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Presseinformation 160/2012 vom 07.06.2012 | zur Druckversion

Uni Kiel zum Koalitionsvertrag

Manches Licht und blinde Flecken


Verhalten optimistisch reagiert das Präsidium der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) auf den Koalitionsvertrag „Bündnis für den Norden. Neue Horizonte für Schleswig-Holstein“. In dem Papier gebe es viele richtige und wichtige Ansätze, die Kontinuitäten aufgreifen und neue Impulse setzen. „Schleswig-Holstein ist ein durchaus guter Studienstandort und bislang ein auch im internationalen Vergleich sehr guter Wissenschaftsstandort. An diesem hohen Maßstab gemessen, bietet der Koalitionsvertrag in finanzieller Hinsicht viele Bemühenszusagen und einige Verbesserungen an. Ein Durchbruch ist er jedoch nicht“, sagte CAU-Präsident Professor Gerhard Fouquet am Mittwoch, 6. Juni, in Kiel.

Bedeutung von Hochschulen und Wissenschaft steigt


Ausdrücklich begrüßt das Präsidium der CAU, dass die künftige Landesregierung unter den wenigen vorrangigen Projekten die Stärkung der „Leistungsfähigkeit der Hochschulen“ nennt. Diese seien „entscheidend für die Zukunft unseres Landes“, was den Bereich sichtbar aufwerte. Die „Hochschul- und Wissenschaftspolitik“ der Koalition werde sich daran „messen lassen“ müssen, wie „dieses Potenzial“ „gemeinsam mit den unterschiedlichen Akteuren“ besser genutzt werden kann. „Dazu brauchen wir – wie in unserem Offenen Brief vom 11. Mai gefordert – transparente, kooperative Kommunikationsstrukturen und -verfahren zwischen Landesregierung, Landtag und den Hochschulen“, so Fouquet.

Hochschulautonomie stärken


Strukturell sei dafür vor allem ein Mehr an Hochschulautonomie notwendig, fordert Fouquet: „Experimentierklauseln im Hochschulgesetz (HSG) etwa nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens sind dafür richtige Wege. Wir erwarten außerdem, dass in den 2013 neu anstehenden Zielvereinbarungen lediglich Rahmenbedingungen strategischen Handelns formuliert werden. Was wir außerdem brauchen, ist ein neues, transparenteres Steuerungsmodell für die Finanzen und ein System für die Kapazitäten in der Lehre, das es der CAU erlaubt, trotz bestehender Unterfinanzierung eine bessere und den tatsächlichen Ressourcen angepasste Lehre zu betreiben. Hierfür sind insbesondere verbesserte Betreuungsrelationen erforderlich.“

Die CAU biete der Landesregierung ihre Expertise an im Hinblick auf die Einführung von Experimentierklauseln (Dienstherren- und Bauherrenfähigkeit), für ein Mehr an Geschlechtergerechtigkeit an den Hochschulen und vor allem – im Koalitionsvertrag nicht erwähnt – für die Umsetzung des von den Universitäten Kiel und Lübeck und dem UKSH vorgeschlagenen neuen Steuerungsmodells in der Hochschulmedizin. Dies sei ein wirklich dringendes Bedürfnis der Interaktion zwischen den Universitäten und dem Klinikum.

Finanzen, Lehre, Lehramt und Exzellenzinitiative


Der von den Hochschulen geforderte Durchbruch sei indes noch nicht in dem Papier erkennbar, moniert Fouquet. Löblich sei jedoch, dass von der Politik endlich die schwelende Unterfinanzierung der Hochschulen anerkannt werde. Dass weitere Kürzungen unterbleiben sollen und die Koalition zur vollumfänglichen Finanzierung der Exzellenzinitiative und des Hochschulpaktes stehe, habe viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Lande aufatmen lassen. Neben dem bereits geregelten Ausgleich künftiger Tarifsteigerungen werde neu ein Inflationsausgleich eingeführt. „Wir hoffen, dass diese wichtige Zusage umgesetzt werden kann! Der Inflationsausgleich gäbe den Hochschulen endlich die Chance, die Lehre zu verbessern. Gleichwohl können die ‚zur Verfügung stehenden Mittel die bestehenden Bedarfe (immer noch) nicht decken’. Diese Feststellung im Koalitionsvertrag zur Hochschulfinanzierung können wir nur unterstreichen“, betonte der CAU-Präsident weiter. „Wir begrüßen es, dass die vergleichsweise zu wenigen Studienplätze in Schleswig-Holstein bis 2017 um 2000 Plätze vermehrt werden sollen. Allerdings können dafür nicht die aktuell geltenden Werte im Überlastprogramm des HSP II von jährlich 26.000 Euro pro Studienplatz zugrunde gelegt werden. Sie sind zu gering!“, rechnet der Historiker weiter vor.

An der CAU seien Fach- und Vermittlungswissenschaften gleichermaßen auf internationalem Niveau. Im Bereich des Lehramtes müsse die CAU bei einer Umstellung auf das Modell eines Stufenlehrers die Ausbildung für die Sekundarstufe I und II anbieten können, denn für ein reines Sekundarstufe II-Lehramt bestehe kein Bedarf. Wie schon in den letzten Jahren ist die CAU bereit, landesweit mit allen Akteuren im Bereich Lehramt zusammenzuarbeiten.

Hochschulbau


Mit großer Erleichterung registriere die CAU, dass die neue Landesregierung eine Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern im Bereich des schwierig gewordenen Hochschulbaus und der energetischen Sanierung der maroden Bausubstanz der CAU anstrebe. Fouquet: „Wir begrüßen diese Bemühungen unter Einschluss der Akquise von EU-Geldern sehr und erwarten dies auch für die in den nächsten Jahren anstehende Errichtung der Forschungsbauten in der Medizin, wovon nichts im Koalitionsvertrag steht.“

Norddeutsche Kooperation


„Den im Koalitionsvertrag bekundeten Willen zur Kooperation der Hochschulen untereinander und zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen begrüßen wir sehr. Wir erwarten jedoch, dass dabei stets die Sache von Lehre, Forschung und Technologietransfer im Vordergrund steht und nicht allgemeinpolitisches Kalkül“, stellt der CAU-Präsident klar.

In der Zusammenarbeit zwischen Kiel und Flensburg in der Lehramtsausbildung, zwischen Kiel und Lübeck in der medizinischen Forschung und zwischen der CAU und der Muthesius-Kunsthochschule (Wissenschaft und Kunst) sowie der CAU und der FH Kiel (Technologietransfer) sehe man auf allen Seiten vielfältig nutzbare Potenziale. Diese wolle man gerne gemeinsam mit der neuen Landesregierung ausgestalten. „Wir erwarten gleichfalls Unterstützung bei der bereits weit gediehenen Entwicklung neuer Formate institutioneller Ausdifferenzierung mit außeruniversitären Forschungspartnern. Die ‚Kiel Academy of Interdisciplinary Marine Sciences‘ sowie die Max-Planck-Forschungsstelle ‚Environmental Genomic‘ sind die aktuellen Baustellen der Begründung solcher neuer Formen wissenschaftlicher Partnerschaft, für die wir beim Land werben wollen.“

Nachhaltigkeit sei dabei ein hohes Gebot der Zeit. „Insofern begrüßen wir es, wenn die neue Landesregierung zusammen mit den übrigen norddeutschen Ländern versuchen wird, ‚eine stärkere Förderung von Wissenschaft und Forschung in Norddeutschland durch den Bund’ zu erreichen. Zur nachhaltigen Finanzierung einer national wie international wettbewerbsfähigen Forschungsinfrastruktur brauchen wir die Hilfe des Bundes, damit Schleswig-Holstein auch ein „Wissenschaftsstandort“ bleibt“, warnt der Präsident. Der Ausdifferenzierungsprozess der Universitäten in „sehr gut“, „gut“ und „schlecht“ habe längst begonnen und die weniger guten und schlechten Standorte würden in Zukunft nur noch verminderte Möglichkeiten besitzen, zusätzliche Gelder einzuwerben, ohne die in vielen Fächern leistungsfähige Forschung nicht mehr betrieben werden könne.

Alles in allem setzt der Koalitionsvertrag wichtige Wegmarken für eine gedeihliche Entwicklung der schleswig-holsteinischen Hochschulen in den kommenden Jahren. Voraussetzung für den Erfolg seien transparente, kooperative Kommunikationsstrukturen und -verfahren zwischen Landesregierung, Landtag und Hochschulen. „Diese sind für die Novellierung des Hochschulgesetzes beziehungsweise Hochschulzulassungsgesetzes aus meiner Sicht zwingend notwendig. Wir messen die künftige wie schon die bisherige Landesregierung daran, wie sie ‚Kooperation, Unterstützung und Planungssicherheit’ vorlebt. Wir bieten dafür unsere loyale Zusammenarbeit an, denn wir glauben, dass sich für die Ziele des Studienstandortes und Wissenschaftsstandortes Schleswig-Holstein jede Anstrengung lohnt“, wirbt der CAU-Präsident für ein gutes Miteinander.

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Bildunterschrift: Die Kieler Universität ist mit ihren mehr als 24.500 Studierenden und über 150 Studiengängen die größte Universität in Schleswig-Holstein und die einzige Volluniversität des Landes.
Foto: Jürgen Haacks, Copyright: CAU

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