Dr. Karl-Jürgen Hesse, Dr. Norbert Ladwig, Prof. Dr. Franciscus Colijn
Aufgrund von internationalen Konventionen und Regelwerken wie der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der Oslo- und Paris-Konventionen (OSPAR)
ist die Eutrophierung des Wattenmeeres im letzten Jahrzehnt zunehmend ins umweltpolitische Interesse gerückt. Der deutsche Teil des Wattenmeeres
ist erheblichen anthropogenen Nährstoffeinträgen ausgesetzt, welche hauptsächlich aus den Flüssen Elbe, Weser, Ems und Rhein stammen.
Darüber hinaus werden große Mengen an partikulärem organischen Material aus der angrenzenden Deutschen Bucht in das Gebiet eingetragen. Das
Wattenmeer wird daher genau wie die innere Deutsche Bucht als Eutrophierungsproblemgebiet betrachtet.
Intensive Anstrengungen zur Reduzierung der Nährstoffbelastung führten zu einem Rückgang der flussbürtigen Phosphoreinträge
um etwa 60% seit 1985, wohingegen die Stickstoffeinträge nur um etwa 40 % sanken. Infolge nahmen auch die Nährstoffkonzentrationen in der offenen
Deutschen Bucht deutlich ab. Ein ähnlicher Effekt konnte im ostfriesischen Wattenmeer beobachtet werden. Um die Effizienz der
Reduktionsmaßnahmen für die Nährstoffsituation im ästuarin beeinflussten Teil des deutschen Wattenmeeres zu überprüfen, wurde
über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren der Verlauf der gelösten anorganischen Nährstoffkonzentrationen und des Chlorophyll-a
im Gebiet untersucht.
Trotz deutlich reduzierter Phosphoreinträge über die Flüsse zeigten die Datenreihen keinen abnehmenden Langzeittrend in den Winterkonzentrationen
der Nährstoffe und der Biomasse des Phytoplanktons. Es wurden vielmehr höhere Phosphatkonzentrationen in den Wintern
der letzten Jahre (Abb. 1) sowie niedrigere Jahresmaxima im N:P-Verhältnis aufgrund höherer Phosphatgehalte im Frühjahr festgestellt.
Lokale Quellen wie z.B. die Freisetzung aus dem Sediment und die Remineralisierung importierten organischen Materials sowie diffuse Einträge aus dem
landwirtschaftlich genutzten Hinterland sind wahrscheinlich die Ursache für diese Entwicklung. Eine umfassende Bewertung der saisonalen Licht- und
Nährstoffverfügbarkeit im Wattenmeerwasser zeigte, dass die Phytoplanktonproduktion im Wattenmeer bei Büsum auf das Jahr bezogen nicht
vom Nährstoffangebot kontrolliert wird, da der limitierende Faktor hierfür die Lichtversorgung ist.
Abb. 1 a, b: Gelöster anorganischer Phosphor (DIP) und Stickstoff (DIN) bei verschiedenen Salzgehalten
an der Terminstation Büsum Mole im Winter (Ladwig et al., 2003).