Carolin Wölper
Iris Dittrich
Kristin Kersenbrock
 
Seventh Annual Willem C. Vis
International Commercial Arbitration Moot
1999/2000

Vienna 2000




I. Allgemeines

Im Wintersemester 1999/2000 nahmen wir als Team der Christian-Albrechts-Universität Kiel am Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot teil. Der Moot-Court wurde in diesem Jahr zum siebten Mal von der Pace-University, New York, unter der Leitung von Prof. Dr. Eric Bergsten in Wien ausgerichtet. 79 Teams aus aller Welt nahmen teil, davon kamen allein 12 aus Deutschland.

Unser Team wurde von Prof. Dr. Alexander Trunk, Leiter des Instituts für Osteuropäisches Recht, betreut. Außerdem gaben die Moot-Court-Teilnehmer der Universität Kiel aus dem letzten Jahr, Andreas Doose, Daniela Gentzsch und Cornelia Groth, ihre Erfahrungen an uns weiter.

Am 1. Oktober 1999 war der Sachverhalt im Internet verfügbar. Von diesem Tag an begann die Arbeit an einem Fall aus dem internationalen Wirtschaftsrecht. Es ging um den Abschluß eines internationalen Kaufvertrages und Schadensersatzfragen.
Der Vertrag wurde nach UN-Kaufrecht entschieden. Die prozessrechtlichen Fragen fielen unter die Schiedsgerichtsregeln des London Court of International Arbitration.
 

II. Die schriftliche Arbeit

Es wurden 6 Fragen gestellt. Bis zum 6.12.1999 sollte die Klageschrift, die auf diese Fragen eingehen und nicht mehr als 30 Seiten umfassen sollte, den Schiedsrichtern in Wien zur Korrektur vorgelegt sein. Von der Universität bekamen wir ein Büro und einen Computer zur Verfügung gestellt und verbrachten die Tage bis spät in die Nacht dort, um den Schriftsatz zu erstellen. Dazu stand uns die Literatur in der Bibliothek des Instituts für internationales Privatrecht zur Verfügung. Im Bereich des UN-Kaufrechts ist das Institut sehr gut ausgestattet. Über die Schiedsgerichtsregeln des London Court of International Arbitration fanden wir jedoch nur wenig Literatur vor. Dies versuchten wir auszugleichen, indem wir zweimal ins Max-Planck-Institut für Internationales Privatrecht nach Hamburg fuhren. In der Bibliothek der Universität Hamburg recherchierten wir Fälle, um die Argumente im Schriftsatz zu unterstützen. Um eine Korrektur und Verteilung der Klageschrift an die Schiedsrichter des Wettbewerbs möglich zu machen, mußten nach Fertigstellung insgesamt 25 Schriftsätze nach Wien geschickt werden.

Nach Abgabe der Klageschrift Anfang Dezember bekamen wir den Schriftsatz der John Marshall Law School in Chicago zugesandt und begannen daraufhin, die Beklagtenschrift zu verfassen. Sie durfte ebenfalls nicht mehr als 30 Seiten umfassen und mußte bis zum 14.2. in Wien eintreffen.Wie auch schon bei der Anfertigung der Klageschrift wurden die Aufgaben gleichmäßig verteilt, so daß jedes Teammitglied zwei Fragen zu beantworten hatte.

Nebenbei mußte auch Organisatorisches bewältigt werden. Wir schrieben Spendenbriefe an die größeren Anwaltskanzleien in Kiel sowie an Banken, um die Kopierkosten sowie Hotelkosten in Wien decken zu können.
 
 

III. Die mündliche Vorbereitung

Nachdem das Team nach mehr als vier Monaten die schriftlichen Hürden überwunden hatte, begannen wir Mitte Februar mit der mündlichen Vorbereitung.

In Wien waren zunächst vier Plädoyers in den Vorrunden zu absolvieren. Zur Vorbereitung wurden die Schriftsätze der Gegner zugesandt, damit man  die Argumente des Gegners kannte. Unser Team sollte neben Chicago auch gegen die Griffith University in Australien antreten, sowie gegen die Southern Methodist Law School in den USA und gegen die Universität Budapest.

Wir erstellten Plädoyers gegen die Argumente der anderen Universitäten. Ein Plädoyer sollte ungefähr eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nehmen, wobei diese halbe Stunde durch Fragen der Schiedsrichter noch auf bis zu 45 Minuten ausgedehnt werden konnte. Zwei Teammitglieder plädierten zusammen und teilten die Beantwortung der Fragen zum Fall gleichmäßig auf. So probten wir die Plädoyers sechs Wochen lang jeden Tag. Dabei wurden wir von Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität Kiel unterstützt. Sie übernahmen während der Proben die Rolle der Schiedsrichter. Andreas Doose, Daniela Gentzsch und Cornelia Groth gaben uns dabei viele hilfreiche Hinweise auf den tatsächlichen Ablauf des Wettbewerbs in Wien.

Wir ergriffen auch die Gelegenheit, mit den Moot-Court-Teams aus Hamburg sowie aus Berlin Kontakt aufzunehmen. So fuhren wir für ein Wochenende nach Berlin, um dort mit den Berliner Teammitgliedern zu üben. Außerdem organisierten wir ein Treffen mit dem Hamburger Team. Wir trafen uns in einer Hamburger Rechtsanwaltskanzlei und probten unsere Pleadings.
 

                                                                
 
 

IV. Der Wettkampf in Wien

Nach dieser intensiven Vorbereitung fuhren wir am 12.4.2000 nach Wien. Dort begann der Wettbewerb offiziell mit einem Empfang in der Wiener Börse, bei dem Prof. Dr. Bergsten und weitere Unterstützer zu uns sprachen.
Am Samstag begannen die Vorrunden. Jedes Team trat gegen die vier Mannschaften an, deren Schriftsätze zugesandt worden waren. Man plädierte einmal pro Tag und vertrat dabei zweimal die Kläger sowie zweimal die Beklagten. Durch die Vor- und Nachbereitung der Plädoyers waren die Tage ausgefüllt. Am Dienstag endeten die Vorrunden, und in einem Hörsaal der Wiener Universität wurden die besten 16 Teams unter 79 teilnehmenden Mannschaften bekannt gegeben.
In den folgenden zwei Tagen fanden die Finalrunden statt. Nun hatte man die Möglichkeit, die besten Teams beim Plädieren zu sehen.

Das Finale fand im Festsaal des Wiener Rathauses statt, und im Anschluß daran wurde ein Bankett mit Preisverleihung veranstaltet. Dort wurden die besten Teams geehrt. Die Ergebnisse der restlichen Teams wurden später per email verschickt.
Das Kieler Team belegte dieses Jahr den 35. Platz.
 
 

V. Rahmenprogramm

In Wien wurde als Ausgleich zu den Plädoyers auch für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm gesorgt. Die Moot Alumni Association hatte zu Anfang eine „Welcoming Party“ organisiert, sowie zum Ende des Wettbewerbs eine „Farewell-Party“. Dadurch hatten wir Gelegenheit, Teammitglieder aus aller Welt kennenzulernen. Außerdem blieb noch ein wenig Zeit, um sich Wien anzusehen.
 
 

VI. Zusammenfassung

Die Teilnahme am Willem C. Vis Commercial Arbitration Moot vermittelt tiefere Einblicke in das Jura-Studium. Zu Beginn des Wettbewerbs war uns weder die englische Fachterminologie geläufig, noch waren wir mit dem Rechtsgebiet des UN-Kaufrechts vertraut. Doch durch das Verfassen der Schriftsätze und die ständige Korrektur durch die Betreuer, wurde dem abgeholfen.
Der mündliche Teil des Wettbewerbs vertiefte unsere Englischkenntnisse zusätzlich. Die lange Vorbereitung wirkte sich auch positiv auf unsere Rhetorik aus. Außerdem bereitete der Vortrag in Wien auf die mündliche Prüfung im Staatsexamen vor.
Die Teilnahme am Moot-Court ist zudem eine gute Möglichkeit, die praktische Seite der Rechtswissenschaft kennenzulernen, in die man sonst nur wenig Einblick hat.

Im Nachhinein hat uns allen das letzte Wintersemester auch sehr viel Spaß gemacht.
 



 



Wenn sich für den nächsten Moot-Wettbewerb wieder ein Kieler Team zusammenfindet (hoffentlich!!), freuen wir uns darauf, das Team als neue "Ehemalige" zu betreuen.
 
 

Zum Schluss möchten wir auch unseren vielen Unterstützern noch einmal ganz herzlich danken:

für finanzielle Unterstützung

- dem Deutschen Akademischen Austauschdienst
- der Dr. Otto-Bagge-Gedächtnisstiftung, Kiel
- der Landesbank Schleswig-Holstein, Kiel
- Feddersen Laule Ewerwahn Scherzberg Finkelnburg Clemm Rechtsanwälte-Wirtschaftsprüfer-Steuerberater, Hamburg
- Kerssenbrock und Kubicki Rechtsanwälte und Notar, Kiel
- Lauprecht Rechtsanwälte und Notare, Kiel
- Koch Staats Kickler & Partner Rechtsanwälte und Notare, Kiel

für ideelle Unterstützung vielen anderen, die wir hier nicht alle nennen können!