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Presseinformation 119/2012 vom 25.04.2012 | zur Druckversion

„Wir werden Sie irritieren!“

Philosophische Fakultät zeigt, was sie kann


Ist Mahmud Ahmadinedschad, Präsident des Iran, wahnsinnig? Nein, sagt Professorin Anja Pistor-Hatam, Islamwissenschaftlerin und Forschungsdekanin an der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). In ihrem Forschungsprojekt „Nationalismus und Geschichtsschreibung im Iran“ fand sie heraus, dass iranische Nationalisten von der Überlegenheit einer ewigen, unzerstörbaren iranischen Kultur ausgehen. Dazu hat Pistor-Hatam persische historiographische Texte der Jahre 1930 bis 2008 analysiert, die sich mit der mongolischen Herrschaft im Iran des 13. und 14. Jahrhunderts beschäftigen. Ergebnis: „Die meisten Autorinnen und Autoren gehen vom Kern eines Iranertums aus, der als unzerstörbar angesehen wird. Sie meinen, dass selbst der brutale Überfall der Mongolen diese ‚kulturelle Identität‘ nicht zerstören konnte“, sagt die Forscherin. Dieses Fazit kann helfen zu verstehen, warum der iranische Präsident oft provokant gegenüber westlichen Regierungen auftritt.

Pistor-Hatams Projekt ist Teil einer Ausstellung, die zurzeit im Audimax der CAU zu sehen ist. Zahlreiche Professorinnen und Professoren, Doktorandinnen und Doktoranden der Philosophischen Fakultät zeigen dort, woran sie gerade arbeiten. Die Essenz ihrer Projekte haben sie auf vierzig Poster gebannt, die die Besucherin und den Besucher auf eine virtuelle Reise von China bis nach Ostfriesland schickt. „Hier findet sich die ganze Bandbreite der geisteswissenschaftlichen Forschung an der Uni Kiel“, so Pistor-Hatam. „Viele unserer Fragestellungen werden die Öffentlichkeit irritieren, denn sie zweifeln häufig in der Gesellschaft allgemein hingenommene Begriffe an.“

Einer dieser Begriffe ist zum Beispiel das „Verstehen“: Wie kann man Kunst verstehen? Wie Musik? Und was ist misslungene Kommunikation? „Abseits der traditionellen Herangehensweise über das Verstehen versuchen wir die Rolle des Nichtverstehens zu beleuchten“, sagt Dr. Frank Nagel. So umschreibt der Romanist die Arbeit im Projektkolleg „Negative Hermeneutik – Formen des Nichtverstehens“. Hier kommen neben der Philosophie unter anderem auch Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft und Sprachwissenschaft zum Tragen.

Geistes- und kulturwissenschaftliche Disziplinen bilden keinesfalls einen abgeschlossen Bereich in der Forschung. „In der Umweltarchäologie arbeiten wir mit Biologinnen, Historikern, Archäologinnen oder Sozialwissenschaftlern zusammen“, sagt Professorin Wiebke Kirleis, selbst Biologin. In ihrem Projekt untersucht sie mit ihrer Arbeitsgruppe prähistorische Gesellschaften und ist auf die Methoden der Natur- wie Geisteswissenschaften angewiesen. Wie die meisten der ausgestellten wissenschaftlichen Unternehmungen werden auch ihre Arbeiten umfangreich durch eingeworbene Drittmittel finanziell gefördert.

Einen Antrag auf Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat auch Ines Webers Team gestellt. Die Doktorandin aus dem Sozialwissenschaftlichen Institut möchte wissen, wie es um das politische Denken in Deutschland bestellt ist. Haben sich die tradierten politischen Strömungen überlebt? Um eine Antwort darauf zu finden, werten die jungen Forschenden die einflussreichsten Publikationen der letzten 20 Jahre aus. Welche das sind? „Wir schauen uns Bestsellerlisten an und befragen Journalisten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, erklärt Weber. „Unser erster Eindruck ist jedoch, dass es kaum noch einen Bindung an Ideologien gibt – es wird eher problemorientiert gehandelt.“

Ob Explosionen als gestalterisches Mittel in der Kunst, mittelalterliche Grabplatten, Dialekte im deutschsprachigen Raum oder internationale Sicherheitspolitik: Nach dem Besuch der Ausstellung der Kieler Philosophischen Fakultät hat man eine ungefähre Ahnung davon, was auf dem Campus der Universität vor sich geht. „Interessierte werden feststellen, dass unsere Themen gesellschaftlich hoch relevant sind“, sagt Dekan Professor Markus Hundt. Zukünftig soll es einmal im Jahr eine Ausstellung geben, die den Forschungstag im Herbst, der 2011 Premiere feierte, ergänzt.

Organisiert wird die Ausstellung vom Collegium Philosophicum, der geisteswissenschaftlichen Forschungsplattform der Philosophischen Fakultät, dessen Leitung in den Händen von Professorin Anja Pistor-Hatam liegt.

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Das Wichtigste in Kürze:
Was: Posterausstellung des Collegium Philosophicum
Wann: Noch bis 27. April, 8:00 bis 20:00 Uhr
Wo: Foyer Audimax, Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

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Bildunterschrift: So vielfältig wie die Personen, die an ihnen arbeiten, sind die Projekte der Philosophischen Fakultät. Christian Schuffels, Lucie Chamlian, Katinka Seeger, Frank Nagel, Anja Franke-Schwenk, Daniel Jesche, Ines Weber, Anja Pistor-Hatam, Zishan Ahmad Ghaffar und Markus Hundt (v.l.n.r.) stellen neben vielen anderen ihre Arbeit in einer Ausstellung vor.
Copyright: CAU, Foto: Denis Schimmelpfennig

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Bildunterschrift: Haben sich politische Ideologien in Deutschland überlebt? Das möchte Doktorandin Ines Weber herausfinden.
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Bildunterschrift: Die Sprache ist sein Metier: Dekan Markus Hundt
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Bildunterschrift: Ungewöhnliche Fragestellungen führen oft zur Lösung eines Problems: Forschungsdekanin Anja Pistor-Hatam beschäftigt sich mit der iranischen Kultur.
Copyright: CAU, Foto:Denis Schimmelpfennig

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Kontakt:
Zishan Ahmad Ghaffar
Collegium Philosophicum
Tel: 0431/880-2249
E-Mail: ghaffar@philfak.uni-kiel.de



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