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Presseinformation 43/2013 vom 13.02.2013 | zur Druckversion

Gedenken an Kurt Hübner

Der Kieler Wissenschaftstheoretiker und universale Denker verstarb mit 91 Jahren


Ein bleibendes Werk und eine große Lücke hinterlässt Professor Kurt Hübner, der am Freitag, 8. Februar, im Alter von 91 Jahren in seiner langjährigen Wirkungsstätte Kiel verstarb. Als Philosoph und Wissenschaftstheoretiker prägte er den wissenschaftstheoretischen Historismus unter anderem mit seinem Buch „Kritik der wissenschaftlichen Vernunft“. Diese und viele weitere Veröffentlichungen Hübners wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Professor Hübner und seine Publikationen nahmen grenzüberschreitend und über viele Jahre hinweg entscheidenden Einfluss auf wissenschaftliche und gesellschaftliche Grundsatzdebatten. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), an der Kurt Hübner bis zu seiner Emeritierung 1988 lehrte, ihre Philosophische Fakultät und das Philosophische Seminar werden dem universalen Denker ein ehrendes Andenken bewahren.

Kurt Hübner war durch seine Prager Herkunft, das Erlebnis des Zweiten Weltkrieges und durch seine Gefangenschaft in Amerika geprägt. Als er aus dieser Gefangenschaft nach Rostock zu seiner vertriebenen Familie entlassen wurde, setzte er sein in Prag begonnenes Studium dort und später an der Kieler Universität fort, wo er auch promoviert wurde und sich habilitiert hat. Während seiner zehnjährigen Tätigkeit an der Technischen Universität Berlin trat er in Dialog mit den Naturwissenschaften sowie mit Literaturschaffenden um Norbert Miller und erlebte die Studierendenrevolte, was seinen Überlegungen zu Wissenschaftstheorie, Ästhetik und philosophischer Auseinandersetzung mit Politik einen aktuellen Bezug verlieh.

„Die Universität Kiel konnte 1971 mit Kurt Hübner einen bedeutenden Wissenschaftstheoretiker für sich gewinnen, der der Kieler Philosophie große Sichtbarkeit verlieh“, beschreibt Universitätspräsident Professor Gerhard Fouquet die Bedeutung des Gelehrten für die CAU. „Seine Arbeit über die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis setzten Maßstäbe für nachfolgende Generationen und sind bis heute viel zitiert.“

„Professor Hübner hat mit der ‚Kritik der wissenschaftlichen Vernunft’ einen Meilenstein in der Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte gesetzt“, bekräftigt Professor Dirk Westerkamp, Direktor des Philosophischen Seminars der CAU. „In seinen nachfolgenden Werken wies er dann unter anderem die Rationalität des Mythischen als gleichwertige Erkenntnisform neben dem Empirismus nach.“ Dieser Weg werde durch Glaube und Denken konsequent ins Religiöse fortgeführt, so dass er Irrwege und Wege der Theologie philosophisch kritisieren konnte. „Seine philosophische Ästhetik und Staatstheorie sowie seine Diskussion des Toleranzgedankens angesichts seiner eigenen Multikulturalität veranschaulichen das große wissenschaftliche und gesellschaftliche Engagement des Philosophen“, ergänzt Professor Thorsten Burkard, Prodekan der Philosophischen Fakultät.

„Der letzte Aufsatz von Kurt Hübner, der noch in diesem Jahr veröffentlicht wurde, handelt von der Freude – ein schöner Ausklang eines reichen Lebens“, schließt der Kieler Professor Volker Kapp, ein langjähriger Freund und Kollege Hübners.

Ein Foto steht zum Download bereit:

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Bildunterschrift: Kurt Hübner, anlässlich der Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse, ein Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, am 23. August 2011.
Copyright: CAU, Foto: Denis Schimmelpfennig

Foto zum Herunterladen:
www.uni-kiel.de/download/pm/2013/2013-043-1.jpg


Akademische Laufbahn
1951 Promotion in Kiel: Das transzendentale Subjekt als Teil der Natur
1955 Habilitation in Kiel: Der logische Positivismus und die Metaphysik
1961-1971 Lehrstuhl für Philosophie an der Technischen Universität Berlin,
Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin
1969-1975 Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland
1976 Gründung der Allgemeinen Zeitschrift für Philosophie
1971-1988 Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Kiel
1994 Gründung des Zentrums zum Studium der deutschen Philosophie in Moskau und dessen stellvertretender Direktor

Mitgliedschaften
1978-1988 Comité Directeur der Fédération Internationale des Sociétés de Philosophie in Bern
1979 Sudentendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste
1980 Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften zu Hamburg
1983 Académie Internationale de Philosophie des Sciences in Brüssel

Auszeichnungen:
1986 Großer Sudentendeutscher Kulturpreis
1993 Humboldt-Plakette
2011 Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland

Publikationen
  [vgl. Schriftenverzeichnis in Das Geheimnis der Wirklichkeit. FS K. Hübner Hg. V. Kapp / W. Theobald (Freiburg/München 2011)]
1978 Kritik der wissenschaftlichen Vernunft (München 1978, 52002)
1985 Die Wahrheit des Mythos (München 1985, 22011)
1991 Das Nationale - Verdrängtes, Unvermeidliches, Erstrebenswertes (Graz 1991)
1994 Die zweite Schöpfung - Das Wirkliche in Kunst und Musik (München 1994)
2001 Glaube und Denken (Tübingen 2001, 22004)
2003 Das Christentum im Wettstreit der Religionen – Zur Frage der Toleranz (Tübingen 2003)
2006 Irrwege und Wege der Theologie in die Moderne (Augsburg 2006)
2013 Aufsatz: "Die Freude" in: M. von Hänsel-Hohenhausen (Hrsg.): Sinnbildende Materie oder Gestalt? Das Antlitz des Menschen im Spiegel der Wissenschaft, Frankfurt 2013



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