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Presseinformation 23/2012 vom 25.01.2012 | zur Druckversion

Wenn Flüsse ertrinken

Kieler Forschungsgruppe entdeckt Puzzleteil in der Entwicklung der Ostsee


Vor über 10.000 Jahren trennten natürliche Schwellen den Baltischen Raum von der Nordsee. Bisher hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angenommen, dass der Durchbruch einer dieser Schwellen zwischen Darß und der dänischen Insel Falster (Darßer Schwelle) die Verbindung herstellte. Ein aktueller Fund der Arbeitsgruppe Sedimentologie, Küsten- und Schelfgeologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) widerlegt diese Theorie: Sie entdeckten einen Jahrtausende alten Flusslauf am Boden des Fehmarn Belt. Diese neuen Ergebnisse sind gerade in der renommierten Fachzeitschrift „Continental Shelf Research“ erschienen.

Hydroakustische Messungen an Bord der GEOMAR-Forschungsschiffe Alkor, Littorina und Poseidon brachten die Geologen Dr. Peter Feldens und Dr. Klaus Schwarzer auf die Spur des ertrunkenen Flusslaufs. Mit Sedimentproben und von Fächerecholoten und Seitensichtsonaren gesammelten Daten über die Tiefe und die Bodeneigenschaften konnten sie den Fluss kartieren. Dieser ist mehrere hundert Meter breit und bis zu dreißig Meter tief. „Die Durchflussraten entsprachen in etwa denen der heutigen Elbe“, sagt Feldens. Zu großen Teilen sei dieser allerdings mit eiszeitlichen Ablagerungen sowie nacheiszeitlichen Sedimenten gefüllt. Radiokarbondatierungen, also die Messung des Zerfalls von radioaktiven 14C-Atomen in Sedimenten des Fehmarn Belt, sowie die Rekonstruktion von Wasserständen aus fossilen, heute unter Wasser liegenden Kliffs zeigen, dass das Gebiet ein Teil des sogenannten Ancylus-Sees – einem Vorläufer der Ostsee – war. Feldens: „Ein Durchbruch der östlich gelegenen Darßer Schwelle kann daher unmöglich für das plötzliche Auslaufen dieses Sees Richtung Nordsee verantwortlich sein.“ Eine diesen See abgrenzende Schwelle müsse sich stattdessen zwischen Fehmarn Belt und Kattegat befinden, schlussfolgert der Wissenschaftler.

Die Forschungsergebnisse beweisen, dass die Kieler und Mecklenburger Bucht Teil früherer Ostsee-Phasen waren und nicht, wie bisher angenommen wurde, eigenständige Entwicklungen genommen haben. „Das heißt auch, dass sich die überregionalen Meeresspiegelfluktuationen in der Vergangenheit nun auch vor der Haustür untersuchen lassen“, erklärt Schwarzer.

Link zur Online-Version der Publikation:
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0278434311003876

Bilder stehen zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Studierende an Bord des Forschungsschiffs ALKOR bei der Bearbeitung von Sedimentkernen vom Grund der Ostsee. Sonardaten über den Untergrund werden anhand dieser Erkenntnisse geeicht.
Copyright/Foto: Klaus Schwarzer

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www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-023-1.jpg

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Bildunterschrift: Hydroakustische Messungen legten ihn für das menschliche Auge frei: der Flusslauf (blau) inmitten des Fehmarn Belt.
Copyright/Foto: Peter Feldens

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Kontakt:
Dr. Klaus Schwarzer, Dr. Peter Feldens
Institut für Geowissenschaften
Arbeitsgruppe Sedimentologie, Küsten- und Schelfgeologie
Otto-Hahn-Platz 1, 24118 Kiel
Telefon: +49(0)431/880-1188
E-Mail: kls@gpi.uni-kiel.de, kls@gpi.uni-kiel.de



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