Die Anzahl der Schwimmkrabben fluktuierte von 1976-1998 und stieg in den letzten 10 Jahren
stark an. Verbreitungsschwerpunkte lagen hauptsächlich entlang der Küste der Deutschen Bucht
mit Schwerpunkten sowohl südöstlich von Helgoland als auch westlich von Amrum. Maximalzahlen
wurden in einer Entfernung von 30-40 km zur Küste gefunden. Von hieraus nahmen die Zahlen sowohl
in Richtung offshore als auch zur Küste hin ab. Bei letzterer wurde die Abnahme von
Schwimmkrabben mit einer Zunahme von Strandkrabben (
Carcinus maenas) begleitet. Ein
ähnliches Muster wurde auch in Bezug zur Wassertiefe gefunden: Maximalzahlen kamen in
20-30 m Tiefe vor gefolgt von einer Abnahme in tieferem als auch in flacherem Wasser.
Es hat sich heraus gestellt, dass Schwimmkrabben nur für an der Oberfläche fressende
Seevögel von Bedeutung sind. Höchste Aufnahmeraten wurden für Heringsmöwen (
Larus fuscus)
gefunden. Für Silber- (
Larus argentatus), Sturm- (
Larus canus) und Lachmöwen (
Larus ridibundus)
nahm die Zahl der beobachteten Schwimmkrabbenaufnahmen auf See in dieser Reihenfolge ab.
Hauptgebiete von Schwimmkrabbenaufnahmen durch Möwen lagen meistens entlang der Küstenlinie
der Inseln. Diese Arbeit konnte einige einheitliche räumliche wie auch zeitliche Muster von
Seevögeln und Schwimmkrabben aufdecken. Räumlich: (1) Die Gebiete mit den meisten
Schwimmkrabbenaufnahmen spiegelten die wichtigsten Verbreitungsgebiete der Schwimmkrabben
wider. Zeitlich: (1) Die Zunahme von Schwimmkrabben in den letzten Jahren war auch anhand
der Nahrung von Heringsmöwen zu erkennen. (2) Der Anteil von Schwimmkrabben in Speiballen
stieg von der Bebrütungs- bis zur Aufzuchtsphase von 67 auf 76 % an. Während dieser Zeit
wurde auch auf See ein Anstieg der Schwimmkrabbenzahlen festgestellt. (3) Schwimmkrabben
zeigten ein deutliches zeitliches Muster der Vertikalwanderung, mit Anwesenheit an der
Oberfläche hauptsächlich in den Morgen- und Abendstunden. Die Aufnahmen durch Seevögel
folgten diesem zeitlichen Muster.
Die Entwicklung der Schwimmkrabbenzahlen wurde in Beziehung zur Entwicklung der Fischerei und
Veränderungen im Klima diskutiert. Es wurde geschlussfolgert, dass Klimaveränderungen und somit
wahrscheinlich die Wassertemperatur einen großen Einfluss auf die Abundanz von Schwimmkrabben
haben dürfte. Des Weiteren wurde diskutiert, dass die Wassertiefe und die Entfernung zur Küste
die entscheidenden Faktoren sind, die die horizontale Verbreitung der Schwimmkrabben in offshore
Richtung limitiert, wobei die Verbreitung in flachere Gebiete durch die Konkurrenz mit
C. maenas kontrolliert werden könnte. Das Muster der vertikalen Wanderung der Schwimmkrabben korrelierte
signifikant mit der Tageszeit. Die konkreten Faktoren, die für dieses Wanderungsverhalten
ausschlaggebend sind, konnten nicht endgültig ermittelt werden. Eine Korrelation mit der
Nahrungssuche erscheint möglich. Von allen Seevogelarten ist die Heringsmöwe der wichtigste
Konsument von Schwimmkrabben. Das küstennahe Muster der Schwimmkrabbenverbreitung und der
Schwimmkrabbenaufnahmen durch Seevögel führte zu dem Schluss, dass Seevögel diese Beute nur
dann aufzunehmen scheinen, wenn sie sehr häufig ist. Eine andere bzw. zusätzliche Erklärung
könnte sein, dass Schwimmkrabben nicht genug Energie enthalten, um längere Nahrungsflüge oder
andauerndes Suchen zu ermöglichen. Die Ergebnisse geben Grund zu der Annahme, dass die
Schwimmkrabbenverbreitung die allgemeine Seevogelverbreitung nicht wesentlich beeinflusst.
Aber es könnte sein, dass sie zumindest das Muster der täglichen Nahrungsflüge der Heringsmöwe
steuert.
Henriette Dries, Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Christian-Albrechts Universität zu Kiel,
Hafentörn 1, 25761 Büsum, email: dries@ftz-west.uni-kiel.de
Zurück zur Seite von
Henriette Dries.