Willem C. Vis International Commercial Arbitration 2001/2002
Bericht des Kieler Teams
I. Allgemeines
Im Wintersemester 2001/2002 fand der „ 9th Annual Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot“ unter der Leitung von Prof. Dr. Eric Bergsten von der Pace-University, New York, statt. Es nahmen 108 Teams aus 34 Nationen teil. Auch in diesem Jahr war ein Team der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel dabei. Das Team bestand wie schon im Vorjahr aus vier TeilnehmerInnen: Fanny Krause, Antje Nicken, Anne Riedel und Carsten Witzke.
Unser Team wurde von Prof. Dr. Alexander Trunk, Leiter des Instituts für Osteuropäisches Recht, und seinen Mitarbeitern betreut. Außerdem gaben drei Moot-Court-Teilnehmer der Universität Kiel des Vorjahres, Michael Karschau, Nikolai Vokuhl und Alexandra Wieczorek, ihre Erfahrungen an uns weiter. Außerdem bekamen wir von der Doktorantin Daniela Gentzsch Unterstützung.
Der Sachverhalt war ab dem 5. Oktober 2001 über das Internet verfügbar.
Von diesem Zeitpunkt an begann für uns die Arbeit an dem Fall,
der diesmal Problemstellungen des UN- Kaufrechts im Bereich der Abtretung
und der Mängelhaftung beinhaltete. Anwendbares Verfahrensrecht bildeten
die Regelungen der American Arbitration Association zum internationalen
Schiedsverfahren.
II. Die schriftliche Arbeit
Die Klageschrift sollte, nicht mehr als 30 Seiten umfassend, bis zum
13.12.2001 per e-mail übermittelt werden. Sie sollte dann den Schiedsrichtern
in Wien zur Korrektur vorgelegt werden. Von der Universität bekamen
wir ein schönes Büro zur Verfügung gestellt und verbrachten
die Tage bis spät in die Nacht dort, um den Schriftsatz zu erstellen.
Dazu standen uns die Literatur in der Bibliothek des Instituts für
internationales Privatrecht, sowie Werke aus dem Privatbestand von Prof.
Trunk zur Verfügung. Weiterhin versorgte uns Daniela Gentzsch mit
Materialien aus dem Max-Planck-Institut für Internationales Privatrecht
in Hamburg.
Um eine Korrektur und Verteilung der Klageschrift an die Schiedsrichter
des Wettbewerbs möglich zu machen, mußten nach Fertigstellung
insgesamt 25 Schriftsätze nach Wien geschickt werden.
Nachdem wir Anfang Dezember die Klageschrift eingereicht hatten, bekamen wir den Schriftsatz der Hamline University in St.Paul, Minnesota, USA zugesandt und begannen daraufhin, die Beklagtenschrift zu verfassen. Diese musste den selben Anforderungen wie die Klageschrift genügen. Die Beklagtenschrift musste bis zum 8. Februar 2002 eingereicht und danach ebenfalls in 25facher Ausfertigung nach Wien geschickt werden.
Nebenbei mußte auch Organisatorisches bewältigt werden. Dabei
unterstützte uns maßgeblich der Verein zur Förderung Internationaler
Studentenwettbewerbe an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel
( Moot Court e.V.). Es wurden Spendenbriefe an die größeren
Anwaltskanzleien in Kiel sowie an Banken geschrieben, um die Kosten für
die Schriftsätze sowie Hotelkosten in Wien decken zu können.
III. Die mündliche Vorbereitung
Nachdem das Team nach mehr als vier Monaten die schriftlichen Arbeiten
beendet hatte, be-gannen wir Ende Februar mit der mündlichen Vorbereitung.
In Wien waren zunächst vier Plädoyers in den Vorrunden zu
absolvieren. Für die Vorbereitung auf diese wurden die Schriftsätze
der Gegner zugesandt. Unser Team sollte neben Ham-line auch gegen die Osgoode
Hall Law School, York University, Kanada antreten. Die weiteren Gegner
waren die University of Lapland, Finnland und die Syracuse University in
New York, USA.
Auf Grundlage unserer eigenen Schriftsätze, sowie der Schriftsätze
unserer Gegner erstellten wir unsere Plädoyers. Ein Plädoyer
sollte ungefähr eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nehmen, wobei diese
halbe Stunde durch Fragen der Schiedsrichter noch auf bis zu 45 Minuten
ausgedehnt werden konnte. Zwei Teammitglieder plädierten zusammen
und teilten dabei die Sprechzeit gleichmäßig auf. Bis zur Abreise
nach Wien probten wir nun mit Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern
der Cristian-Albrechts Universität, sowie Anwälten großer
und namhafter Kanzleien aus Kiel und Hamburg. Sie übernahmen während
der Proben die Rolle der Schiedsrichter. Weiterhin gaben uns unsere Betreuer
viele hilfreiche Hinweise auf den tatsächlichen Ablauf des Wettbewerbs
in Wien.
Wir ergriffen auch die Gelegenheit, mit dem Moot-Court-Team der Humboldt
Universität in Berlin Kontakt aufzunehmen. So fuhren wir für
zwei Tage nach Berlin, um dort mit den Berliner Teammitgliedern zu üben.
IV. Der Wettkampf in Wien
Nach dieser intensiven Vorbereitung fuhren wir am 20.3.2002 nach Wien, wo wir am darauffolgenden Tag eintrafen. Am 22.3.2002 fand die letzte Probe für die Plädoyers statt. Wir trafen uns mit den Teams der Universidad Panamericana, Mexiko und der Carlos III de Madrid, Spanien.
Am Abend des selben Tages begann der Wettbewerb offiziell mit einem Empfang im Wiener Ronacher Theater, bei dem Prof. Dr. Bergsten und weitere Redner die Teilnehmer auf den Wettbewerb einstimmten.
Am Samstag begannen die Vorrunden. Jedes Team trat gegen die vier Mannschaften an, deren Schriftsätze zugesandt worden waren. Man plädierte einmal pro Tag und vertrat dabei zweimal die Kläger sowie zweimal die Beklagten. Wir bereiteten die Plädoyers ausführlich nach und hörten uns außerdem weitere Plädoyers an, womit die Tage ausgefüllt waren. Die Vorrunden endeten am Dienstag. An diesem Tag wurden im Juridicum die sechzehn Teams, die an den Finalrunden teilnehmen durften bekannt gegeben. Leider gehörten wir nicht zu diesen Glücklichen. Dafür hatten wir in den folgenden zwei Tagen die Möglichkeit in den Finalrunden die besten Teams beim Plädieren zu sehen.
Das Finale fand im Festsaal des Wiener Rathauses statt, und im Anschluß
daran wurde ein Bankett mit Preisverleihung veranstaltet. Anne Riedel erhielt
in der Kategorie „Best Individual Oralist“ eine „ Honourable Mention“.
Die weiteren Ergebnisse des Teams wurden später per e-mail verschickt.
Das Kieler Team belegte dieses Jahr den 32. Platz.
V. Rahmenprogramm
In Wien wurde als Ausgleich zu den Plädoyers auch ein abwechslungsreiches
Rahmenpro-gramm geboten. Die Moot Alumni Association hatte zu Anfang eine
„Welcoming Party“ organisiert, bei welcher sich die Gelegenheit bot andere
Teams kennen zu lernen. Bei der „Farewell-Party“ hatten wir dann die Möglichkeit
uns von den neugewonnenen Freunden zu verabschieden und Adressen auszutauschen.
Außerdem blieb auch noch ein wenig Zeit, um sich Wien anzusehen.
VI. Zusammenfassung
Die Teilnahme am Willem C. Vis Commercial Arbitration Moot vermittelt
tiefere Einblicke in die juristische Arbeitsweise. Als wir die Arbeit an
dem Fall aufnahmen war uns weder die englische Fachterminologie geläufig,
noch waren wir mit dem Rechtsgebiet des UN-Kaufrechts vertraut. Doch durch
das Verfassen der Schriftsätze und die ständige Korrektur durch
die Betreuer, war uns beides schnell geläufig. Der mündliche
Teil des Wettbewerbs vertiefte unsere Englischkenntnisse zusätzlich
und wirkte sich auch positiv auf unsere Rhetorik aus. Vor allem bietet
der Moot-Court aber eine Möglichkeit, im Team eine anspruchsvolle
juristische Aufgabe zu lösen. Wir hoffen, dass sich auch in diesem
Jahr ein Team zusammenfindet, welchem wir gerne als Betreuer zur Verfügung
stehen würden!
Zum Schluss möchten wir auch unseren vielen Unterstützern noch einmal ganz herzlich danken:
für finanzielle Unterstützung
- dem Deutschen Akademischen Austauschdienst
- der Landesbank Schleswig-Holstein, Kiel
- Wegner, Stähr & Partner Rechtsanwälte und Notare, Kiel
- Lauprecht Rechtsanwälte und Notare, Kiel
- Koch Staats Kickler & Partner Rechtsanwälte und Notare,
Kiel
- Freshfields, Bruckhaus, Deringer Rechtsanwälte, Hamburg
- Fachschaft Jura der Christian-Albrechts Universität, Kiel
- AStA der Christian-Albrechts Universität, Kiel
für ideelle Unterstützung unter anderem:
- Herrn Prof. Dr. Trunk und seinen Mitarbeitern
- Herrn Prof. Dr. Schack
- Dr. Sebastian Kubis
- Dr. Richard Happ und der Kanzlei Andersen Legal, Hamburg
- Dr. Daniel Busse und Dr. Lars Westphal
- Frank Martens
- Jasper Finke
- Conny
- und natürlich unseren Betreuern.
Kiel, im Juni 2002
Fanny Krause, Antje Nicken, Anne-Sophie Riedel, Carsten Witzke