Glaubensraum mit vielen Angeboten

Sie befindet sich mitten auf dem Campus und wird doch oft übersehen: die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) der CAU. Nach einem halben Jahr Vakanz arbeitet hier nun seit dem Frühjahr Pastorin Antje Hanselmann.

Frau in einem großen Raum mit Sitzreihen und farbigen Fenstern
© pur.pur

Antje Hanselmann ist seit dem Frühjahr die neue Pastorin der Evangelischen Studierendengemeinde.

Interesse an Begegnungen mit anderen Kulturen und Freude am Kontakt mit Studierenden haben Antje Hanselmanns Berufsleben geprägt: »Ich hatte die Chance, am Ökumenischen Institut Bossey Studierende aus aller Welt zu begleiten und Einblick in die Ökumene zu erhalten«, erzählt die Theologin. Das Internationale Studienzentrum des Ökumenischen Rates der Kirchen ist der Genfer Universität angegliedert. Danach arbeitete sie drei Jahre lang als Unipastorin in Basel. In einem Zeitraum von acht Jahren bekleidete sie die Ökumenische Arbeitsstelle im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg. Fünf Jahre lang begleitete sie in der Kirchengemeinde Schleswig nach einer Fusion das Zusammenwachsen von Gruppen und Strukturen. Bevor sie nun ihre Arbeitsstelle in der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Kiel aufgenommen hat, war sie zwei Jahre in der Gemeinde Kiel-Gaarden tätig.

Außer der Pastorin gehören sechs Studierende zum Gemeinderat. Diese entscheiden über wichtige Belange der ESG. In diesem Gremium engagieren sich unter anderem Katharina Schütrumpf und Sascha Ecks.

Für Katharina Schütrumpf ist die ESG »der Ort, der mich durch die Coronazeit gebracht hat«. Während der pandemiebedingten Online-Phasen des Studiums konnte sich die 23-Jährige mit anderen Studierenden in den Räumen der ESG treffen. Die Hygieneregeln waren streng, aber immerhin: »Hier hatten wir die Möglichkeit, uns auszutauschen, und waren nicht einsam«, erklärt Schütrumpf, die im Anschluss an ihr duales Hotelmanagement-Studium vor vier Semestern mit dem Studium der evangelischen Theologie begonnen hat. Der 23-jährige Informatikstudent Sascha Ecks hat nach eigenem Bekunden in der Evangelischen Studierendengemeinde ebenfalls »Halt in der Coronakrise« gefunden.

An der ESG schätzen die beiden nicht nur den Zusammenhalt, sondern auch das breite Angebotsspektrum: Jeden Montagmorgen feiern die Studierenden in der Kirche eine Andacht und frühstücken im Anschluss. Von Zeit zu Zeit gestalten Mitglieder der ESG Sonntagsgottesdienste in der Universitätskirche. Bald nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine hat die ESG gemeinsam mit anderen Beteiligten wöchentliche Friedensgebete initiiert. Bei Themenabenden halten Gäste Vorträge und im Anschluss steht eine Diskussion an. Es geht zum Beispiel um moderne Sklaverei, Erinnerungskultur oder Fair Trade. Einmal im Monat gibt es außerdem ein Treffen von Studierenden aus aller Welt.

Jeden Dienstag steht ein Spieleabend mit Brettspielen auf dem Programm. Eine Gartengruppe trifft sich unregelmäßig, um das Unkraut hinter der Terrasse neben der Kirche zu entfernen und Hochbeete zu pflegen. Über das Wochenende unternehmen die Mitglieder von Zeit zu Zeit Kanutouren oder andere Ausflüge. Der Sommerabschluss wird mit einer »Strandacht« gefeiert, das heißt einer Andacht mit Grillen am Strand.

Nach Auskunft der Pastorin sind unter den Teilnehmenden der Angebote alle Fachrichtungen von Informatik über Physik, Betriebswirtschaftslehre, Zahnmedizin und Lehramt bis Theologie vertreten. »Die ESG ist niedrigschwellig und eine Oase«, erklärt die 50-Jährige. Studentin Katharina Schütrumpf stellt fest: »Wir haben hier eine enge Gemeinschaft und eine respektvolle Gesprächskultur.« Ihr ist der Glaube wichtig: »Wir finden es zum Beispiel schön, vor dem Essen ein Tischgebet zu sprechen, aber wir sind nicht fromm im Sinne von ‚weltfern‘«. Auch Sascha Ecks schätzt die Offenheit und den geistlichen Raum.

Die neue Pastorin würde sehr gern mit der ESG Studienreisen nach Indien oder Tansania unternehmen, so ihr Traum. »Solche Reisen öffnen Horizonte«, erklärt sie. Außerdem strebt sie an, dass die Gemeinde mitten auf dem Campus noch präsenter wird: »Es wäre schön, wenn wir vermitteln könnten, dass unsere Gemeinde lebendig, bunt und für alle da ist.«

Autorin: Annette Göder

Kurzportrait Antje Hanselmann

In einem kleinen Dorf in der Nähe von Würzburg ist Antje Hanselmann aufgewachsen, und hier engagierte sie sich in der evangelischen Jugendarbeit. Als sie das Abitur in der Tasche hatte, ging sie als Au-pair nach London. Im Anschluss startete sie eine Ausbildung zur Diakonin, merkte aber nach einem Jahr, dass ein Theologiestudium sie mehr reizte. So studierte sie in Neuendettelsau, Wien und Hamburg. Das Vikariat absolvierte sie in Neumünster und Genf. Seit März 2022 ist die Theologin Hochschulpastorin der Evangelischen Studierendengemeinde Kiel. (göd)

Daniel Mourkojannis ist neuer Universitätsprediger

Fünf Jahre lang war das Amt des Universitätspredigers vakant. Nun hat Pastor Dr. Daniel Mourkojannis diese Aufgabe interimsweise übernommen. Er leitet die Gottesdienste in der Universitätskirche, die ausschließlich während der Semesterzeit abgehalten werden.

Der Oberkirchenrat, der im Landeskirchenamt arbeitet, hat schon länger eine Verbindung zur CAU: Er hat an der theologischen Fakultät promoviert und außerdem nimmt er theologische Examensprüfungen ab. Der gebürtige Leverkusener mit griechischen Wurzeln ist bereits früher öfter als Universitätsprediger eingesprungen. Klassischerweise bekleidet das Ehrenamt ein Theologe oder eine Theologin der CAU. Mourkojannis möchte die Aufgabe erfüllen, bis die Theologische Fakultät einen neuen Uni-Prediger oder eine neue Uni-Predigerin gefunden hat. Wie lange das dauern wird, vermag der 58-Jährige nicht zu sagen. Der Theologe ist verheiratet und hat eine Tochter. (göd)

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