CAU - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Presseinformation 142/2012 vom 15.05.2012

Mit Columbus im All

Kieler DOSIS wieder im Einsatz


Aus Kasachstan ist heute (Dienstag, 15. Mai) das russische Sojus-Raumschiff zur Internationalen Raumstation (ISS) aufgebrochen – dem europäischen Arbeitslabor der Weltraumfahrt. Mit an Bord ist ein in Europa einzigartiges Experiment, genannt DOSIS (Dose Distribution Inside the ISS), das nach einer „Verjüngungskur“ wieder seinen angestammten Platz im Columbus-Modul der Raumstation einnehmen wird. Entwickelt und gebaut von Physikerinnen und Physikern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) messen hochspezialisierte Sensoren in DOSIS die kosmische Strahlung, der Astronautinnen und Astronauten im Weltraum ausgesetzt sind.

Das Kieler Experiment DOSIS war bereits von Juli 2009 bis Juni 2011 auf der ISS im Einsatz und kam mit der Raumfähre „Atlantis“ auf der letzten Space Shuttle Mission zur Erde und nach Kiel zurück, um die Auswirkung der kosmischen Strahlung auf die Elektronik zu untersuchen und es weiter zu verbessern. Die Untersuchungen zeigten keinen Instrumentenverschleiß durch Strahlung, sagt Dr. Sönke Burmeister vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der CAU: „Dafür haben wir die Gelegenheit für weitere Verbesserungen sowohl im Bereich der Hardware als auch der Software genutzt. Und auch einen kleinen technischen Defekt konnten wir so beheben.“

„Für die Raumfahrt und besonders für zukünftige Missionen zum Mond und zum Mars ist es sehr wichtig, mehr über die potenzielle Strahlenbelastung der Mannschaft zu wissen", so Burmeister weiter. „Die Kosmische Strahlung ist für Astronautinnen und Astronauten eine gesundheitliche Belastung und begrenzt die Zeit, die sie im All arbeiten können. Besonders die langen Flüge zum Mars stellen ein großes gesundheitliches Risiko dar. Dabei können die Grenzwerte für die maximale Strahlenbelastung schnell überschritten werden.“

Kosmische Strahlung ist im Orbit ständig, jedoch in unterschiedlicher Intensität vorhanden. Sie entsteht zum einen in den Weiten des Weltraums, zum Beispiel durch Super Nova- oder Sternenexplosionen. Zum anderen entsteht sie auch auf unserer Sonne bei sogenannten Sonnenstürmen, wie sie im Januar und im März dieses Jahres gemessen wurden. Da die Sonne zurzeit in ihrer Aktivität zunimmt, erhoffen sich die Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufschlussreiche Informationen über den Einfluss dieser Sonnenstürme auf die Raumstation und somit darüber, wie die Astronautinnen und Astronauten sich vor der Strahlenbelastung schützen können und ihre Aufenthaltsdauer im All verlängert werden kann.

Über DOSIS
Das Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der CAU stellte DOSIS in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Köln her. Hauptbestandteil der verbauten Instrumente sind zwei sogenannte Dosimetrie Teleskope (DOSTEL), die senkrecht zueinander angeordnet sind. Durch den Einsatz dieser zwei Instrumente ist es möglich, den Einfall der kosmischen Strahlung aus unterschiedlichen Richtungen zeitgleich zu untersuchen. Dies ist besonders in den Strahlungsgürteln der Erde von großem Interesse, da der Einfall der Teilchenstrahlung hier stark richtungsabhängig ist. Nachdem ein ähnliches Instrument aus Kiel schon an der Außenseite des Columbus-Moduls auf der EuTEF-Plattform erfolgreich gemessen hat, ist das aktuelle Experiment weiterhin das einzige Experiment zur Strahlungsmessung innerhalb des Europäischen Weltraumlabors.

Die Kieler Dosimetrieabteilung der Arbeitsgruppe Extraterrestrische Physik hat mit ihren Geräten bereits mehrfache Missionserfahrung. Schon die Vorläufer der Teleskope waren im Space Shuttle und auf der Raumstation MIR im Einsatz.

Bilder stehen zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Das Sojus-Raumschiff kurz vor dem Start ins All.
Copyright: NASA, Foto: Bill Ingalls

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Bildunterschrift: Frisch geschnürt: Kieler DOSIS ist wieder startklar.
Copyright: CAU, Foto: Sönke Burmeister

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Bildunterschrift: Die DOSIS-Sensoren an Bord der ISS lieferten bereits zwei Jahre Messdaten zur kosmischen Strahlung.
Copyright: NASA

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Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Experimentelle und Angewandte Physik/Extraterrestrische Physik
Dr. Sönke Burmeister
Tel: 0431/880-2545
Fax: 0431/880-2547
E-Mail: burmeister@physik.uni-kiel.de



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