Michael Danner, Nathalie Gudorf, Kristina Hedemann
Raimo Reincke, Christoph Strünke, Sandra Wichmann
Das vermoorte Tal der Rheider Au, das bei Hollingstedt an der Mündung in die Treene fast im Meeresspiegelniveau liegt, bildet zusammen mit der Eider-Treene-Niederung im Westen und der Schlei im Osten eine natürliche Sperre quer durch die Halbinsel mit einem nur wenige km breiten Durchlaß im Bereich der Schleswiger Landenge. Daher ist es nicht verwunderlich, daß diese naturbedingte Engstelle mehrfach in der Geschichte strategische Bedeutung erlangte. Von den Konflikten, die hier ausgetragen wurden, zeugt eindrucksvoll das Danewerk, ein System von mehreren Wällen mit Gräben, das die Landenge gegen Süden sperrte und so die Südgrenze des altdänischen Königreiches sicherte. Es ist optimal in die topographische Situation des Schleswiger Raumes eingepaßt: Die Eider-Treene-Niederung bildet seinen westlichen, die Schlei den östlichen Flügel. In mehreren Phasen zwischen dem 8. und 12. Jh. wurde - in unterschiedlicher Bauweise - an diesem größten Festungsbau Nordeuropas gearbeitet. Es besteht im wesentlichen aus folgenden Wallabschnitten: Hauptwall, Nordwall, Kograben, Verbindungswall, Krummer Wall.
Als Bauherren gelten die jeweiligen dänischen Könige, die vor dem Hintergrund der großen Machtverschiebungen auf dem nordeuropäischen Festland das Danewerk in wechselnden historischen Situationen wehrhaft gehalten haben. Leider gibt es nur wenige schriftliche Zeugnisse zu seiner Entstehung und baulichen Umgestaltung, und auch die Untersuchungen der Archäologie ergaben bis heute kein vollständiges Bild. Mit Hilfe der Dendrochronologie (= Methode zur Datierung von Hölzern) konnten jedoch einige präzise Baudaten für einzelne Wallabschnitte ermittelt werden. Das Danewerk ist heute zu zwei Drittel erhalten mit einer Länge von 20 km. Die stärkste Befestigung stellt das Mittelstück des Hauptwalls dar, heute noch mit einer Höhe von 4-5 m und einer Breite von 20-30 m. In Friedenszeiten wurde das Danewerk auch als Handelsweg genutzt.
Das Danewerk-Museum ist im Besitz der in Schleswig-Holstein lebenden dänischen Minderheit. Es ist in privaten Händen und wird vor allem von der dänischen Regierung finanziert. Heute kommen ca. zwei Drittel aller Besucher aus Skandinavien, früher waren es noch mehr aus diesen Ländern.
Die geschichtliche Entwicklung des Danewerkes läßt sich in fünf Phasen einteilen.
In der Zeit von 700 bis 750 n.Chr. wurden der Hauptwall und der Nordwall erbaut. Es gibt weder historische noch archäologische Erkenntnisse über den politischen Hintergrund dieses ersten Danewerkes zu Beginn des 8. Jh. Mitte des 8. Jahrhunderts wurde der Schutzwall um einen Palisadenzaun erhöht und um eine vorgelagerte Feldsteinmauer erweitert.
In der Zeit zwischen 770 und 960 wurde ein südlich dem Hauptwall vorgelagerter zweiter Wall erbaut, der Kograben. Die heutigen Erkenntnisse sprechen dafür, daß er wahrscheinlich dem Göttrikswall des Jahres 808 gleichzusetzen ist, der gegen die karolingische Expansion gerichtet war und auch den Handelsplatz Haithabu geschützt haben kann.
Von 960 bis 970 erhöhte der dänische König Blauzahn den Hauptwall mehrere Male bis auf 7 m. Zu dieser Phase gehören auch der 6,5 km lange Krumme Wall als Verbindung zwischen dem westlichen Teil des Hauptwalls und Hollingstedt und der in mehreren Bauphasen errichtete 3 km lange Verbindungswall, der den Anschluß an die halbkreisförmige Umwallung von Haithabu herstellt. Der Halbkreiswall selber wurde unter König Blauzahn auf 9 m erhöht. Die Gründe für die intensive Erweiterung der Wallanlagen liegen zum einen in dem Krieg gegen das ottonische Reich, zum anderen war diese Arbeit auch in Friedenszeiten eine Art "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme" für die sonst untätigen Soldaten. Zur Abwehr gegen die Ottonen gab es am Danewerk ein stehendes Heer von 13.000 Mann.
Nach dem Tode von König Blauzahn zerfiel das Danewerk. Erst der dänische König Waldemar der Erste baute den Schutzwall von 1175 bis nach 1200 wieder auf, aufgrund von Kämpfen zwischen den norddeutschen Fürsten und dem dänischen Königreich. In diese Zeit fällt auch der Bau einer 7 m hohen und 2 m dicken Ziegelsteinmauer. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde das Danewerk verlassen, u.a. weil die Burgen eine im Vergleich zu den Schutzwällen immer wichtigere militärische Rolle erhielten. Die Ziegeln wurden als teurer Baustoff abgetragen, so daß von der Mauer heute nur noch geringe Teile erhalten sind. Von 1250 bis 1850 wurde das Danewerk nicht zu Verteidigungszwecken genutzt, wohl aber als Handelsweg. In die Zeit des hohen Mittelalters (eine genauere Datierung war bis heute noch nicht möglich) fällt auch als Flankensicherung der Bau der Thyraburg zwischen dem Haupt- und dem Nordwall.
Ende des 18. Jahrhunderts erstarkten die nationalen Bewegungen. Vorher war das Gebiet des heutigen Dänemarks und Deutschlands in zahlreiche Kleinstaaten und Fürstentümer aufgespalten. Mit der ersten Definition einer Nation erlangte das Danewerk wieder an Bedeutung; es kam zu einer "Danewerkrenaissance". Während des Krieges zwischen den Dänen und den Schleswigern 1848 - 1850 wurde das Danewerk wieder eingenommen. 1861 wurde es um 27 Artillerieschanzen erweitert. Als Dänemark 1864 den Krieg gegen Preußen und Österreich verlor, verlor es mit 40% seiner Fläche auch das Danewerk. Da die preußischen Truppen über die vereiste Schlei setzten, mußte die Danewerklinie wegen der Umgehungsgefahr kampflos geräumt werden.
Hier endet die Geschichte des Danewerkes.
Als didaktische Mittel gibt es in dem Museum einen Film, eine Ausstellung und Führungen durch die Ausstellung. Der Film gab einen ersten Einblick in die Thematik und die damalige Bedeutung des Danewerkes für die dänische Bevölkerung. Die Ausstellung ist in seiner jetzigen Form sehr neu. Bei deren Entwicklung wurden Reaktionen der Besucher bezüglich der alten Ausstellung berücksichtigt. Durch die vielen Fotos wurden die Aussagen der Texte "lebendiger", so daß wir als Besucher das damalige und heutige Aussehen der verschiedenen Wälle in dem jeweiligen historisch-politischen Kontext gut erkennen konnten. Über das selbständige Bedienen von Knöpfen leuchteten die Fotos, Zeichnungen und Bilder von den, der jeweiligen Epoche zugehörigen, Bauwerken auf.
Die Ausstellung ist ziemlich groß - es ist das größte archäologische Museum Nordeuropas -, daher ist es für den Besucher oft nicht einfach, das Wesentliche aus den vielen Texten und Fotos zu erfahren. Deshalb sind Führungen notwendig, die das Gezeigte in einen größeren - auch historischen - Zusammenhang stellen und die wichtigsten Aussagen verdeutlichen. Der Museumsmitarbeiter gestaltete die Führung sehr lebendig, indem er die historischen Fakten mit interessanten Anekdoten verband. Man merkte, daß ihn das Thema interessierte; es war für ihn mehr als nur ein Job, uns durch die Ausstellung zu führen. Er stellte uns Fragen und ging auch auf Fragen von uns ein.
Wieviel jeder von uns aus der Ausstellung und von der Führung mitgenommen hat, hängt nicht nur von der Qualität des Museums ab, sondern auch von anderen Faktoren, wie der eigenen Konstitution an diesem Tag und der Fähigkeit, auf den Führungsstil einzugehen. Jeder Mensch lernt anders, und wenn der eine besonders gut über das Lesen lernen kann, so kann es der andere vielleicht über das Zuhören oder über das Betrachten von Fotos und Zeichnungen. Unabhängig von all diesen Unterschieden ist es aber wohl wichtig, in einer Führung eine Einheit, zwischen den in der Ausstellung zu sehenden Inhalten und dem gesprochenen Text herzustellen. Außerdem ist es notwendig, die vielen mit dem Danewerk verbundenen Informationen auf die wesentlichen Aussagen zu reduzieren. Nach unserer Auffassung ist das dem Museumsmitarbeiter gut gelungen.
Nach dem Besuch des Danewerkmuseums machte sich die muntere Radtruppe auf den Weg zum Wikingermuseum. Auf Zeitzeugen der dänischen Besiedlung des südschleswigschen Raumes durften wir erleben, wie gewaltig die Befestigungsanlagen des Danewerkes gebaut wurden: Der Magarethenwall sowie der Ringwall, der halbkreisförmig um Haithabu noch heute existiert, waren alle Anstrengung wert, bevor wir uns für das Wikingermuseum "einchecken" mußten. Der routiniert streng wirkende und wachsame Museumsangestellte an der Kasse des Museums ließ erkennen, daß dieses Museum positive Imagepflege noch nicht nötig hat, da viele Besucher von vornherein mit dem Namen Wikinger und Haithabu interessante Informationen verbinden. So kommt man sicher mit bestimmten Erwartungen hierher, die nur zum Teil erfüllt werden können.
Beim Besuch des Museums erstaunt zunächst der äußere Eindruck: Zwischen den grauen Wänden niedriger Gebäude gelangt man auf einem ebenso grau gepflasterten Weg zum Eingang des Museums. Erst der zweite Blick läßt erkennen, daß es sich bei den Gebäudemauern um Holzwände handelt, die wegen ihres optisch eher ungünstig gewählten Anstrichs diesen tristen Eindruck erwecken.
Die Ausstellung des Haithabu-Museums liegt auf einer Etage. Sie ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt (u.a. Religion, Haushalt, Kleidung), die ineinander übergehen ohne direkt (durch verschiedene Räume) voneinander getrennt zu sein. Die Ausstellung besteht vor allem aus Karten, Schautafeln, Text und in Glasvitrinen ausgelegten Exponaten (wie z.B. Messer, Schmuckstücke, Stoffreste, Haushaltsgefäße).
Wir nahmen das Museum vor allem unter museumsdidaktischen Aspekten unter die Lupe (zur Geschichte Haithabus vgl. Kap. IV), wozu wir einige Kritikpunkte fanden:
Das Museum soll jedoch nicht völlig abgewertet werden. In der Diskussion nach unserem Besuch bemerkten einige StudentInnen, daß unser im Vergleich zum Besuch des Danewerkmuseums schlechter Eindruck des Haithabumuseums auch von der allgemeinen Müdigkeit am Ende des Tages und der Kürze der Zeit für den letzten Besuch beeinträchtigt wurde. Ohne die wirklich gute Führung im Danewerkmuseum wäre dessen Beurteilung bei einfacher Betrachtung der Ausstellung wahrscheinlich auch weniger gut ausgefallen - was jedoch deutlich macht, wie wichtig das Angebot von Führungen für die Steigerung der Attraktivität des Haithabu-Museums wäre. "Zuviele" Informationen kann nach der Meinung einiger auch positiv ausgedrückt "viele" Informationen heißen - es kommt auf das Interesse der BesucherInnen an, wieviel und was sie sich anschauen möchten und wieviel sie schließlich vom Besuch des Museums "mitnehmen".
Einig waren sich alle, daß uns für einen umfassenden Besuch des Haithabu-Museums die Zeit zu knapp war.