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Agrar- und Ernährungswiss. Fakultät | Institut für Agrarökonomie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie
Geschichte des Lehrstuhls
Siegel der Fakultät
 


Historische Entwicklung der Landwirtschaftlichen Betriebslehre in Kiel


Die Entwicklung der Landwirtschaftswissenschaften zur selbständigen Disziplin an der Universität Kiel begann mit dem Jahre 1873, als erstmalig ein " Landwirtschaftlicher Cursus", damals noch im Rahmen der Philosophischen Fakultät, durchgeführt wurde. Hermann BACKHAUS, der 1872 zum ersten Professor für Landwirtschaft an die Kieler Universität berufen worden war, kündigte damals im "Journal für Landwirte" neben Vorlesungen über "Landwirtschaftliche Pflanzenproduktionslehre", " Methoden der Bodenuntersuchung und Bonitierung" sowie " Übungen und Berechnungen der landwirtschaftlichen Societät" auch Vorlesungen über "Landwirtschaftliche Betriebslehre" an.

Zwischen diesen Anfängen und der Einrichtung eines Lehrstuhles für landwirtschaftliche Betriebslehre, die schließlich im Frühjahr 1925 erfolgte, lag ein langer Zeitraum, der durch vielseitige Bemühungen mit wechselhaftem Erfolg bei der Einführung eines geordneten Studiums der Landwirtschaftswissenschaften an der Universität Kiel gekennzeichnet war. Die erste Professur für Landwirtschaftliche Betriebslehre an der Kieler Universität erhielt 1925 Emil LANG, ein Schüler Theodor BRINKMANNs. Es ist sein Verdienst, dass seinerzeit die deutsche landwirtschaftliche Buchführung vereinheitlicht wurde. 1927 ging LANG nach Königsberg. Nachfolger von LANG wurde 1928 Berthold SAGAWE. Dieser hatte ebenfalls ganz im Sinne von THÜNEN und BRINKMANN gearbeitet. Später beschäftigte er sich intensiv mit der Methodik und den Aufgaben der Schätzungslehre. 1934 erschien sein Buch: „Grundzüge der Abschätzungslehre“.

Angesichts fallender Studierendenzahlen (1932/33 studierten 29 Studenten Landwirtschaft) beschloss die Landesregierung, das Agrarstudium in Kiel 1934 aufzulösen – gegen den erfolglosen Widerstand der landwirtschaftlichen Praxis. SAGAWE ging nach Berlin und später nach Breslau. Die Auflösung der beiden an der Philosophischen Fakultät angesiedelten Lehrstühle für „Pflanzenbau und „Landwirtschaftliche Betriebslehre“ bedeutete jedoch nicht das endgültige Aus für das Landwirtschaftsstudium. Etwa die Hälfte der Studierenden blieb in Kiel, 1935 waren es 10. Sie studierten überwiegend bei den Direktoren der Milchforschungsanstalt weiter. Auch am Institut für Weltwirtschaft gab es hervorragende Arbeitsbedingungen für die Studierenden. Die landwirtschaftliche Betriebslehre war in den Händen von Wilhelm WESTPHAL.

Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde das Studium der Landwirtschaft in Kiel wieder aufgenommen. Der durch die Hungersnot bewirkte Zwang zur Produktionssteigerung stellte die Landwirtschaft vor eine Fülle neuer und dringlicher Aufgaben. Es fehlte nicht nur an Betriebsmitteln, sondern mehr noch am Wissen um deren effizienten Einsatz und bessere Produktionsmethoden. 1946 wurde die Landwirtschaftliche Fakultät gegründet. Treibende Kraft der Fakultätsgründung war Emil LANG, der bis zur Flucht aus Ostpreußen Dekan der Landwirtschaftlichen Fakultät der in Königsberg gewesen war, und nach dem Krieg nach Kiel zurückgekehrt war. Im Jahre 1946 erfolgte seine erneute Ernennung zum Ordinarius des Instituts für Landwirtschaftliche Betriebslehre in Kiel.

Nach seiner Emeritierung wurde 1952 als sein Nachfolger Georg BLOHM nach Kiel berufen, der bis dahin in Halle gelehrt hatte. Das Institut wurde in Anpassung an BLOHMs Forschungsrichtung in Institut für Landwirtschaftliche Betriebs- und Arbeitslehre umbenannt. Nach der Emeritierung von Georg BLOHM übernahm Hugo STEINHAUSER von 1965-1971 den Lehrstuhl und die Leitung des Instituts. 1970 wurde eine Erweiterung und Umstrukturierung des Instituts durchgeführt. STEINHAUSER erhielt den Lehrstuhl für Angewandte Landwirtschaftliche Betriebslehre, ein zusätzlicher Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus wurde neu geschaffen und 1973 mit Claus-Hennig HANF besetzt.

Im Jahre 1973 wurde Cay LANGBEHN auf den Lehrstuhl für Angewandte Landwirtschaftliche Betriebslehre berufen. Er richtete seine Forschung stark an den Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Praxis aus. Sein gemeinsam mit STEINHAUSER und PETERS verfasstes Lehrbuch „Einführung in die landwirtschaftliche Betriebslehre“, zuletzt erschienen 1992 in der fünften Auflage, gilt bis heute als die Bibel für Agrarstudenten, Berater und Praktiker. Cay LANGBEHN wurde zum 31. März 2001 emeritiert.
Nach einer eineinhalbjährigen Überbrückungszeit, während der die Lehre im Bereich der landwirtschaftlichen Betriebslehre über Lehraufträge sichergestellt werden musste, wurde zum Wintersemester 2002 Uwe LATACZ-LOHMANN zum Nachfolger LANGBEHNs berufen. Er hatte zuvor am Wye College der Universität London und an der Universität Cambridge die Fächer landwirtschaftliche Betriebslehre und Umweltökonomie vertreten. Entsprechend seiner bisherigen Forschungsrichtung wurde der Lehrstuhl umbenannt in Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie.

Seit 1991 ist der Lehrstuhl eingegliedert in das Institut für Agrarökonomie, das im Rahmen der Umstrukturierung der Agrarwissenschaftlichen Fakultät im Jahre 1991 aus dem Institut für Landwirtschaftliche Betriebs- und Arbeitslehre und dem Institut für Agrarpolitik und Marktlehre entstanden ist.
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