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Presseinformation 54/2012 vom 24.02.2012 | zur Druckversion

Um vier Bände reicher


Die „Neue Ausgabe sämtlicher Werke“ von Johannes Brahms wächst an der Uni Kiel immer weiter. Heute, 24. Februar, nahm Dr. Cordelia Andreßen, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr Schleswig-Holstein, bei ihrem Besuch in der Forschungsstelle der Johannes Brahms Gesamtausgabe (JBG), Musikwissenschaftliches Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), vier weitere Bände entgegen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forschungsstelle informierten Frau Andreßen über die Zusammenarbeit mit Brahms-Forschenden im In- und Ausland sowie den Stand des gemeinsam von Bund und Land geförderten Forschungsvorhabens.

„Wir sind stolz, heute vier weitere Zwischenergebnisse unserer bis 2026 angelegten Forschungsarbeit an Frau Andreßen überreichen zu können und bedanken uns damit für die kontinuierliche Förderung durch das Land“, betont Professor Siegfried Oechsle, Leiter der JBG. Die Forschungsstelle arbeitet mit derzeit einer Wissenschaftlerin und drei Wissenschaftlern daran, alle Werke von Johannes Brahms (1833-1897) so originalgetreu wie möglich nach heutigen musikwissenschaftlichen Maßstäben zu veröffentlichen.

„Eine erste Brahms-Gesamtausgabe erschien 1926/27 im Druck und gilt heute als unvollständig und vom Konzept her stark veraltet. Die Arbeit unserer Forschungsstelle besteht darin, Originalhandschriften des Komponisten, Abschriften sowie Erst- und Frühdrucke miteinander zu vergleichen sowie alle Korrekturen und Abweichungen zeitlich und inhaltlich zu rekonstruieren“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Michael Struck. Dazu gehört auch, dass Brahms eigenhändige Änderungen von den Änderungen anderer sorgsam unterschieden werden. Ihre Erkenntnisse fassen die Forscherinnen und Forscher in neuen Ausgaben zusammen, die als Einzelbände in 13 Serien im G. Henle Verlag, München, veröffentlicht werden. Von den bis 2026 geplanten 65 Notenbänden sind bisher 15 Bände erschienen und vier weitere im Druck.

Der jüngste Band 6 in der Serie Klavierwerke ist der bislang zweitumfangreichste Band der Gesamtausgabe. Herausgeberin Katrin Eich trägt in ihrer Edition von 2011 Klavierstücke aus sämtlichen Schaffensperioden von Brahms zusammen, beginnend mit dem im Alter von 18 Jahren komponierten Scherzo op. 4 bis hin zu den vier Jahre vor seinem Tode entstandenen Klavierstücken op. 119.

Mit dem ebenfalls 2011 erschienenen Band 4 der Serie Orchesterwerke legt der englische Brahms-Spezialist Robert Pascall die 1884/85 komponierte 4. Symphonie in akribisch überprüfter und editorisch verbesserter Fassung vor und schließt damit die historisch-kritische Edition der vier Brahms-Symphonien in ihrer Orchesterfassung ab. Bis 2013 werden dann auch die zwei noch ausstehenden Bände mit Brahms’ Klavierbearbeitungen seiner Symphonien erschienen sein.

Für Band 9 der Kammermusik-Serie spürten die Herausgeber Egon Voss und Johannes Behr mehrere bislang unbekannte oder unzugängliche Quellen auf. So erlangten die Wissenschaftler erstmals Zugang zu einem Foto aus Brahms verschollener eigenhändiger Niederschrift des 1. Satzes der Cellosonate op. 38, welches sich derzeit in Privatbesitz in der Schweiz befindet. So führt die Edition zu neuen Erkenntnissen über Brahms’ kompositorische Ausfeilung des Satzbeginns.

Band 7 der Serie IA, herausgegeben von Linda Correll Roesner und Michael Struck, enthält die Klavierauszüge der beiden Streicherkonzerte (Violinkonzert, Doppelkonzert). Klavierauszüge und Klavierarrangements, also Bearbeitungen von größer besetzten Werken für oder mit Klavier, halfen im 19. Jahrhundert, Brahms’ Musik zu popularisieren. Professionelle Musiker und Musikerinnen wie auch musikbegeisterte Laien benutzten diese Fassungen zum Musizieren im privaten Bereich und zum Studium der Werke. Gelegentlich kam es auch vor, dass ein Stück sich bereits im privaten Rahmen zu verbreiten begann, ehe die Hauptfassung für Orchester, Kammermusikensemble oder Gesang mit Orchester zur Uraufführung kam.

Die JBG wird seit 1991 in Verbindung mit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien erstellt. Ein Kooperationsvertrag verbindet die JBG mit dem ebenfalls in Schleswig-Holstein beheimateten Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck. Gefördert werden die Editionsarbeiten durch die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, vertreten durch die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Bonn, des Ministeriums für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein sowie des Österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung.

Weitere Informationen zur Johannes Brahms Gesamtausgabe:
www.brahmsausgabe.uni-kiel.de

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Bildunterschrift: Dres. Johannes Behr, Cordelia Andreßen, Prof. Oechsle, Katrin Eich und Michael Struck bei der Übergabe der vier neuen Bände der Brahms Gesamtausgabe.
Foto: Stefanie Maack, Copyright: CAU

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Kontakt:
Dr. phil. Michael Struck
Musikwissenschaftliches Institut, CAU
Telefon: 0431/880-2304
E-Mail: brahmsausgabe@email.uni-kiel.de



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