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CINARCHEA 2010
9. Internationales Archäologie-Film-Kunst-Festival Kiel
22. - 24. April 2010

Einführung zum Programm

Beginn: 16.00 Uhr mit dem Symposium "Human Development in Landscapes", dem interdisziplinären Projekt der Graduiertenschule der CAU, vorgestellt von ihrem Sprecher Prof. Dr. Johannes Müller. Zwei Filme zeigen die Bandbreite: Sahara - Climate and Societies of the Past, in dem ein internationales, interdisziplinäres Team drei Jahre lang die größte Wüste der Welt bereiste und ihre über 10.000 Jahre lange Klima- u. Kulturgeschichte mit den eindrucksvollen Höhlenbildern erforschte. Außer Wettbewerb läuft Okolište, der die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen des neolithischen Tells in Zentralbosnien zeigt, an denen jahrelang auch das Kieler Institut für Ur- und Frühgeschichte beteiligt war.

Der neue CINARCHEA-Trailer leitet um 19.00 Uhr das Abendprogramm ein. Was wird bleiben? entwirft ein Zukunftsszenario: Angenommen, die Menschen würden in kürzester Zeit aussterben - was würden sie hinterlassen und auf was würden kommende Generationen von Archäologen stoßen? – Vor Kiel stießen Taucher um den Unterwasserarchäologen Segschneider jüngst auf das im 18.Jh. gesunkene Flaggschiff der Schweden, "Hedwig Sophia": Erinnerung an den Kampf um die Ostsee. Dann lädt die Filmwerkstatt Kiel zum kleinen Empfang.

Am Freitagvormittag haben Jugendliche und Studierende freien Eintritt zu einem Kurzfilmprogramm. Die Schlacht um Harzhorn zeigt die Entdeckung eines bisher unbekannten Schlachtfeldes im niedersächsischen Kalefeld-Oldenrode, wo sich im 3. Jh. n. Chr. Römer und Germanen bekämpften. Vom römischem Leben in Germanien entlang des Limes handelt der Beitrag Von Rom nach Germanien, und auch der Film Die Grenze zu Jordanien widmet sich der Spurensuche römischer Zivilisation: im heutigen Königreich Jordanien, wo vom 1. Jh. v. Chr. bis zur Islamischen Invasion im 7. Jh. Römer ein Netzwerk aus Kastellen, Türmen und Straßen errichtet haben. Die Retrospektive geleitet mit Die Geld-Maus – sie gewann 1996 den Publikumspreis – in die Pause.

Der CINARCHEA-Trailer von 1996 führt zum Programmpunkt Filmarchäologie, wo Thomas Tode aus Leben und Werk der Animationsfilmerin Lotte Reiniger Galathea – das lebende Marmorbild zeigt. – Der Urmensch von Heidelberg (nur ein Unterkiefer ist erhalten) zählt zu einem der wichtigsten Funde in der Erforschung der menschlichen Evolution und war namensgebend für eine ganze Gattung: dem vor rund 600.000 Jahren lebenden ersten Einwohner dieser Region, dem Homo heidelbergensis. – Im heutigen Ägypten begleiten wir ein französisches Team bei der Suche nach Oasen des Glases. In Der Schatzfinder lernen wir den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vormals Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Hermann Parzinger und seine vielen Seiten als Wissenschaftler, Hochschuldozent, Kulturpolitiker und Diplomat kennen.

Ein neueres Feld ist die Schlachtfeld-Archäologie. Ihr widmet sich das Ename-Zentrum in Oudenaarde im belgischen Ostflandern. Im Projekt Casus Belli erkennen wir die methodische Herangehensweise bei der Aufarbeitung der großen Schlacht der Franzosen gegen die europäische Allianz unter Prinz Eugen. Im Beitrag Die Kaiserpfalz von Ingelheim – Ausstellungstafel 27 verfolgen wir die sehr lebendige und anschaulich geführte Diskussion eines Archäologen mit einer Kunsthistorikerin und einem Historiker über die unterschiedlichen Hypothesen zum Aussehen der karolingischen Pfalzanlage. – Die Geburtsstätte Norwegens liegt in Avaldsnes auf der Insel Karmoy: Ein Königreich ward geboren erzählt uns von diesem legendären Ort in Skandinavien und dem Reichtum seiner Bewohner. Zeugnisse kulturellen Reichtums der Römer findet man am Golf von Neapel, wo der Vesuv mit seinem Ausbruch die antiken Städte Pompeji und Herculaneum am 24. August 79 n. Chr zerstörte und der Wissenschaft durch die guten Erhaltungsbedingungen gleichzeitig eine unschätzbar wertvolle Momentaufnahme schenkte, wie Herculaneum. Diaries of Darkness and Light zeigt.

1998 gewann Il était deux fois ... des Peintres den Spezialpreis für experimentelle Archäologie mit dem Versuch zu zeigen, wie wohl die steinzeitlichen Höhlenmalereien entstanden sein konnten. Im Südwesten Frankreichs führt uns Lascaux – Un nouveau regard auf den Spuren der ersten Entdecker dieser eindrucksvollen Grotte mit Zeichnungen aus der Zeit um 17.000 v. Chr. zu den Anfängen eines neuen Menschengeschlechts, das in Europa vor rund 35.000 Jahren entstand. – Eine Ruine wird zum Juwel dokumentiert den im Sommer 2003 begonnenen Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Neuen Museums und seine Wiedereröffnung auf der Berliner Museumsinsel. Den Anfängen der Kunst in der Urgeschichte ist der Beitrag Steinzeit-Künstler – Die Meister des Magdalenien mit Beispielen der Höhlenmalerei aus dem Südwesten Frankreichs, England und Ägypten gewidmet. – Das Fundstück von 1926 zeigt in einem Wochenschauausschnitt Mussolini in Leptis Magna. – Im Zweiten Weltkrieg lieferten sich am 31. Juli 1944 Frankreichs Nationalheld Antoine de Saint-Exupery und ein deutscher Jagdflieger ein Duell in den Wolken. Seitdem verlor sich die Spur des Dichters. Erst 50 Jahre danach gibt es erste Hinweise für das rätselhafte Verschwinden des "kleinen Prinzen" – ein Beitrag zur Unterwasser­archäologie.

Der Samstag beginnt mit dem Gewinner des Großen Preises in Amiens 2010: Als die Ägypter das Rote Meer befuhren ist die Geschichte vom Nachbau eines 4000 Jahre alten Schiffes unter Anwendung alter Handwerksmethoden. Expedition Höllenloch - Zur Wiege der Menschheit führt zeitlich ganz weit zurück: In der Danakil-Wüste in Eritrea versuchen Wissenschaftler anhand spektakulärer Funde zu ergründen, wo und wie der moderne Mensch entstand. Amüsant beendet die Retrospektive mit Tauro, dem Gewinner des Publikumspreises 2006, das Programm. – Cheops ans Licht gebracht macht mit völlig neuen Methoden bekannt, wie die Ägypter die Cheops-Pyramide gebaut haben könnten: von innen nach außen. In Filmarchäologie präsentiert Thomas Tode ein weiteres Beispiel der deutschen Scherenschnittfilmerin Lotte Reiniger: Das Rollende Rad von 1933. In Lebensspuren folgen wir dem Ethnoarchäologen J.-M. Chazine in die Vergangenheit und Gegenwart der philippinischen Ureinwohner und ihrer Nachfahren. Blur up - Wahre Bilder vom wirklichen Schatz des Priamos wurde im Jahre 2000 mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und verbindet fatal digital Troja, Schliemann und die Erfindung der Kinematographie.

Der letzte Filmblock vor der Preisverleihung bietet ab 19.30 Uhr retrospektive Beiträge. Zum Einstieg präsentiert Hauke Lange-Fuchs aus einer Zeit, in der es noch kein Kino gab, eine kleine Laterna-Magica-Show. Es folgt von 1911 La Caduta di Troya, der vom Untergang der sagenumwobenen Stadt erzählt, gefolgt von Lotte Reinigers Helen - La Belle. Zum Ende demonstriert uns Rainer Engel seine jüngsten Restaurierungsarbeiten an Fritz Langs Monumentalfilm Metropolis von 1927.

Nach der Preisverleihung wird ein prämiierter Film gezeigt.

Kurt Denzer

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