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Agrar- und Ernährungswiss. Fakultät | Institut für Agrarökonomie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie
Forschung
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Aktuelle Forschungsprojekte am Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Betriebs- lehre und Produktionsökonomie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Aktuelle Forschungsschwerpunkte:

Die Forschung in der Abteilung Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie verbindet praxisrelevante Themen mit anspruchsvoller und international wettbewerbsfähiger Methodik. Thematisch ist die Forschung traditionell an der Schnittstelle von Betriebswirtschaftslehre, Umweltökonomie und Agrarpolitik angesiedelt. Die Adressaten sind neben der wissenschaftlichen Gemeinde die "Endabnehmer" und direkten Nutznießer von Forschungsleistungen. Dazu gehören Landwirte und ihre Berater, Administratoren in den Landwirtschafts- und Umweltverwaltungen, agrarpolitische Entscheidungsträger sowie Entscheidungsträger in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Wirtschafts-unternehmen. Ein Teil der durchgeführten Forschungsarbeiten hat eine mittelbare oder unmittelbare Politikrelevanz. Dazu gehören unter anderem Analysen zu den einzelbetrieblichen Auswirkungen agrarpolitischer Maßnahmen. Eine hohe Präsenz der Professur in der landwirtschaftlichen Fachpresse wird für ebenso wichtig erachtet wie Publikationen in internationalen Fachzeitschriften.

Thematisch lassen sich folgende Forschungsschwerpunkte unterscheiden:

Angewandte landwirtschaftliche Betriebslehre:
  • Produktionskosten- und Wettbewerbsanalysen von Produktionsverfahren, Betriebssystemen und Organisationsformen der Landwirtschaft
  • Quantitative Analyse von Rationalisierungsreserven landwirtschaftlicher Betriebe
  • Empirische Untersuchungen zur Produktivität und Effizienz landwirtschaftlicher Betriebe und Produktionssysteme
  • Angewandte Politikanalyse: Reaktion landwirtschaftlicher Betriebe auf geänderte agrar- oder umweltpolitische Rahmenbedingungen; Empfehlungen für Politikgestaltungen


Ökonomie der biologischen Sicherheit:

  • Ökonomische Bewertung unterschiedlicher Regelungen zum Anbau gentechnisch veränderten Rapses mittels räumlich expliziter Simulationstechniken
  • Modellierung von Tierseuchen und ökonomische Bewertung von Maßnahmen zur Tierseuchenbekämpfung


Ökonomie des ökologischen Landbaus:

  • Erfolgs- und effizienzbestimmende Faktoren im ökologischen Landbau
  • Optimale Spezialisierungsgrade ökologisch wirtschaftender Betriebe
  • Vergleichende Produktivitätsentwicklung im ökologischen und konventionellen Landbau
  • Optimale Technologiewahl (konventionell vs. ökologisch) bei unterschiedlichen Standort- und Betriebsverhältnissen


Ökonomische Analysen zur Agrar-Umweltpolitik auf Mikroebene:

  • Optimale Gestaltung von Agrar-Umweltverträgen
  • Ergebnisorientierte Honorierung von Umweltleistungen
  • Ausschreibungsverfahren (Auktionen) für Umweltleistungen


Risikoanalyse und Risikomanagement in der Landwirtschaft (Dr. G. Breustedt):

  • Ökonomische Analyse von Ertragsversicherungen
  • Simulation von Risikomanagementstrategien in landwirtschaftlichen Modellbetrieben
  • Risikoeffizienzanalyse mittels Data Envelope Analysis (Methodenentwicklung)


Angewandte Ökonometrie:

  • Bestimmungsfaktoren für Pachtpreise unter Berücksichtigung räumlicher Interaktionen (räumliche Ökonometrie)
  • Abschätzung der Anbaubereitschaft für gentechnisch veränderte Pflanzen mittels Discrete Choice Experimenten


Momentan werden folgende Projekt zu den Forschungsschwerpunkten am Lehrstuhl durchgeführt:

  1. Einfluss landwirtschaftlicher Subventionen auf Pachtpreise und daraus resultierende Verteilungswirkungen
    (Habermann/Breustedt)


Zukunftsfähige und wachstumswillige landwirtschaftliche Betriebe sind in steigendem Maße auf Zupacht angewiesen. Momentan liegt der Pachtanteil in Deutschland bei etwa 63%. Der Pachtpreis stellt daher einen wichtigen Faktor für die Rentabilität und das Einkommen dieser Betriebe dar. Das Projekt beinhaltet folgende empirische Fragstellungen:
  • Was unterscheidet pachtende Betriebe von nicht pachtenden Betrieben?
  • Welche Faktoren bestimmen die Höhe des einzelbetrieblichen Pachtpreises?
  • Besteht eine räumliche Abhängigkeit zwischen Pachtpreisen?
  • Wie stark wirken sich Veränderungen von Produkt- und Faktorpreisen sowie Subventionen auf die Pachtpreise aus?
  • Wie wirken unterschiedliche Agrarpolitiken auf die Einkommen von Pächtern und Verpächtern? Mit anderen Worten: Profitieren eher Pächter oder Verpächter von bestimmten agrarpolitischen Instrumenten?

Zur Analyse der Fragestellungen werden einzelbetriebliche Daten der Agrarstruktur-erhebungen (ASE) und BMELV-Jahresabschlüsse der Landdata GmbH genutzt, um besonders die Wirkung ökonomischer Faktoren zu bestimmen. Unter Verwendung von Ansätzen aus der räumlichen Ökonometrie kann auch räumlichen Abhängigkeiten zwischen den Landwirten Rechnung getragen werden. .

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  1. Agentenbasierte Modellierung von Maßnahmen zur Tierseuchenbekämpfung (Kratzmann)


Bekämpfungsstrategien zu evaluieren. Eine der gefährlichsten Tierseuchen weltweit ist die Epidemiologische Modelle zur Tierseuchenanalyse finden Anwendung, um unterschiedliche Maul- und Klauenseuche (MKS). Nach dem Office International Des Epizootics (OIE) handelt es sich hierbei um eine der infektiösesten Tierkrankheiten, deren Ausbruch mit beträchtlichen ökonomischen Verlusten verbunden ist. Bei dem Ausbruch der MKS im Jahr 2001 in Großbritannien wurden bspw. mehr als 4 Millionen Tiere gekeult und es entstand ein wirtschaftlicher Schaden von ca. £3.1 Billionen. Wird ein epidemiologisches Modell der Tierseuchenanalyse mit einem ökonomischen Modell kombiniert, können die entstehenden Kosten bei der Bewertung der Bekämpfungsmaßnahmen Berücksichtigung finden. Trotz der Vielzahl existierender MKS-Modelle gibt es immer noch Prozesse und Ausbreitungs-charakteristiken die selten oder gar nicht integriert worden sind. Dazu gehören z.B. die räumliche Abbildung der Seuchenausbreitung, die Integration von Entscheidungsbäumen und Pfadabhängigkeiten sowie der Aspekt, dass neben der Heterogenität der einzelnen Agenten (Landwirt, Viehhändler, Tierarzt usw.) auch ihre Interaktionen und ihre Entscheidungs-findungsprozesse explizit berücksichtigt werden müssen. Da die agenten-basierte Modellierung es ermöglicht, diese Aspekte einzubinden, wird erstmals ein solches Modell verwendet, um eine ökonomische Bewertung von MKS-Kontrollmaßnahmen durchzuführen.

  1. Vergleich des ökologischen und konventionellen Landbaus hinsichtlich Produktivität, technischem Fortschritt und Risiko (Tiedemann)


Die Zahl der ökologisch wirtschaften Betriebe in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Für einen großen Teil der gewechselten Betriebe hat sich diese Umstellung als wirtschaftlich sinnvoll erwiesen. Jedoch herrscht bei vielen wechselwilligen, konventionellen Betrieben die Ungewissheit vor, ob sich dieser Schritt auch für sie als rentabel erweisen wird. Aus diesem Grund soll das vorgestellte Forschungsprojekt die Frage klären, für welche Betriebe ein Wechsel der Wirtschaftsweise zu empfehlen wäre. Hierzu wird durch die Anwendung von Methoden zur Effizienzanalyse das Produktivitäts-steigerungspotential bestimmt, das sich durch eine Umstellung der Produktionsweise erzielen lässt. Außerdem soll geklärt werden, in welchem Umfang Umweltvariablen Einfluss auf diese Wechselempfehlung nehmen. Zwei weitere wichtige Aspekte, die bei einer Umstellungs-empfehlungen zu berücksichtigt mit einkalkuliert werden müssen, sind das Unternehmensrisiko und die Erwartung bezüglich zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb werden weiterhin das Risiko von ökologischen Betrieben im Vergleich zu konventionellen Betrieben sowie die Entwicklung der Produktivität und des technischen Fortschritts in beiden Gruppen analysiert. Als Datenbasis für die empirischen Analysen steht ein umfangreicher Datensatz von Buchführungsabschlüssen der Landdata GmbH zur Verfügung.

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  1. Bewertung von Milcherzeugungssystemen anhand von ökonomischen und ökologischen Indikatoren (Hagemann)


Die zu beobachtende Verstärkung des Wettbewerbs in der Milcherzeugung, bedingt durch die Entkopplung der Prämien, den Wegfall der Milchquote und die alternativen Produktionsmöglichkeiten für Futterbaubetriebe durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz motivieren dazu, Milcherzeugungssysteme aus ökonomischer Sicht zu bewerten. Aus ökologischer Sicht ist es das zunehmende Bewusstsein für den Umwelt- und Ressourcenschutz, welches sich beispielsweise in der EU-Wasserrahmenrichtlinie bzw. der Nitratrichtlinie und den im Kyotoprotokoll festgelegten Klimaschutzzielen widerspiegelt. In der Forschungsarbeit geht es mithin um die Beantwortung der Frage, wie die Nachhaltigkeit von Milcherzeugungssystemen gemessen werden kann, um sie zu optimieren. Im Rahmen der kumulativen Dissertation werden verschiedene Methoden, Indikatoren und Daten für ökonomische und ökologische Analysen verwendet und deren Eignung verglichen und bewertet. Bei der Beantwortung der Forschungsfrage steht das Konzept der Öko-Effizienz (ökonomische und ökologische Effizienz) im Fokus. Die Öko-Effizienzwerte der untersuchten Milcherzeugungssysteme werden mit verschiedenen Methoden der Effizienzanalyse berechnet.

  1. Optimierung unter Berücksichtigung von Preis- und Ertragsrisiken (Drepper)


Wegen ihrer Wetterabhängigkeit sieht sich die Landwirtschaft seit jeher Ertragsrisiken ausgesetzt. Der sich abzeichnende Klimawandel verstärkt dieses Risiko zusätzlich. Hinzu kommt, dass EU-Landwirte in Folge der zunehmenden Liberalisierung des Welthandels mit Agrarprodukten und des Abbaus von Preisstützen verstärkt Preisrisiken tragen müssen, die vor der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) durch die Markt- und Preispolitik aufgefangen wurden. Im Vergleich zur außerlandwirtschaftlichen Unternehmung ist das Management von Ertrags- und Preisrisiken in der landwirtschaftlichen Praxis auf Grund der bisherigen GAP nur wenig verankert. Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, das aktuelle und zukünftige Ausmaß von Ertrags- und Preisrisiken auf betrieblicher Ebene zu untersuchen und mögliche Anpassungsstrategien für das Risikomanagement in der Produktion zu formulieren. Im Speziellen gilt es dabei, Anbaustrategien für eine regional angepasste Risikoabsicherung zu identifizieren. Dabei sollen die Risiken zunächst quantifiziert und anhand der Methoden aus der Portfoliotheorie die optimalen Anbaustrategien formuliert werden. Insbesondere soll dabei auch das Potenzial aufgelockerter Fruchtfolgen untersucht werden.

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  1. Der Markt für Produktionsversicherungen in der Landwirtschaft - Eine qualitative Kosten-Nutzen-Analyse (Breustedt)


Seit einigen Jahren werden in Europa nicht nur subventionierte Ernteversicherungen nach dem Vorbild Nordamerikas gefordert. In einigen Mitgliedsländern sind sie bereits eingeführt worden. Obwohl sich die agrarökonomische Literatur schon lange mit den unterschiedlichen Gründen von Marktversagen in diesem Bereich beschäftigt, fehlt doch bisher eine umfassende, simultane Analyse über die Kosten und Nutzen staatlicher Prämiensubventionen, Verwaltungskostenbeihilfen und öffentliche Rückversicherung. Über die Literatur hinausgehend soll ein Markt analysiert werden, auf dem nicht nur die Folgen von moral hazard, adverser Selektion und systemischem Risiko sondern auch verzerrte Produktmärkte berücksichtigt werden.

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  1. Experimentell ökonomische Untersuchungen zur Ausgestaltung von Agrarum-weltverträge (Latacz-Lohmann)


Experimentelle Methoden in der Ökonomie versetzen Probanden (z. B. Studierende, Land-wirte oder andere Entscheidungsträger) in komplexe Entscheidungssituationen. Je nachdem, wie sie sich entscheiden, erhalten sie eine mehr oder weniger hohe Auszahlung. Viele Entscheidungssituationen, denen sich Landwirte gegenübersehen, sind so komplex, dass sie sich nicht mehr mit realistischem Aufwand modellieren lassen. In solchen Situationen kann die experimentelle Ökonomie Einblicke in das Entscheidungsverhalten von Landwirten bieten. In der Abteilung werden in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der University of Western Australia ökonomische Experimente zur Erforschung des Entscheidungsverhaltens von Landwirten bei unterschiedlichen Ausgestaltungen von Agrarumweltverträgen durch-geführt. Ein verwandtes Methodengebiet stellen die Discrete Choice Experimente dar, in denen Probanden vor die Wahl alternativer Handlungsoptionen gestellt werden, die jeweils durch eine Reihe von Attributen gekennzeichnet sind. Die Entscheidung beschränkt sich hier auf die diskrete Auswahl einer der vorgegebenen Handlungsalternativen. Im Gegensatz zu klassischen ökonomischen Experimenten handelt es sich hier um hypothetische Entscheidungssituationen, bei denen keine Geldbeträge zur Auszahlung kommen. In der Abteilung werden Discrete Choice Experimente zur Abschätzung der Teilnahmebereitschaft von Landwirten an Vertragsnaturschutzprogrammen durchgeführt.


  1. Messung des Entscheidungsverhaltens von Landwirten mit Discrete Choice Experimenten (Norbert Schulz)


Das Verhalten von Konsumenten bei Kaufentscheidungen wird häufig mit der Discrete Choice Methode erforscht. In dem hier dargestellten Forschungsvorhaben wird untersucht, inwiefern diese Methode auch in der landwirtschaftlichen Produktionsökonomie Anwendung finden kann. Hierzu werden zwei Erweiterungen der Methode der Discrete Choice Experimente (DCE) vorgeschlagen, welche eine verbesserte Analyse der Produktionsentscheidungen von Landwirten ermöglichen sollen. Gegenüber bisherigen DCE-Analysen mit Landwirten werden zum einen Kreuzeffekte zwischen Attributvariablen des Experiments und betrieblichen Eigenschaften der Landwirtsprobanden mit einbezogen, um Entscheidungsaspekte nach Kostendeckungsprinzip berücksichtigen zu können. Zum anderen wird die DCE-Methodik um eine zweite Stufe, in der der Nutzungsumfang einer Wahlalternative im Experiment erfragt wird, erweitert. Die Schätzung des Nutzungsumfangs kann möglicherweise eine bessere Prognose der Nachfrage der Landwirte nach den Wahlalternativen im Experiment ermöglichen. Um diese beiden methodischen Erweiterungen der DCE unter landwirtschaftlich relevanten Fragestellungen zu überprüfen, werden unterschiedliche Fallstudien zur Schätzung des Entscheidungsverhaltens bei Landwirten durchgeführt. "Entscheidungsverhalten" bezieht sich in dem hier vorgestellten Forschungsprojekt auf drei Bereiche, nämlich das Angebotsverhalten, das Entscheidungsverhalten bei der Inputwahl sowie das Adoptionsverhalten in Bezug auf neue Produkte oder Technologien:
  • Angebot von Naturschutzleistung - Abschätzung der Teilnahmebereitschaft von Landwirten an Programmen des Vertragsnaturschutzes
  • Entscheidungsverhalten von Milchviehhaltern beim Zukauf des Inputs Rindersperma
  • Adoptionsverhalten von Landwirten für neue Düngeverfahren - das Beispiel der ammoniumbetonten Injektionsdüngung
Besonders für die Agrarpolitik, die Pflanzen- und Tierzüchtung, die Agrarforschung und auch der Landmaschinen- und Agrarindustrie können die Ergebnisse, wie sich Landwirte zwischen verschiedenen Handlungsalternativen entscheiden, besondere Relevanz haben.

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