Entwicklung von Entscheidungshilfen für die nachhaltige Nutzung mariner Aquakultur in Indonesien
Förderer:
BMBF
Ansprechpartner:
Dr. Karl-Jürgen Hesse, Dr. Norbert Ladwig, Daniela Koch, Prof. Dr. Roberto Mayerle
Belastungen der Meeresumwelt durch Emissionen von offenen Fischzuchtfarmen in den Küsten- und Inselregionen Indonesiens sind ein Problem
von großer wirtschaftlicher Tragweite. Die steigende Nachfrage nach Speisefisch vor allem auf dem chinesischen Markt führt in Südostasien zu
einer raschen Intensivierung der marinen Aquakultur, die aufgrund der niedrigen Arbeitslöhne und Umweltstandards zu einem überwiegenden Teil
im 'Low-tec-Verfahren' betrieben wird. Um negativen Auswirkungen auf die Küstenökosysteme zu entgegnen, ist die Entwicklung wissenschaftlich
fundierter Leitlinien im Sinne der Nachhaltigkeit für den zukünftigen Ausbau der indonesischen Fischzucht erforderlich.
Im Rahmen eines interdisziplinären, vom BMBF geförderten Forschungsprojektes wird unter Federführung des FTZ seit Anfang 2004 auf Grundlage
umfassender Felduntersuchungen und Computersimulationen ein geschlossenes System konkreter Entscheidungshilfen und Empfehlungen (englisch:
`Decision Support System´ = DSS) entwickelt, welches im Küstenmanagement für den sozioökonomisch und ökologisch nachhaltigen Aufbau und
Betrieb von offshore Fischfarmen Verwendung finden soll.
Das Vorhaben wird im Rahmen der 'German-Indonesian Cooperation in Marine and Biological Sciences' (Cluster 3: Coastal Ecosystem Health) im
Verbund mit mehreren indonesischen und deutschen Projektpartnern durchgeführt. Auf indonesischer Seite sind dies die Universitäten Bogor auf Java
und Riau auf Sumatra sowie die Firmen PT. Nuansa Ayu Karamba, Farm & Multi Species Hatchery (Jakarta) und Hiang Fishery, Pulau Serai (Kijang).
Deutsche Partner sind das FTZ sowie die Firma Coastal Research and Management (CRM) in Kiel. In Zusammenarbeit mit CORELAB befasst
sich die Arbeitsgruppe mit der Emission von gelösten und partikulären Nährstoffen.
Als Untersuchungsgebiete wurde eine Inselregion nördlich von Jakarta (Pramuka, Seribu Inseln) sowie eine Region des Riau Archipels
(Bintan/Kijang) südöstlich von Singapur ausgewählt (Abb. 1, 2). Zielobjekte sind bestehende Zuchtbetriebe des marktwichtigen 'Grouper' (Barscharten)
und 'Milkfish' (Chanos chanos), die in Zukunft erweitert werden sollen. Das softwaregestützte Endprodukt 'DSS' soll über numerische Modellsimulationen eine
Einschätzung der umweltverträglichen Ausbaufähigkeit gestatten.
Abb. 1: Fischzuchtanlage auf Serai, Riau Archipel
(c) Niederndorfer
Abb. 2: Zuchtkäfige für 'Milkfish' (Chanos chanos) bei Pramuka, Seribu Inseln