Presseinformation 149/2013 vom 31.05.2013

Kieler Instrument zeigt: bemannte Marsmissionen möglich

Erste Messung der Strahlenbelastung auf einem Flug zum Mars


Um Astronautinnen und Astronauten zum Mars schicken zu können, ist es entscheidend, die Strahlung innerhalb eines Raumschiffs während der Reise durchs All zu kennen. Jetzt sind die ersten Daten des von Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) entwickelten Strahlenmonitors RAD (Radiation Assessment Detector) an Bord des Marsrovers „Curiosity“ ausgewertet. Die Daten, die auf dem Weg zum roten Planeten gemessen wurden, zeigen: Bemannte Missionen sind machbar. Im renommierten Fachmagazin Science wurden heute (Freitag, 31. Mai) die ersten Ergebnisse veröffentlicht.

Die Strahlung, die RAD auf dem 253 Tage dauernden unbemannten Flug zum Mars gemessen hat, entspricht der Strahlung, der eine Astronautin oder ein Astronaut im Raumschiff ausgesetzt sein würde. „Zwei Arten von Strahlung stellen ein Risiko für die Astronauten im Weltraum dar: Der Großteil der Strahlenbelastung wird durch die relativ konstante kosmische Strahlung erzeugt. Der zweite Teil entsteht durch kurzfristige Einwirkung solarer energiereicher Teilchen, welche in Sonneneruptionen erzeugt wurden“, sagt der Kieler Professor Robert Wimmer-Schweingruber, dessen Arbeitsgruppe das Messgerät baute.

In der Studie berechneten die Wissenschaftler in Kooperation mit der NASA, dem Southwest Research Institute in Boulder, Colorado, und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Gesamtbelastung für einen Menschen auf einer 360 Tage dauernden Hin- und Rückreise vom Mars. Sie beträgt bei ähnlicher Raumschiffabschirmung und Sonnenaktivität durchschnittlich ungefähr 0,67 Sievert. „Damit liegt die Belastung noch unter der Grenze von ungefähr 0,8 Sievert, der Astronauten in ihrer gesamten Laufbahn ausgesetzt sein dürfen. Bemannte Missionen sind also machbar, jedoch nicht unkritisch“, erklärt Physiker Wimmer-Schweingruber.

Die Daten, die RAD von unterwegs zur Erde schickte und seit der Landung von „Curiosity“ von der Marsoberfläche funkt, müssen nun weiter ausgewertet und bewertet werden. Das Messgerät wird von den Kieler Physikern von der Erde aus laufend optimiert, um möglichst exakte Werte zu bekommen. Die gewonnen Daten sind ein wichtiger Schritt für die Realisierung einer bemannten Marsmission und können helfen, Astronautinnen und Astronauten auf zukünftigen Missionen beispielsweise durch eine bessere Abschirmung des Raumschiffs zu schützen.


Originalpublikation:
Measurements of Energetic Particle Radiation in Transit to Mars on the Mars Science Laboratory
C. Zeitlin1,*, D. M. Hassler1, F. A. Cucinotta2, B. Ehresmann1, R. F. Wimmer-Schweingruber3, D. E. Brinza4, S. Kang4, G. Weigle5, S. Böttcher3, E. Böhm3, S. Burmeister3, J. Guo2, J. Köhler3, C. Martin3, A. Posner6, S. Rafkin1, G. Reitz7; Science 31 May 2013: Vol. 340 no. 6136 pp. 1080-1084, DOI: 10.1126/science.1235989.

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Der Radiation Assessment Detector (RAD) vor dem Einbau in den Rover “Curiosity”
Bild: NASA/JPL-Caltech

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Unendliche Weiten: Mehrere 100 Millionen Kilometer legt „Curiosity“ zurück. An Bord eine von Kieler Forschern entwickelte Sensoreneinheit.
Bild: NASA/JPL-Caltech

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Kontakt:
Prof. Dr. Robert Wimmer-Schweingruber
Tel: 0431/880-3964
E-Mail: wimmer@physik.uni-kiel.de



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