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Presseinformation 109/2010 vom 06.07.2010 | zur Druckversion

CAU lehnt “Geheimpapier“ der Universität Lübeck ab


Das Konzept der Universität Lübeck zur Abwendung des Kabinettbeschlusses vom 26. Mai 2010 und der Einstellung des Medizinstudienganges in Lübeck ab Wintersemester 2011/12 ist ein beispielloser Vorgang des versuchten unberechtigten Eingriffes einer Universität in die Strukturen einer anderen Universität. Ziel ist dabei die Geldgewinnung für die eigene Universität durch Reduktion der sehr erfolgreichen Schwesterfakultät. Das Lübecker Konzept wurde zudem geheim gehalten und nicht mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel abgestimmt. Das ist ein bisher in Deutschland einmaliger Akt.

"Wir haben bis heute nach einer gemeinsamen Strategie zur Bündelung der Forschungsressourcen mit unserer Schwesterfakultät in Lübeck gesucht", so der Dekan der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität, Prof. Dr. Stefan Schreiber. "Wir schulden dem Steuerzahler gerade in einem kleinen Bundesland, dass wir unsere Stärken aufeinander abstimmen und zusammenführen. Dies gebietet auch unsere Fürsorgepflicht für die vielen exzellenten Hochschullehrer an beiden Standorten, Kiel und Lübeck."

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat bis heute versucht, einen gemeinsamen Forschungsraum im Dialog mit der Schwesterfakultät in Lübeck und dem Leibniz Institut "Forschungszentrum Borstel" zu definieren, in dem sich die stärksten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einer besonderen Förderung erfreuen können und der sicher stellt, dass Steuergelder mit exzellenter Leistung und weltweit sichtbaren Erfolgen zurückgezahlt werden. Entsprechende Gesprächsangebote wurden seitens der Lübecker Universität bisher abgelehnt.

"Nunmehr ist leider der Versuch der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, eine Einigung zu Gunsten der Exzellenz zu erzielen, gescheitert", so der Präsident der Christian-Albrechts-Universität, Prof. Dr. Gerhard Fouquet. "Anstelle einer gemeinsamen Mannschaft sollen jetzt zwei halbe Teams gebildet werden, die nicht konkurrenzfähig sind. Mit dem Versuch, die Eigenständigkeit trotz der kleinen Größe beider Fakultäten zu stärken und eine Abstimmung zu vermeiden, wünscht die Universität Lübeck jetzt die Kürzung der Kieler Fakultät unter die Grenze der wissenschaftlichen Erkennbarkeit. Dabei sollen vor allem Erbhöfe erhalten und eine zeitgerechte Leistungslandschaft in der Medizinforschung vermieden werden. Dieser Versuch der Geldgewinnung für die eigene Universität hat mit Piraterie mehr zu tun als mit einer Wissenschaftsdiskussion zur Verbesserung von Strukturen.“

Zu der Forderung Lübecks, seine von der Landesregierung diktierte Restrukturierung durch die Kürzung Kiels auszugleichen, sagt Prof. Dr. Thomas Schwarz, Prodekan der Kieler Medizinfakultät: "Dies ist kein akademisches Verhalten unter Wissenschaftlern, sondern ein Versuch, die kommende Begutachtung durch ein Sachverständigengremium, den Wissenschaftsrat, vorweg zu nehmen und zudem alle gemeinsamen Diskussionsgremien, die die Interessen der Steuerzahler wahren, zu überspringen."

Hintergrundinformationen
Die Kieler Medizinische Fakultät wurde 1646 gegründet. Sie hat zuletzt 29,0 Mio. EUR Drittmittel in 2009 eingeworben. Dies entspricht fast 80 % des Landeszuschusses, die so zusätzlich durch Forschungsleistung ins Land gebracht wurden. Im Rahmen der Medizinausbildung an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Lübeck wurde seitens des Wissenschaftsministeriums festgestellt, dass bis 2008 die nach Kapazitätsrecht ermittelte Anzahl an zuzulassenden Studierenden nicht ausgeschöpft wurde. Die Medizinische Fakultät zu Lübeck akquirierte in 2009 15,4 Mio. EUR Drittmittel.

An der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wurde gemeinsam mit Forschungsgruppen aus Lübeck (ca. 20%) ein DFG Exzellenzcluster eingeworben ("Inflammation at Interfaces"). Die Medizinische Fakultät der CAU ist darüber hinaus an einem zweiten Exzellenzcluster der CAU ("Future Ocean") wesentlich beteiligt ebenso wie an einer Graduiertenschule ("Human Development in Landscapes").
Am 26.05.2010 wurde von der Haushaltsstrukturkommission des Landes Schleswig-Holstein ein Plan zur Gesundung des Haushalts des Landes vorgelegt. Er sieht Kürzungen in Höhe von mehr als 1 Milliarde EUR vor. Das Einsparvolumen durch Schließung des Medizinstudiums an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Lübeck wird bis 2020 mit ca. 50 Mio. EUR beziffert.

Der Medizinausschuss dient der Abstimmung der Strategien beider medizinischen Fakultäten im Lande Schleswig-Holstein (Kiel und Lübeck) mit dem gemeinsamen Universitätsklinikum, UK S-H. Dieser Ausschuss wurde in der Vergangenheit allerdings wenig zur erfolgreichen Abstimmung genutzt. Mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit wurden teure Doppelstrukturen geschaffen und viele Lehrstühle trotz enger geographischer Nähe parallel besetzt. Beide Fakultäten haben bis jetzt gemeinsam eine Stärkung der Hochschulmedizin gefordert und die Kürzungen der Landesregierung in diesem besonders erfolgreichen Sektor abgelehnt.

Erst heute wurde bekannt, dass die Medizinische Fakultät in Lübeck und die Universität zu Lübeck diese Phase der Solidarität nutzen, um ein Konzept vorzubereiten, das eine Reduktion der erfolgreicheren und reformfreudigeren Schwesterfakultät in Kiel um 25% fordert und das jetzt nach erfolgloser Bewerbung im zuständigen Ministerium des Landes über öffentlichen Druck in Pressekonferenzen der Universität zu Lübeck durchgesetzt werden soll.



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