmann vor wenigen Wochen den so genannten Verbundantrag SUGAR (Submarine Gashydrat Lagerstätten) beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht, um gemeinsam mit Firmen aus den Branchen Gas, Chemie und Schiffbau, neue Gashydrat-Technologien zu entwickeln. "Wir wollen die beantragten Bundesmittel von rund 10 Millionen Euro nutzen, um in Zukunft Kohlendioxyd aus Kohlekraftwerken in Methanhydrat-Lagerstätten einzubringen. Das CO2 wird so sicher im Meeresboden als Gashydrat deponiert, während das Methan aus den Hydraten verdrängt und als Erdgas gefördert wird", so Wallmann.

Darüber hinaus konnten nach den Worten von Herzig weitere Drittmittel-Aufträge akquiriert werden. So haben die beiden großen Öl- und Gasunternehmen dem IFM-GEOMAR rund 11 Millionen Euro zugesprochen, um Methanvorkommen in der Nordsee und den Zusammenhang zwischen Gasgenese und Schlammvulkanen im Nildelta zu untersuchen. Im Einsatzgebiet Ägypten sollen Erkenntnisse der Kieler Forscher dazu beitragen, ein tieferes Verständnis über Gasvorkommen und deren Wechselwirkung mit unterseeischen Emissionen zu erlangen. In diesem Zusammenhang werden auch umwelt- und sicherheitsrelevante Aspekte bei der Gewinnung von Erdgas untersucht.

An der CAU erhalten die Arbeitsgruppen um die Professoren Hans-Jürgen Götze, Wolfgang Kuhnt und Karl Stattegger Forschungsaufträge in Höhe von 4 Millionen Euro, um neue geophysikalische Auswertungsverfahren zur Charakterisierung von Gasspeichergesteinen zu entwickeln und Ablagerungsbedingungen von Erdöl führenden Gesteinen zu untersuchen. Professor Siegfried Wolffram, der Prorektor der CAU, betont: "Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat uns die Exzellenz in der Grundlagenforschung bestätigt, indem sie uns den Exzellenzcluster bewilligt hat. Die heute vorgestellten Projekte zeigen deutlich, dass wir uns auch als Partner der Industrie verstehen und uns am allseits diskutierten Technologietransfer aktiv beteiligen."

Prof. Peter Herzig: "Hier zeigt sich, dass die schleswig-holsteinischen Forschungsinstitutionen bei der Forschungsfinanzierung neue Wege gehen." Er sei deshalb optimistisch, dass Schleswig-Holstein bei einem Erfolg der gekoppelten CO2-Speicherung und Methangewinnung im offshore-Bereich eine internationale Marktführerschaft erlangen könne. "Wir nehmen damit zwei der weltweit wichtigsten Herausforderungen an; nämlich die Erschließung neuer Energiereserven und die Reduktion der globalen CO2-Emissionen", so Herzig, der zugleich maritimer Koordinator der Landesregierung ist. In diesem Zusammenhang wies er auf seine Bemühungen hin, beim Bundesforschungsministerium weitere Fördermittel in Höhe von rund 50 Millionen Euro für die Gashydrattechnologie zu mobilisieren, um gemeinsam mit der Fachhochschule Kiel und industriellen Partnern die technischen Verfahren zur Hydratumwandlung in Pilot- und Versuchsanlagen weiter zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen.

Im Hinblick auf die CO2-Sequestrierung im on-shore-Bereich wies der Geowissenschaftler Prof. Dr. Andreas Dahmke von der Kieler Christian-Albrechts-Universität ebenfalls auf mehrere geplante Zukunftsprojekte im Schulterschluss mit der Wirtschaft hin: So beabsichtige die Kieler Universität gemeinsam mit den Universitäten Stuttgart und Dresden sowie dem schleswig-holsteinischen Landesamt für Naturschutz und mit einem Industriekonsortium der Energiewirtschaft ein Software-Paket zur Simulation der CO2-Speicherung in tiefen, Wasser führenden und salzhaltigen Schichten zu entwickeln. Darüber hinaus, so Dahmke, bemühe sich die CAU, weitere Drittmittel in Millionenhöhe für auswählte Demonstrationsprojekte zur CO2-Sequestrierung einzuwerben.

Nach Einschätzung von Austermann werden sämtliche Forschungen innerhalb der nächsten zehn Jahre abgeschlossen sein: "Wir rechnen damit, dass als Teilergebnis der Projekte im Jahr 2020 die ersten schadstoffneutralen Kohlekraftwerke ans Netz gehen können. Und ich bin obendrein zuversichtlich, dass dem Land auch die Ansiedlung des ersten Pilotprojekts eines CO2-freien Kraftwerks gelingen könnte. Die Entwicklung der CO2-Sequestrierung und Deponierung wird damit zur 'Schicksalstechnologie' für die Kohlekraft in Deutschland", sagte Austermann.

Der Minister erinnerte daran, dass auch zwei Gemeinschaftsprojekte mit der Fachhochschule Flensburg mit einem Volumen von knapp 700.000 Euro in Vorbereitung seien. Dabei handelt es sich nach den Worten des zuständigen Wissenschaftlers Prof. Dr. Helmut Erdmann um Technologien für den künftigen Transport von Kohlendioxid. "Der Transport von CO2 stellt erhebliche Anforderungen an das Material. Sowohl die Transportbehälter, als auch Ventile und Rohrleitungen sind hohen Drücken ausgesetzt. Deshalb untersuchen wir die Materialbeschaffenheit und arbeiten an Pumpen, die diese hohen Drücke erzeugen können", so Erdmann. Ein weiteres Problem stelle die Erkennung von Leckagen dar. Deshalb werde an der FH Flensburg an der Entwicklung von Sensoren gearbeitet, die undichte Stellen in einem frühen Stadium erkennen können.


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