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CINARCHEA
Begleitende Texte zum Festival

CINARCHEA '96 - Nachdenken über ein Konzept

Auszüge aus einem Artikel im Katalog zu CINARCHEA 1996
von Dr. Kurt Denzer und Martin Weber M.A.



Das kulturelle Erbe der Menschheit zu erforschen und zu bewahren ist eine Aufgabe der Archäologie; dieses Wissen zu verbreiten und den Menschen der einzelnen Nationen nahezubringen ist Ziel der Filme, die auf diesem Festival gezeigt werden.

(...) Zumindest erfüllte sich unsere Hoffnung, daß trotz eines Überangebots an kulturellen Veranstaltungen und der zahlreicher werdenden Fernsehkanäle der Versuch gelungen war, abseits von purer Unterhaltung sowohl einen Wissenschaftszweig vorzustellen als auch die vielfältigen Möglichkeiten zu präsentieren, wie das Medium Film dieses Fach publik macht, ihm dient und Experten wie Laien, Lehrer, Schüler und Studierende zusammenführt.

Die Angebotsfülle neuer Informationstechniken und der Blick auf die Lebenssituation im Jahr 2000 scheinen gleichwohl die Neugier auf die Anfänge unserer Geschichte zu erregen. Die filmisch aufbereitete Erinnerung an untergegangene Städte, blutige Schlachten und fremde Riten, löst wohlige Schauer aus, tangiert uns aber nicht direkt; neue Erkenntnisse über altbekanntes, waghalsige Hypothesen und jüngste Forschungsergebnisse wecken jedoch Interesse, als ob sie unser Leben heute beeinflussen könnten. Im Zuge globaler Normung, weltweiter Vernetzung, allzeitiger Erreichbarkeit und immer kürzerer Entfernungen auf dem kleiner werdenden Globus interessieren Alternativen, kulturelle Nischen und gesellschaftliche Seitenwege. Die Frage, wie Menschen früherer Zeiten ohne die heutigen und die erahnbaren künftigen Standards haben leben können, scheint mir originäre Neugier zu sein und nicht allein von der Frage abgeleitet, ob wir solchen historischen Formen heute Nutzen abgewinnen könnten. Die oft schnell gestellte Frage "Was will uns die Vergangenheit sagen" scheint mir zuweilen sekundär angesichts der puren Neugier, des reinen Wissensdurstes, des interesselosen Wohlgefallens. Diese Film- und TV-Berichte mit einem Publikum zu sehen, sie als kleines gesellschaftliches Ereignis zu genießen, gibt dem persönlichen Gefühl eine Heimat, mit diesem Interesse nicht allein zu sein. So werden auch angesichts der verschiedenen Altersjahrgänge der anderen Zuschauer die in den Beiträgen gestellten Fragen, wie eine andere, frühere Lebensform überdauert hat, wie eine ferne Kultur hat entstehen und bestehen können, warum einzelne Kulturtechniken (wie z.B. Seemannsknoten) sich über Jahrtausende haben halten können oder Schönheitsbegriffe trotz stetig sich wandelnder Trends gültig oder immer wieder aktuell werden - derartige Fragen werden hier mit anderer Qualität rezipiert werden als wenn man diese Beiträge allein zu Hause vorm Fernseher konsumiert.

(...) Die Vorstellung der Filme und der Autoren aus den zahlreichen Ländern und die Möglichkeit zu anschließenden Gesprächen bietet die Chance zu interdisziplinärem und internationalem Erfahrungsaustausch.

CINARCHEA kann einer fachfremden Öffentlichkeit zeigen, wie notwendig ein konstruktives Miteinander verschiedener Disziplinen sein kann. Viele Fragen der Archäologie können heute erst aufgrund der Forschungsergebnisse anderer Fachwissenschaften beantwortet werden.

(...) Neue und weiterführende Fragen werden erst durch Ergebnisse anderer Fachrichtungen aufgeworfen. Das Nebeneinander von öffentlichen Filmvorführungen, Referaten im Symposium und der Ausstellung erweitern den Blick auf den Gegenstand, auf Zusammenhänge, die bei separater Präsentation nur schwer zu erkennen sind. CINARCHEA kann exemplarisch sein für die Vorstellung eines Fachgebietes, das einerseits Experten anlockt, andrerseits interessierten Laien Einblick gibt, was in dieser Vielfalt und zeitlichen Konzentration sonst kaum möglich ist.

(...) Die anwesenden Mitglieder der internationalen Jurys anderer Archäologie-Film-Festivals beraten die Problematik der Bewertung von Filmen, die in derartigen Wettbewerben gezeigt werden. Was kann an Vereinfachung in Kauf genommen werden für eine publikumswirksame Darstellung? (...)

Was darf an filmischer Kargheit ausreichen, wenn es um die reine Dokumentation geht?

Oder sind die hier genannten Extrempositionen nur rhetorisch? Kann nicht vielmehr - wie in guter wissenschaftlicher Prosa - eine klare Darstellung zugleich eine gute cineastische Leistung sein?

Die Öffentlichkeit wird sich bei der Preisverleihung und der Begründung der Jury Einblick verschaffen können in den Wert dieser Überlegungen.

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