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Geschichte der Astrologie

Vor Tausenden von Jahren hatten die Menschen ein Bedürfnis nach einem Kalender, der es ihnen erleichterte, den richtigen Zeitpunkt, bzw. die richtige Jahreszeit für die Aussaat oder die Jagd zu bestimmen. Daß es verschiedene Jahreszeiten gab wußten sie selbstverständlich. Sie stellten im Laufe der Jahrhunderte einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Sonnenstandes, der Zusammensetzung des Abendhimmels und der Jahreszeit fest. Mit Erfindung der Keilschrift vor 3000 Jahren wurden diese Kalender zum ersten Mal niedergeschrieben, oder besser ausgedrückt Sie sind zum erstenmal für uns erhalten geblieben.
Die wichtigsten Fortschritte in der Himmelserforschung machten die Babylonier. Nach babylonischem Glauben entsprachen die sichtbaren Himmelskörper Göttern. Götter konnten nach ihrem Verständnis alles auf der Erde beeinflussen. Sie stellten aber auch fest, daß die Götter sich nach Mustern bewegten, die man sehen und aufzeichnen konnte. Das half ihnen bei der Hoffnung, den Gang des Schicksals verstehen zu können. Sie stellten die bereits von mir erwähnten Zusammenhänge von Sonnenstand und Jahreszeit, sowie zwischen den Mondphasen und dem Regelzyklus der Frau fest und schlossen hieraus, daß auch alles andere von den Sternen bzw. den Göttern bestimmt und beeinflußt wird.
Die Babylonier waren sehr abergläubisch und sahen in einfachen Alltagsereignissen Schicksalszeichen, ähnlich wie es auch heute noch für Menschen ein schlechtes Omen ist, wenn ihnen eine schwarze Katze über den Weg läuft oder wenn sie mit dem linken Fuß zuerst aufstehen. Aber die Babylonier "lasen" auch in den Eingeweiden von geopferten Tieren die Zukunft.
2000 v. Chr. gab es in Babylon Türme, die bis zu 100 Meter hoch waren, die wahrscheinlich dem eingehenden Himmelsstudium dienten. Aber auch andere prähistorische Steinmonumente wie Stonehenge oder die Pyramiden sollen zur Berechnung und zum Studium des Himmels gedient haben.
Im Laufe der Jahre konnten sehr präzise Voraussagen in bezug auf Jahreszeiten, Sonnenstand, Sternbilder oder die Mondphasen gemacht werden, beruhend auf Beobachtungen und Notizen, die über die Jahrhunderte gemacht worden sind. Instrumente wurden hierfür übrigens wenig benutzt und die, die benutzt wurden, wie etwa Sonnenuhren, waren ungenau. Wichtiger war die Menge der Beobachtungen und die Beständigkeit.

Im alten Testament finden sich einige Hinweise auf die Astrologie, hier ein Beispiel aus Jesaia

"Laß jetzt die Astrologen, die Sternschauer, die Monatswahrsager aufstehen und dich vor den Dingen bewahren, die über dich gekommen sind."

Der 360° Tierkreis, wie er noch heute benutzt wird, wurde um 700 v. Chr. von den Babyloniern erfunden. 100 Jahre später wurde der Kreis in zwölf gleich große Abschnitte unterteilt. Jeder dieser Teile wurde nach dem Sternbild benannt, das es am meisten ausfüllt.
Durch die durch Mond und Planeten verursachte Pendelbewegung der Erde (Präzession) haben sich die Sterne und die Sternbilder in den letzten 2700 Jahren um ein Zwölftel verlagert, so daß sich im 360° Tierkreis z.B. das Sternbild Widder befindet, am eigentlichen Himmel hier jedoch das Sternbild Stier zu finden ist.
Das früheste Horoskop, das erhalten ist und das sich auf den Augenblick der Geburt bezieht, datiert aus dem Jahre 410 v. Chr. Es bezieht sich auf den 29.4.410 v. Chr. und besteht aus einer Zusammenstellung von fünf Planeten und dem Mond, sowie einer kurzen Zukunftsdeutung.
Das Wort "Horoskop" stammt aus dem griechischem und bedeutet "Ich beobachte, was aufsteigt". Diese Namensgebung ist aus dem Umstand entstanden, daß die Griechen dem Aszendentzeichen, also dem Sternbild, welches bei der Geburt eines Menschen gerade am Horizont steht, eine besondere Bedeutung beimaßen. Seit dieser Zeit ist für die Erstellung eines Horoskops der Moment der Geburt am wichtigsten.
Manilus von Rom schrieb im Jahre 10 (n.Chr.), zur Zeit als Augustus das römische Reich beherrschte, die die älteste erhaltene astrologische Abhandlung. Sein Werk nannte er ASTRONOMICON. 130 Jahre später folgte eine astrologische Abhandlung mit dem Namen TETRABIBLIOS, geschrieben von Ptolemäus. Es gilt bis heute als das wichtigste Buch der Astrologie, nach seinen Prinzipien wird heute noch verfahren. Beide erwähnten Werke fassen hauptsächlich ältere Schriften zusammen und verfeinern sie. Im Mittelalter war die Astrologie über die ganze Welt verteilt. Mit Erfindung des Fernrohres (1610) geriet die Astrologie jedoch immer mehr in die Kritik der Wissenschaften, so daß dieser Studiengang bereits bis 1666 an allen französischen Universitäten gestrichen wurde. Gleiches geschah wenig später in ganz Europa. Erst 200 Jahre später verhalf hauptsächlich der Theosoph Alan Leo (1860-1917) der Astrologie zu einer Renaissance, indem er sie wiederbelebte und leicht modernisierte. Vor allem in Nordamerika breitete sie sich schnell aus und besonders seit den letzten 30 Jahren finden sich auch in Europa immer mehr Anhänger. Heute glauben 30 % der westlichen Bevölkerung fest an die Vorhersagen der Astrologie, 30 weitere Prozent lesen immerhin noch aufmerksam recht regelmäßig ihr Tageshoroskop in der Zeitung.


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Björn Hoffmann Februar 1997
Gestaltet im Rahmen des Projektes ENGL/EMIR (Prof.W.Hassenpflug/W.D.John)