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Presseinformation 198/2011 vom 23.11.2011 | zur Druckversion


Rückenwind für geisteswissenschaftliche Forschung

Akademie der Wissenschaften billigt zwei neue Projekte für 12 Millionen Euro


Großer Erfolg für die Stiftung Schloss Gottorf und die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel: Beide Einrichtungen werden aus dem Akademieprogramm des Bundes und der Länder mit insgesamt 12 Millionen Euro für zwei weitere von bislang fünf in Schleswig-Holstein bestehenden Forschungsvorhaben unterstützt. Wie Wissenschaftsminister Jost de Jager heute (23. November) in Schleswig sagte, belege die entsprechende Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz die Stärke der geisteswissenschaftlichen Forschung im Lande. Das Gesamtvolumen des Akademieprogramms für 2012 umfasst bundesweit 54,4 Millionen Euro.

Den einen Zuschlag erhielt das vom Land seit vier Jahren institutionell geförderte Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) von Professor Claus von Carnap-Bornheim für das Projekt „Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung – Siedlungsarchäologische Grundlagenforschung zur Eisenzeit im Baltikum“. Das Vorhaben wird mit einem jährlichen Gesamtetat von 345.000 Euro ausgestattet und hat eine Laufzeit bis 2029.

Nach den Worten des schleswig-holsteinischen Landesarchäologen von Carnap-Bornheim geht es dabei um die Wiederaufnahme einer vormals sehr erfolgreichen archäologischen Forschung in den ehemaligen ost- und westpreußischen Regionen. Mit territorialen Umstrukturierungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges und den kriegsbedingten Verlusten der Sammlungen und zugehörigen Dokumentationen war die archäologische Grundlagenforschung vor mehr als 60 Jahren im Kaliningrader Gebiet abrupt zum Erliegen gekommen. Erst seit Wiederentdeckung großer Teile der legendären Königsberger Prussia-Sammlung sowie den originalen Dokumentationen steht seit den 1990er Jahren ein bislang unerschlossenes Datenarchiv wieder zur Verfügung.

Das bewilligte Akademie-Projekt ermöglicht es den beiden gleichberechtigten Antragstellern ZBSA und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Schloss Charlottenburg (Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz), die Forschungsergebnisse aus der deutschen Zeit und jene der russischen Kollegen der letzten Jahrzehnte zusammen zu führen und im Rahmen einer internationalen Kooperation auch anhand modernster Technologien die archäologische Geschichte dieser spannenden Kulturlandschaft fortzuschreiben. „Wissenschaftlern aus Schleswig ist es ab 2003 als ersten nicht russischen Archäologen überhaupt ermöglicht worden, zusammen mit russischen Fachkollegen am wikingerzeitlichen Fundplatz Wiskiauten die große Tradition der Siedlungsarchäologie fortzusetzen“, so von Carnap-Bornheim. Durch das Akademie-Projekt werden drei volle Wissenschaftler-Stellen finanziert und insgesamt 18 Doktoranden die Möglichkeit der wissenschaftlichen Ausbildung gegeben.

De Jager erinnerte daran, dass das Land im ersten Halbjahr 2012 beabsichtige, für das ZBSA einen Antrag zur Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft zu stellen. „Dafür ist eine erfolgreiche Mitwirkung an Akademievorhaben eine hervorragende Startposition“, so der Minister. Mit der Aufnahme durch die Leibniz-Gemeinschaft würde die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts mit seiner überregionalen Bedeutung für das gesamtstaatliche Wirken noch unterstrichen.

Bei dem zweiten Projekt handelt es sich um das Vorhaben „Residenzstädte im Alten Reich (1300 – 1800) – Urbanität im integrativen und konkurrierenden Beziehungsgefüge von Herrschaft und Gemeinde“ von CAU-Präsident Professor Gerhard Fouquet und den Professoren Olaf Mörke, Matthias Müller (Mainz) und Werner Paravicini. Der jährliche Gesamtetat bis 2026 beträgt 415.000 Euro. Das Vorhaben widmet sich der Erforschung von spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Residenzstädten. Fouquet: „Ziel ist die Erarbeitung eines Handbuchs, das die Stadt- und Urbanisierungsgeschichte der Vormoderne auf eine neue Grundlage stellen wird.“ Für die Geschichtsforschung werde es ein wichtiges Arbeitsinstrument bilden, das auch online verfügbar ist. Neben dem Handbuch sind weitere Publikationen, internationale Tagungen sowie die Einbindung projektbezogener Dissertationen und Habilitationen geplant. Die Arbeitsstelle an der Uni Kiel wird vier wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie jeweils zwei Doktorandinnen und Doktoranden und studentische Hilfskräfte beschäftigen.

Wie de Jager sagte, sei es der CAU in Person des Präsidenten Fouquet sowie seiner Kollegen gelungen, mit dem weiteren erfolgreichen Antrag für ein Akademievorhaben die geisteswissenschaftliche Forschung an der Universität nachhaltig zu stärken. Neben der von Bund und Ländern im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderten Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ werde mit dem neuen Akademieprojekt der fakultätsübergreifende Forschungsschwerpunkt der CAU „Gesellschaft, Umwelt, Kultur im Wandel“ weiter gestärkt und ausgebaut.

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Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollen zum Markenzeichen Schleswig-Holsteins werden: Wissenschaftsminister Jost de Jager (Mitte) beglückwünschte CAU-Präsident Professor Gerhard Fouquet (links) und Professor Claus von Carnap-Bornheim zu den bewilligten Akademie-Projekten.
Copyright: CAU Foto: Schimmelpfennig

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