Studie – ALL-BFM Studienzentrale

Studie

Was ist das Ziel der Studie?

Die Therapieoptimierungsstudie AIEOP-BFM ALL 2009 ist für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) im Alter von 1 bis 17 Jahren konzipiert. Für die Durchführung der Studie haben sich auf dem Gebiet der ALL spezialisierte Kinderärzte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Tschechien, Israel und Australien zusammengeschlossen. Sie haben ein gemeinsames Therapiekonzept entwickelt, das auf den Ergebnissen und Erfahrungen aus den vorangegangenen Therapiestudien beruht.
Die Studie hat zum Ziel, die Chemotherapie durch eine Verbesserung der Heilungsrate und die Reduzierung von Therapienebenwirkungen zu optimieren.

 
Was bedeuet „Einteilung in Risikogruppen“?

Die Einteilung der Patienten in Gruppen in Abhängigkeit von definierten Risikofaktoren ermöglicht es, diese Ziele zu kombinieren: Für bestimmte Patienten mit voraussichtlich guter Prognose soll die Chemotherapie weiter reduziert werden, um so auch das Risiko schwerer therapiebedingter Nebenwirkungen zu senken. Ist nach Erfahrung der letzten Studien aufgrund von Risikofaktoren eine schlechtere Heilungsrate bzw. ein höheres Rückfallrisiko zu erwarten, soll dies durch die Intensivierung der Therapie verbessert werden.
Mit der Studie sind verschiedene wissenschaftliche Begleitforschungsprojekte verknüpft, deren Ziel es ist, die Biologie der Erkrankung und die Mechanismen der Krankheitsentstehung besser verstehen zu lernen, um neue Medikamente, Therapieansätze oder diagnostische Methoden zu entwickeln.

Wie erfolgt die Therapie in den unterschiedlichen Risikogruppen?

In Abhängigkeit von der Risikogruppe erhalten die Patienten eine etwas unterschiedliche Therapie.

Des Weiteren werden drei randomisierte Therapiefragen gestellt werden:

    1. Alle Patienten erhalten zu Beginn das intensive Therapieelement „Protokoll I“, das etwa 9 Wochen dauert.
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    3. Für Patienten mit niedrigerem Rückfallrisiko (Risikogruppen Standardrisiko, SR oder mittleres Risiko, MR) schließen sich dann das sogenannte „Protokoll M“ (8 Wochen) und das „Protokoll II“ (7 Wochen) an (siehe Abbildung 3). Zwischen diesen Therapieelementen sind jeweils ungefähr 2 Wochen Therapiepause vorgesehen.
      Patienten mit hohem Rückfallrisiko (Hochrisiko, HR) erhalten anstelle von „Protokoll M“ drei kurze aber sehr intensive Therapieblöcke („HR-Blöcke“), die alle drei Wochen wiederholt werden.

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    5. Darauf folgt das Therapieelement „Protokoll III“ (4 Wochen) mit anschließender Erhaltungstherapie über 4 Wochen. „Protokoll III“ wird insgesamt dreimal verabreicht. Zwischendurch gibt es immer wieder Therapiepausen zur Erholung für den Körper.

 

Für einen Teil der Hochrisikopatienten ist eine Knochenmarktransplantation notwendig, die meist nach dem 3. HR-Block durchgeführt wird. Bei einem sehr kleinen Teil der Patienten lässt sich mit verschiedenen Labormethoden die Leukämie leider auch noch nach dem 3. HR-Block nachweisen. Diese Patienten bekommen vor der Knochenmarktransplantation eine noch weiter intensivierte Chemotherapie.
Die oben bereits erwähnte Erhaltungstherapie wird allen Patienten, die keine Knochenmarktransplantation erhalten, nach Abschluss der intensiven Therapiephase bis zwei Jahre nach Diagnosestellung verabreicht.
Für einige Patienten, die ein höheres Risiko haben, einen Rückfall im Gehirn (zentrales Nervensystem) zu erleiden, ist außerdem eine Bestrahlung des Schädels am Ende der Intensivtherapie vorgesehen.

 

 

Was heißt Randomisierung?

Ein Grundprinzip der Therapieoptimierungsstudien besteht darin, neue Therapieelemente kontrolliert gegen die übliche Therapie zu prüfen. Für diese neuen Therapieelemente besteht die gut begründete Annahme (wissenschaftliche Erkenntnisse), dass sie einen Vorteil gegenüber der bisher verabreichten Therapie haben. Um dies mit einem möglichst hohen Maß an Kontrolle und Sicherheit beweisen zu können, ist ein kontrollierter Vergleich des „alten“ Therapiearmes (Kontrollarm) mit dem „neuen“ Therapiearm (Prüfarm) notwendig. Dafür werden die Patienten per Zufallsentscheidung einem der beiden Arme zugeteilt (Kontrollarm oder Prüfarm). Dieses Vorgehen, das mit dem Werfen einer Münze vergleichbar ist, wird durch ein Computerprogramm vorgenommen und wird Randomisierung genannt.

 
Welche Randomisierungen gibt es in dieser Studie?
 
In der Studie AIEOP-BFM ALL 2009 sind drei Randomisierungen vorgesehen:

    1. Randomisierung R1:

      Diese Randomisierung wird in einer Subgruppe von Patienten durchgeführt, bei der aufgrund bestimmter biologischer Eigenschaften der Leukämie oder aufgrund eines sehr raschen Therapieansprechens von einer sehr guten Prognose der ALL ausgegangen werden kann. Geprüft wird in dem frühen Therapieabschnitt Protokoll I die Anwendung von zwei Gaben des Zytostatikums Daunorubicin (Prüfarm) im Vergleich zu vier Gaben (Kontrollarm). Die Ziele dieser Randomisierung sind die Verminderung schwerer Nebenwirkungen in dieser Therapiephase sowie eine Verringerung eventueller Spätfolgen ohne dass es zu einer Zunahme von Rückfällen kommt.
       

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    3. Randomisierung R2:

      Diese Randomisierung betrifft die Risikogruppe MR (mittleres Risiko) und wird bei Patienten mit sogenannter B-Vorläufer ALL (Unterform der ALL) durchgeführt.
      In dieser Randomisierung wird im Prüfarm in einer späteren Therapiephase das Medikament Asparaginase über 20 Wochen verabreicht und mit dem Kontrollarm mit einer kürzeren Asparaginase-Phase von 2 Wochen verglichen.
      Das Ziel dieser Randomisierung ist die Verbesserung des Überlebens der Patienten durch die Verminderung von Rückfällen der ALL.
       

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    5. Randomisierung RHR:

      Diese Randomisierung ist für Patienten der Risikogruppe HR (Hochrisiko) vorgesehen.
      Bei diesen Patienten soll in der frühen Phase der Therapie (Protokoll I) die Wirksamkeit einer verlängerten Gabe des Medikaments Asparaginase (Prüfarm) mit der bisher üblichen kürzeren Therapie (Kontrollarm) verglichen werden.
      Die Ziele dieser Randomisierung sind eine bessere Reduktion der Leukämiezellen in dieser frühen Therapiephase sowie die Verbesserung des Überlebens der Patienten durch die Verminderung von Rückfällen.