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Presseinformation 231/2012 vom 15.08.2012 | zur Druckversion

Schriftliches Kulturgut in Gefahr

Expertengruppe übergibt Rettungskonzept an Landesregierung




Hunderttausenden Druckwerken in Bibliotheken und Archiven in Schleswig-Holstein, darunter Handschriften, Einzelautographen, historische Notendrucke und Karten sowie Akten, droht der Verfall. Die Arbeitsgruppe „Bestandserhaltung“, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mitwirken, übergab heute (15. August) einen Plan zur Rettung des wertvollen schriftlichen Kulturgutes an die Staatssekretäre der Ministerien für Kultur und Wissenschaft.

Nicht nur besonders altes, sondern auch säurehaltiges Papier macht den Autorinnen und Autoren des Konzepts, das sie im Auftrag des Beirats für wissenschaftliche Bibliotheken des Landes Schleswig-Holstein erarbeiteten, große Sorgen. Vom „Säurefraß“ allein seien mehr als 1,6 Millionen Bände betroffen. „Das Thema Bestandserhaltung ist seit vielen Jahren in Archiven und Bibliotheken von großer Bedeutung, geht es doch angesichts des fortschreitenden Papierzerfalls und der fehlenden Mittel für konservatorische und restauratorische Maßnahmen darum, wie das kulturelle Erbe erhalten werden kann“, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgruppe und Leiterin der Kieler Universitätsbibliothek Dr. Else Wischermann.

Zwar hatte der Bund 2010 erstmals Mittel für dringliche Maßnahmen bewilligt. Das sei aber angesichts des Schadensumfangs am Archiv- und Bibliotheksgut und der hohen Kosten, die Prävention, Originalerhalt und Digitalisierung verursachten, „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Wischermann. „Die Archive und Bibliotheken, die ihre Bestände für Wissenschaft und Forschung, für Bildung und Kultur und für jeden an Schleswig-Holstein Interessierten bereit stellen, benötigen dauerhafte Unterstützung in personeller, finanzieller und räumlicher Hinsicht, um das schriftliche Kulturgut des Landes erhalten zu können.“

Schutzhüllen aus säurefreiem Material für zehn Regalkilometer Akten und circa 240.000 Bände müssten angeschafft, 51 Regalkilometer Akten, etwa 400.000 Druckwerke entsäuert und über 100.000 Werke mit Papier- und Einbandschäden restauriert werden. Um Wissen zu sichern, empfiehlt das Konzept auch, etliche Kilometer Akten und die wichtigsten Bücher zu digitalisieren. Die Kosten für die Maßnahmen beziffern die Expertinnen und Experten aus verschiedenen Archiven und Bibliotheken im Norden nun mit rund 2,6 Millionen Euro jährlich für die Jahre 2013 bis 2022.

Staatssekretär Rolf Fischer aus dem Wissenschaftsministerium sagte, das Konzept sei wichtig, um das wissenschaftliche Gedächtnis Schleswig-Holsteins zu wahren. „Die Geschichte bröselt uns unter den Händen weg“, sagte Fischers Kollege aus dem Kulturministerium Dr. Eberhard Schmidt-Elsaeßer. Einrichtungen wie Bibliotheken und Archive müssten stabilisiert werden, das Thema Bestandserhaltung dauerhaft in der Öffentlichkeit präsent sein.

Noch sei es nicht zu spät, um Substanzverluste zu vermeiden, sagte Wischermann. Aber handschriftliche Quellen drohten bei nicht rechtzeitiger Restaurierung unterzugehen. „Der Zerfall von Akten und Büchern auf säurehaltigem Papier geht massenweise weiter. Ohne Schutzmaßnahmen stehen der Kultur- und Wissenstransfer an künftige Generationen in Frage.“

Fotos zum Thema stehen zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Else Wischermann (Universitätsbibliothek, l.), Klára Erdei (Universitätsbibliothek, Mitte) und Johannes Rosenplänter (Stadtarchiv, r.) überreichen den Staatssekretären aus dem Kultur- und Wissenschaftsministerium Eberhard Schmidt-Elsaeßer (2.v.l.) und Rolf Fischer (2.v.r.) ihren Plan zur Rettung des schriftlichen Kulturgutes Schleswig-Holsteins.
Copyright: CAU, Foto: Denis Schimmelpfennig

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Bildunterschrift: Unter den vom Verfall bedrohten Büchern befinden sich wertvolle jahrhundertealte Handschriften.
Copyright: CAU, Foto: Denis Schimmelpfennig

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