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Presseinformation 33/2013 vom 07.02.2013 | zur Druckversion

Ostendorf: Abschied von der Uni Kiel


Nach über 30 Jahren Vorlesungstätigkeit hält der Strafrechtswissenschaftler und frühere Generalstaatsanwalt von Schleswig-Holstein, Professor Heribert Ostendorf, am Donnerstag, 14. Februar, seine Abschiedsvorlesung. „Die Vorlesungen waren mir immer besonders wichtig. Die ausgefallenen und nicht nachgeholten Vorlesungen kann ich an einer Hand abzählen. Auch am Tage meines Rücktritts vom Amt des Generalstaatsanwalts am 14. April 1997 habe ich vormittags an der Hamburger Universität meine Vorlesung gehalten. Aber vorgelesen habe ich meine Vorlesungen nie“, so Ostendorf. Dementsprechend hat Ostendorf bei studentischen Rankings immer einen Spitzenplatz eingenommen.

Die Abschiedsvorlesung behandelt das Thema: „Der Wandel vom klassischen zum ökonomischen Strafprozess.“ Hierbei wird offen gelegt, wie heute die Wahrheitssuche und Gerechtigkeitsverwirklichung im Strafprozess zunehmend durch ökonomische Zwänge eingeengt werden. Die Antwort in der Justizpraxis sind Opportunitätseinstellungen, das sind schriftliche Strafbefehlsverfahren und vor allem der sogenannte Deal, also das Aushandeln der Strafe gegen ein Geständnis. Ostendorf setzt dagegen, dass die Verfahrensökonomie zwar ein legitimes Anliegen sei, aber nie die vorrangigen Prozessziele „Wahrheitsermittlung, Gerechtigkeitsverwirklichung und Herstellung von Rechtsfrieden“ dominieren dürfe. So schließt sich der Kreis zu den Anfängen als junger Strafrichter in Schleswig-Holstein.

Alle Interessierten sind herzlich zur Abschiedsvorlesung eingeladen.

Das Wichtigste in Kürze:
Datum: 14.2.2013
Zeit: 17:00 - 19:00 Uhr
Ort: Audimax, Christian-Albrechts-Platz 2, Hörsaal C


Zur Person
Angefangen hat Professor Ostendorf seine wissenschaftliche Laufbahn an der Kieler Universität. Nach dem Jurastudium mit anschließender Promotion in Kiel, dem Referendardienst in Schleswig-Holstein und 4-jähriger Richtertätigkeit hauptsächlich am Amtsgericht Neumünster habilitierte Ostendorf sich im Wintersemester 1981/82 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität. Anschließend lehrte er an der Hamburger Universität Strafrecht und Strafprozessrecht. Im Jahr 1989 wurde Ostendorf zum Generalstaatsanwalt in Schleswig-Holstein berufen. Infolge eines Konflikts mit der damaligen Landesregierung über die staatsanwaltliche Ermittlungstätigkeit zum Tode des vormaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel schied Ostendorf auf eigene Initiative 1997 aus dem Amt. Er übernahm anschließend eine neu gegründete Forschungsstelle für Jugendstrafrecht und Kriminalprävention an der Kieler Universität. Seit dieser Zeit promovierten bei Professor Ostendorf 36 Doktorandinnen und Doktoranden. Zehn Promovierende und eine Habilitandin sind noch bei der Arbeit, die Ostendorf weiter betreuen wird. Alle Doktorarbeiten wurden mit überdurchnittlichem Ergebnis bewertet, sehr viele mit „summa cum laude“. Ostendorf: „Und keiner hat abgeschrieben!“

Ostendorf hat darüber hinaus eine Vielzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu den Themenbereichen Strafrecht, insbesondere Jugendstrafrecht, Strafprozessrecht, Kriminalpolitik und Kriminalprävention herausgegeben: 52 selbständige Publikationen und 289 Einzelbeiträge in Büchern und Fachzeitschriften. Sein Hauptwerk, der Kommentar zum Jugendgerichtsgesetz, ist in diesem Jahr in der 9. Auflage erschienen. Als Wissenschaftler will Ostendorf weiterarbeiten und hier insbesondere seine Gesetzeskommentare und Lehrbücher in neue Auflagen bringen.


Text und Kontakt:
Prof. Heribert Ostendorf
Telefon: 0431 / 880-7430
E-Mail: ostendorf@email.uni-kiel.de