CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePressePressemeldungen2012Nr. 156

Presseinformation 156/2012 vom 06.06.2012 | zur Druckversion

Edel sei der Fisch, nachhaltig und ertragreich

1,5 Millionen Euro Förderung für Kieler Verbundprojekt zu Aquakulturen


Elf Teilprojekte umfasst das neue Forschungsvorhaben zur Aquakultur von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Ihr Forschungsobjekt: der Steinbutt. Am Beispiel dieses hochpreisigen Edelfisches möchten sie die nachhaltige und umweltschonende, aber bisweilen auch teure Aufzucht in geschlossenen Produktionssystemen effizienter gestalten. Dafür nehmen sie jeden Schritt entlang der Produktionskette, von ersten Fischlebensstadien bis hin zur Fischvermarktung, unter die Lupe. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fördert das Projekt der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät sowie der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA) mbH bis 2015 mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro.

„Im Gegensatz zur Nutzung offener Systeme haben wir in rezirkulierenden Systemen keine Nährstoffausträge, die Ökosysteme belasten könnten“, sagt Projektleiter Professor Dr. Carsten Schulz vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung der CAU. Aufgrund des geringen Wasserbedarfs können diese Systeme standortunabhängig platziert werden, zum Beispiel in der Nähe von Ballungszentren mit hohem Fischkonsum. Das größte Problem der kreislaufgeführten Fischproduktion seien jedoch der kostenintensive Aufbau und Betrieb. Genau hier setzt das Projekt an. Im Fokus der Forschenden stehen die genetische Analyse zur Verbesserung der züchterischen Eigenschaften der Fische, die Suche nach gesünderen und günstigeren Futtermitteln und auch die Vermeidung eines häufig auftretenden Beigeschmacks bei Fischen, die in geschlossenen Systemen kultiviert werden. Sogar ein kameragesteuerter Futterautomat steht auf der Agenda des innovativen Projekts. „Ein Kamerasensor soll das Fischverhalten erfassen, so dass die Ausgabe der Futtermenge perfekt an den Bedarf angepasst werden kann“, sagt Professor Dr. Eberhard Hartung vom Institut für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik. Futterreste könnten so auf ein Minimum reduziert werden, was Kosten senkt und das Wasser sauber hält. Für ihre Forschung nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die modernen Kreislaufanlagen der GMA in Büsum.

Der ganzheitliche Ansatz der Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lässt dabei auch nicht die Vermarktung des Produkts Fisch außer Acht. Wie gesund ist der Steinbutt für unsere Ernährung und was sind geeignete Absatzwege für Fisch aus rezirkulierenden Aquakulturen? „Produktion und Verbrauch von gezüchtetem Fisch aus Aquakulturproduktion sind in den letzten zehn Jahren erheblich angestiegen. Wir gehen deshalb auch der Frage nach, wie die Verbraucherinnen und Verbraucher auf diesen Trend reagiert haben und wie Händlerinnen und Händler die Produkte preislich platzieren“, erklärt Jens-Peter Loy, Professor für Agrarökonomik an der CAU. Aus diesen Informationen soll eine Vermarktungsstrategie entwickelt werden.

„Das Projekt ist ein weiterer Schritt zum Aufbau eines Kieler Kompetenznetzwerkes in der Aquakultur“, sagte CAU-Vizepräsident Professor Dr. Thomas Bosch. „Die Förderung ist zugleich Anerkennung der Expertise unserer Forschenden auf diesem Feld als auch Ansporn, mit der Weiterentwicklung von Aquakulturen die Überfischung der Weltmeere zu stoppen.“

Unter Aquakultur versteht man die Produktion von Meeres-Organismen unter kontrollierten Bedingungen. In unterschiedlichen Produktionssystemen werden hierzu überwiegend Fische, Schalentiere und Pflanzen für die Lebensmittel-, Kosmetik-, Pharma- und Futtermittelindustrie produziert. Aufgrund stagnierender Erträge aus der Fischerei und steigender Nachfrage der wachsenden Weltbevölkerung wird deren Versorgung bis 2015 voraussichtlich zu zirka 50 Prozent aus Aquakulturen gedeckt werden.

Zum Vergrößern anklicken

Bildunterschrift: Gesunder Fisch aus nachhaltiger Zucht: Ein Forschungsprojekt an der Uni Kiel möchte Aquakulturen deutlich effizienter machen.
Foto/Copyright: GMA

Foto zum Herunterladen:
www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-156-1.jpg

Kontakt:
Prof. Dr. Carsten Schulz
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Tierzucht und Tierhaltung
Olshausenstraße 40
D-24098 Kiel
Tel.: 0431/880-5388
E-Mail: cschulz@tierzucht.uni-kiel.de



Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Text: Denis Schimmelpfennig
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
e-mail: presse@uv.uni-kiel.de