FORSCHUNGSSTELLE CERES
ZUR SPANISCHEN RENAISSANCE IM EUROPÄISCHEN KONTEXT

ESCRITURA Y SABER EN EL RENACIMIENTO ESPA
ÑOL



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Forschungsprojekt

„Escritura y Saber en el Renacimiento español (1450-1650)“

Literatur und Wissenschaften in der spanischen Renaissance
unter Berücksichtigung des europäischen Kontexts






Am 3. Juli 2002 wurde am Romanischen Seminar der CAU die Forschungsstelle CERES eingerichtet. Den akademischen Akt eröffnete ein Festvortrag von Prof. Dr. Bernhard König (Universität Köln); anschließend fand ein internationales wissenschaftliches Kolloquium zum Thema Literatur und Wissen in der spanischen Renaissance statt. Den Abschluss der Veranstaltung am Abend bildete ein Konzert mit spanischer Renaissance- und Barockmusik in der Universitätskirche.
Die Entscheidung, am Romanischen Seminar der CAU eine Forschungsstelle zur spanischen Renaissance im europäischen Kontext einzurichten, steht im Zusammenhang mit der programmatischen Ausrichtung von Lehre und Forschung sowohl auf brisante kulturelle Prozesse der Gegenwart als auch auf die Wurzeln der Moderne in der frühen Neuzeit. Das Romanische Seminar der CAU stellt sich die Aufgabe, die Studierenden nicht nur mit Bildung und Wissen zu „versorgen“, sondern auch wesentliche Aspekte des kulturellen Gedächtnisses des Abendlandes zu vermitteln und zu aktualisieren. Die Forschungsstelle CERES setzt sich zum Ziel, die Zusammenhänge zwischen Literatur und Wissen in der Renaissance zu analysieren, wobei neben Belletristik und moralphilosophischer oder essayistischer Literatur auch die Natur-, Geistes- und Humanwissenschaften in den Blick genommen werden, um so Strukturen des Wissens zu erfassen und offenzulegen. Wir wählten den Namen der römischen Göttin der Fruchtbarkeit, Ceres, als Sigle für die Forschungsstelle, weil es um Pflege und Kultivierung unserer geistigen Tradition und um ihre Verknüpfung mit Strategien gegenwärtiger individueller Selbstwahrnehmung geht. Eine Generation von Studierenden, die immer wieder die Frage nach ihrem Selbstverständnis stellt, darf von den Institutionen des Wissens eine breite Auswahl an kulturgeschichtlich verbürgten Sinnangeboten erwarten. CERES ist zudem die Abkürzung von Centro de Estudios sobre el Renacimiento Español.

Der Topos von der Renaissance als Wiege des modernen Menschen ist mehr als nur ein Schlagwort: die Ursprünge moderner Individualitätskonzepte sind im Menschen- und Weltbild der Renaissance verwurzelt; die Emanzipierung subjektiver Wirklichkeits- und Selbsterfahrung ist schon in der rinascimentalen Reflexion über die Conditio humana angelegt. Eine Rekonstruktion dieser Zusammenhänge kann zweifelsohne nur in einem europäischen Kontext — von Petrarca über Montaigne bis hin zu Cervantes — geleistet werden. Auch hinsichtlich der Finanzierung handelt es sich bei CERES um ein europäisches Unternehmen, da das spanische Ministerium für Bildung, Kultur und Sport gemeinsam mit der CAU die notwendigen Gelder zur Verfügung stellt. Eine Besonderheit der Forschungsstelle ist ihre internationale Ausrichtung: Austauschverträge für Wissenschaftler und Studierende mit den Universitäten von Salamanca und Santiago de Compostela wie durch enge Kontakte zur Universidad Complutense in Madrid, zur Universidad Autónoma in Barcelona und zu Alcalá de Henares sichern langfristig die internationale Vernetzung der Arbeit. Nicht zuletzt dank dieses Netzwerks dürfen wir eine Vielfalt von Beiträgen zur Erforschung des Siglo de Oro, des Goldenen Zeitalters in Spanien erwarten, einem der Höhepunkte europäischer Kulturgeschichte.

Das Projekt leistet einen Beitrag zur näheren Bestimmung frühneuzeitlicher Subjektivitätskonzepte indem es Modelle der Welterfahrung  und der Selbsterkenntnis des Humanismus in Spanien unter Berücksichtigung des europäischen Kontexts zu erfassen sucht. Durch eine eingehende literatur- und wissenschaftsgeschichtliche Kontextualisierung des Humanismus im westlichen Mittelmeerraum sollen dabei epistemologische Voraussetzungen der Renaissance, insbesondere durch eine Analyse der Zusammenhänge zwischen literarischen, human- und naturwissenschaftlichen Texten herausgearbeitet werden (hier gilt die Aufmerksamkeit der Kosmographie, Astronmie und auch den anderen okkulten Wissenschaften wie Magie und Alchimie). Die erste Phase des Projekts ist mit der Einrichtung einer „Forschungsstelle zur spanischen Renaissance und ihres europäischen Kontexts“ am Romanischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eingeleitet. Bereits im Sommersemester 2002 fanden Vorträge zum Thema „Literatur und Wissen in der spanischen Renaissance“ statt, für die namhafte Vertreter des angesehenen Seminario de Estudios Medievales y Renacentistas der Universität von Salamanca als Referenten gewonnen werden konnten.


Begrüßung zur Einrichtung der Forschungsstelle CERES am 3. Juli 2002 am Romanischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Die Entscheidung, am Romanischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität eine Forschungsstelle zur spanischen Renaissance im europäischen Kontext einzurichten, steht im Zusammenhang mit der programmatischen Ausrichtung von Lehre und Forschung auf die brisanten kulturellen Prozesse der Gegenwart wie auch auf die Wurzeln der Moderne, insbesondere in der frühen Neuzeit. Es geht dabei um Vermittlung und Verlebendigung, um Aktualisierung und Fruchtbarmachung des kulturellen Gedächtnisses des Abendlandes. Pragmatischer formuliert bedeutet dies, dass sich das Romanische Seminar der Christian-Albrechts-Universität die Aufgabe stellt, die Studierenden mit Bildung und Wissen zu „versorgen“, eine Aufgabe, deren Aktualität und Relevanz erst kürzlich wieder die vielzitierte Pisa-Studie belegte.

Mit einem Wort: Warum CERES? – Je mehr eine berufsbezogene Ausbildung für unsere Studierenden verlangt wird, je mehr unser Wissen technikorientiert und auf neue Technologien und Medien gestützt ist, umso angemessener und notwendiger erscheint mir, daß die Universität sich als Gedächtnis menschlichen Wissens profiliert. Die kritische Reflexion darüber sollte indes mit einer leidenschaftlichen Aneignung einhergehen.

Der Topos von der Renaissance als Wiege des modernen Menschen ist mehr als nur ein Schlagwort: die Ursprünge moderner Individualitätskonzepte sind im Menschen- und Weltbild der Renaissance verwurzelt; die Emanzipierung subjektiver Wirklichkeits- und Selbsterfahrung ist schon in der rinascimentalen Reflexion über unsere Conditio humana angelegt. Bereits in der Renaissance sind die damit verbundenen, die Moderne strukturierenden Ambivalenzen zu verorten. Eine Rekonstruktion dieser Zusammenhänge ist zweifelsohne nur in einem europäischen Kontext – von Petrarca über Montaigne bis hin zu Cervantes – zu leisten. Somit kann es nicht verwundern, dass unser Projekt auch hinsichtlich der Finanzierung ein europäisches Unternehmen ist, da das spanische Ministerium für Bildung, Kultur und Sport gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität die notwendigen Gelder zur Verfügung stellt.

Die literarischen Gattungen können durchaus als spezifische Medien individueller Zugangsweisen zur Erkenntnis von Selbst und Welt gelten und aus diesem Blickwinkel untersucht werden. Aus diesem Grund stehen sie im Mittelpunkt unserer Fragestellungen, die die Zusammenhänge zwischen Literatur und Wissen in der Renaissance thematisieren. Gemeint sind indes nicht nur die Belletristik, die moralphilosophische oder essayistische Literatur, sondern auch die Naturwissenschaften, die Geistes- und Humanwissenschaften. Unsere Anstrengungen sollen darauf abzielen, auf diesem Weg – und mit bescheidenen Mitteln – Strukturen des Wissens zu erfassen und offenzulegen.

Was bedeutet CERES? Wir wählten den Namen der römischen Göttin der Fruchtbarkeit und des Wachstums als Sigle für die Forschungsstelle, weil es auch um die Pflege und Kultivierung unserer geistigen Tradition und um ihre Verknüpfung mit Strategien gegenwärtiger individueller Selbstwahrnehmung geht. Insbesondere eine Generation von Studierenden, die immer wieder die Frage nach ihrem Selbstverständnis stellt, darf von den Institutionen des Wissens, also von der Universität, eine Antwort, eine breite Auswahl an kulturgeschichtlich verbürgten Sinnangeboten erwarten. Außerdem ist CERES ein Akronym und die Abkürzung von: Centro de Estudios sobre el Renacimiento ESpañol. Und was verbirgt sich hinter dem Motto, das wir für unsere Arbeit ausgewählt haben: „Per non errare“? – „Um nicht zu irren“ oder vielleicht auch „um es richtig zu tun?“ Wir dachten an eben diese Hilfestellung zur geistigen und intellektuellen Selbstfindung, die wir unseren Studierenden anbieten möchten. Das auf den ersten Blick altmodisch anmutende Motto verdient heute vielleicht mehr Beachtung denn je, da es auf ein Authentizitätsprinzip vertraut, das zweifelsohne den Sehnsüchten der gegenwärtigen Generation entgegenkommt. Das Motiv der Abbildung schließlich stellt eine Harmonieleiter dar; es ist den „Regule florum musices“ (sic!) des Pietro Cannuzio entnommen, die im Jahre 1510 in Florenz publiziert wurden.

Die Forschungsstelle CERES ist in vielerlei Hinsicht ein Desideratum; sie nimmt in der deutschsprachigen Hochschullandschaft eine sehr spezifische Position ein. Dabei macht nicht nur die geographische Randlage am Mare Lutheranum ihre Besonderheit aus, sondern vor anderem ihre internationale Ausrichtung: Austauschverträge mit den Universitäten von Salamanca und Santiago de Compostela; enge Kontakte zur Universidad Complutense in Madrid, zur Autónoma in Barcelona und zu Alcala de Henares sichern langfristig die internationale Vernetzung unserer Arbeit. Zudem bürgt die heutige Anwesenheit profilierter Kollegen aus Hamburg, Köln, München und Münster für eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit renommierten deutschen Universitäten, deren hispanistische Abteilungen sich ebenfalls intensiv mit der Erforschung des Goldenen Zeitalters der Literatur Spaniens befassen, einem der Höhepunkte europäischer Literaturgeschichte.


Prof. Dr. Javier Gómez-Montero