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CINARCHEA
Internationales Archäologie-Film-Kunst-Festival Kiel
 

Tagung "Archäologie im Film"
Bericht der AG Dok

Ein Symposium des Internationalen Archäologie-Film-Festivals CINARCHEA am Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU Kiel mit der Gerda Henkel Stiftung am 9./10. Juni 2011 in der Kunsthalle zu Kiel.

Konzentrierte Diskussion im Veranstaltungssaal der Kieler Kunsthalle


Nach der 9. Cinarchea im April 2010 erhielt Festivalleiter Kurt Denzer vom Wissen­schaftsportal L.I.S.A. der Gerda Henkel Stiftung das Angebot, eine Tagung zum o. a. Thema vorzubereiten. Im Vordergrund stand für uns die kritische Auseinander­setzung mit der Darstellung archäologischer Fachbereiche im Medium Film und deren Vermarktung in der Öffentlichkeit. Das Fach Archäologie fungierte dabei als Paradigma der Darstellung eines Wissenschaftsbereichs im Medium Film.

Bis in die 80er Jahre führte die Archäologie ein Schattendasein im Dokumentarfilm, im FWU-Katalog von 1995/96 kam kein eigenes Stichwort dazu vor. Das änderte sich mit dem Beginn der internationalen Archäologie-Film-Festivals und in Deutschland durch die von Gisela Graichen ausgelöste Erfolgswelle archäologischer Themen im ZDF. Die damit einhergehende Gratwanderung zwischen historischer Korrektheit und quoten­anbiedernden Hybridformen stand im Mittelpunkt des Vortrags von AG-Dok-Autorin Prof. Dr. Kerstin Stutterheim: »Herrscht König Quote im demokratischen Fernsehen? – Materialisationen vergangener Kulturen in Form von Re-Enactment oder Animations­szenen in Archäologiefilmen der letzten Jahre«.

In die Rolle der Verteidigerin bei der Auswertung der Quote geriet Frau Dr. Elisabeth Milin vom SWR bei ihrem Beitrag »TV-Produktion – Ziele, Erwartungen, Ergebnisse«. Sie untersuchte den Wandel der Erzählweise in TV-Dokumenta­tionen von einer faktenorientierten Information hin zum "Storytelling", also einem Filmaufbau, der sich an fiktionalen Formaten orientiert, und verglich die Ermittlung von Ein­schaltquoten mit der Qualität der Erhebung von Wahlprog­nosen, ohne allerdings den affirmativen Charakter dieser Untersuchungsmethode kritisch zu befragen.

Ein schönes Moment des Exotischen brachte der Cutter Thomas Balkenhol ins Programm mit der Schilderung seiner Erfahrungen in der editorialen Betreuung von Dokumentarfilmen und seinem zwanzigjährigen "Kampf" mit der speziellen TV-Ästhetik. Sein eher künstlerischer Ansatz verstieß dabei völlig gegen die TV-Norm.

Zum Thema »Film im Museum – Luxus, Ärgernis und Notwendigkeit« referierte Kurt Denzer seine Konzeption von Filmen, die eigens für das Mehrsprachen-Kino im Wikinger Museum Haithabu geschaffen wurden und dort seit 1985 laufen. Leitlinien sind ihm dabei, nichts im Film darzustellen, was das Museum mit seinen Mitteln besser kann. Höhepunkt dieses Programmpunkts war der Auftritt des Experimentalarchäologen Harm Paulsen vom Landes­museum Schleswig, mit dem Denzer seit den 80ern Filme zur experimentellen Archäologie produzierte. Beide berichteten von ihrer Zusammen-Arbeit bei den Filmen für Schloss Gottorf, in denen in kurzen Stummfilmloops in Vitrinen Paulsens Vorstellungen von steinzeitlicher Bearbeitungstechnik bildlich dargestellt werden. Zu aller Überraschung zeigte Christoph Boekel einen 16mm-Film, den er 1975 über Harm Paulsen drehte und dessen steinzeitliche Technik, Feuer zu machen. Prof. Dr. Tobias Hochscherf von der FH Kiel übte überfällige Kritik an der Art der Darstellung von Rekonstruktionen antiker Fragmente in Form gerechneter Bilder.

Dr. Charlotte Trümpler stellte das Ausstellungs-Projekt »Das große Spiel – Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus« (1860 – 1940) vor, das 2010 im Weltkulturerbe Zeche Zollverein, Essen, entstand. Den Film über die Ausstellung, »Das große Spiel«, brachten die Autoren Rasmus Gerlach und Thomas Tode im Kommunalen Kino zur Ur-Aufführung.

Die Bedeutung der Naturwissenschaften für die Archäologie und die Herausforderung bei der filmischen Umsetzung demonstrierte Prof. Dr. Pieter Grootes vom Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung an der CAU Kiel. Seine beeindruckende Zusammenstellung von gleichartigen Ausschnitten zahlreicher TV-Filme zeigte die phantasielose Gleichförmigkeit der Montage und gab reichlich Anlass zu Fragen nach der deutschen TV-Ästhetik.

Thomas Tode

»Die Moorleiche im Gegenlicht – Strategien der Emotio­nalisierung in den Archäologiefilmen« war ein Höhepunkt, weil der Archäologe Tom Stern und der Filmhistoriker und -autor Thomas Tode hier detailliert darlegten, wie die vielge­priesenen Filme der französischen Gedeon-Programmes-Produktion die Zuschauer in den Bann ziehen.

Peter Prestel, Mitarbeiter von Gisela Graichen, berichtete von seinem Projekt für die Gerda Henkel Stiftung, 80 Internet-Spots in der Postproduktion zu betreuen, wozu die Archäologen nach einer Kamera-Einweisung die Aufnahmen liefern. Die meisten Fragen aus dem Publikum betrafen die Konzeption, seinen Anteil an der redaktionellen Arbeit und der Zielsetzung dieses Projekts.

AG-Dok-Mitglied Christoph Boekel forderte in seinem Vortrag »Wider die Missachtung der Phantasie« mehr Mut von den TV-Redakteuren. Den modernsten Ansatz und einen kritischen Ausblick auf die Zukunft des Fernsehens und seiner Formate gab Dr. Martin Emele in seinem Vortrag »Der Archäologiefilm ist tot – es lebe die Bewegtbild-Wertschöpfung 2.0«.

Referenten und Gäste des Symposiums »Archäologie im Film«


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