Kiel und seine Geschichte sind untrennbar mit dem Hafen verbunden. Wo sonst sehen Sie turmhohe
Luxusfähren und gigantische Frachter mitten in der Stadt?
Mit der Christian-Albrechts-Universität, dem Institut für Weltwirtschaft, dem Institut für Meereskunde
und dem Forschungszentrum für maritime Geowissenschaften GEOMAR, die 2004 zum Leibniz-Institut
für Meereswissenschaften fusionierten, sowie zahlreichen weiteren Instituten und Forschungseinrichtungen
ist Kiel Wissenschaftszentrum in Schleswig-Holstein. Die Landesbibliothek,
zahlreiche Museen, die Oper, mehrere Theater sowie das Landesfunkhaus des NDR ermöglichen ein
umfangreiches kulturelles Angebot. Und zusätzlich gibt es: die Kunsthalle, Sammlungen, Konzerte,
Szenetreffs, Kleinkunst, Comedy und das Schleswig-Holstein-Musikfestival.
Die Kieler Förde ist eines der schönsten küstennahen Segelreviere der Welt, bei der Ereignisse wie die
Olympischen Spiele, das Finale des Volvo Ocean Race 2002 sowie die weltberühmte Kieler Woche Akzente
setzen.
Eine solche herausragende Bedeutung kommt nicht von ungefähr, sie gibt es schon lange. Die Landeshauptstadt
Kiel, gegründet zwischen 1233 und 1242, gelangte schon früh zu großer Bedeutung in
Schleswig-Holstein. Ausschlaggebend hierfür war der Handel, denn der Kieler Hafen war ein Umschlagplatz
für den Regional- wie auch für den Fernhandel. Gleichzeitig war der "Kieler Umschlag" im
Mittelalter der bedeutendste Finanzplatz Nordeuropas. Kiel wurde schon früh Mitglied der Hanse, ohne
hierbei wesentlich hervorzutreten. Die Stadt lag auf einer nahezu kreisrunden Halbinsel, auf der ein gitterförmiges
Straßennetz angelegt wurde. Von 1721 bis 1773 residierten die Herzöge von Holstein-Gottdorf
in der Stadt. 1728 wurde hier Zar Peter-Ulrich geboren, 1814 an dieser Stelle der Kieler Frieden
ausgehandelt.
Kiel spiegelt die wechselvolle Geschichte Holsteins wider, denn von 1773 bis 1864 war die Stadt Teil des dänischen
Grenzstaates, ab 1866 stand sie unter preußischer Herrschaft. In gesamtstaatlicher Zeit war
Kiel Verkehrsknotenpunkt. Die erste Dampfschifflinie und ab 1844 die erste Eisenbahnlinie gingen von
dieser Stadt aus. Mit der Erhebung zum "Reichskriegshafen" im Jahr 1871 entwickelte sich die Stadt, in
der 1850 das erste U-Boot gebaut wurde, innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer industriellen Großstadt.
1917 wurde sie preußische Provinzhauptstadt. Im November 1918 gaben die Matrosen der im Kieler
Hafen liegenden Kriegsschiffe das Signal zur Novemberrevolution. Allerdings waren der Hafen und die
Werften der Grund, warum Kiel im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstört wurde. Jetzt erwies sich die
enge räumliche Nähe von Hafen und Stadt als Nachteil.
Auch heute gehört der Kieler Hafen zu den wichtigsten Ostseehäfen. Seit 1956 ist Kiel wieder Marinestützpunkt.
Seit 1946 ist Kiel Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein und hat heute gut 230.000 Einwohner.
Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden mit einer modernen Großstadt- und Shopping-
Architektur ausgeglichen, die sich mit dem Flair des internationalen Hafens verbindet.
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Herzog Christian-Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf gründete 1665 die Universität an der Förde. Ausschlaggebend war, daß anders der Bedarf an qualifizierten Beamten und an gut ausgebildeten Priestern
nicht zu decken war. Daß er sich für den Standort Kiel entschied, beruhte auf dem Angebot des
Rates der Stadt, das ehemalige Franziskanerkloster kostenlos zur Verfügung zu stellen. Finanzprobleme
gab es schon zu Gründungszeiten, obwohl der Herzog die einzige höhere Schule des Herzogtums in
Bordesholm mit der Universität verschmolz, um deren Ausgaben decken zu können. Immerhin gestand
er der Universität einen eigenen Rechtsbereich zu, die sogar als Stand auf dem Landtag vertreten war.
Nach vielversprechendem Start fehlte den Herzögen dann bis Mitte des 18. Jahrhunderts das Geld, die
Universität voranzubringen, da die Kriege gegen Dänemark alle Resourcen verbrauchten. Erst unter der
Regierung der russischen Zarin Katharina erwachte die Christiana Albertina zu neuem Leben, denn zukünftige
Beamte in den Herzogtümern wurden verpflichtet, mindestens zwei Jahre in Kiel zu studieren.
Mit der Vereinigung der Herzogtümer im Jahr 1773 begann der entscheidende Aufschwung der Universität.
Viele Bereiche wie die Medizin ebenso wie die Geisteswissenschaften (z.B. mit den Professoren
Dahlmann und Waitz) entwickelten sich zu Wissenschaftszentren für Skandinavien wie für das Reich.
Obwohl Kiel nach der Annexion der Herzogtümer 1866 nur noch eine von vielen preußischen Universitäten
war, nahm die Zahl der Studenten seit den 1870er Jahren erheblich zu. So wurde ein Neubau der
Universität notwendig, der - entworfen durch die Berliner Architekten Gropius und Schmieden - am
Ende des Schloßgartens an der Kieler Förde lag. Zahlreiche weitere Gebäude kamen im Verlauf des 19.
Jahrhunderts hinzu.
In Folge der Umwälzungen in Deutschland im 20. Jahrhundert wandelte sich die Christiana Albertina
von einer kaiserlichen Universität hin zu einer streng nationalsozialistisch ausgerichteten Lehranstalt.
Zu den zahlreichen Nobelpreisträgern der Universität gehören unter anderen Theodor Mommsen (Literatur
1902), Philipp Lenard (Physik 1905), Max Planck (Physik 1918) und Otto Diels (Chemie 1950).
Von den ehemaligen Wirkungsstätten der Gelehrten ist heute nur wenig übrig, denn im Verlauf des
Zweiten Weltkriegs wurden fast alle Universitätsgebäude zerstört; die Universitätsbibliothek verlor den
Großteil ihrer Bestände. 1945 konnten die Engländer überzeugt werden, die Gebäude einer ehemaligen
Waffenfabrik zur Verfügung zu stellen. Das ursprünglich zu dieser Fabrik gehörende Portal am Westring
bildet noch heute das Zentrum des Campus. In unmittelbarer Nachbarschaft wurden in den 60er
Jahren neue Gebäude errichtet: 1965 die Universitätskirche, 1969 das Auditorium Maximum. Mittlerweile erstreckt sich die Universität über ein Areal von mehreren
Quadratkilometern, im Jahr 2001 wurde die ultramoderne neue Universitätsbibliothek eingeweiht.
Die Campusuniversität am westlichen Stadtrand Kiels hat heutzutage neun Fakultäten, in der heute gut
20 000 Studierende eingeschrieben sind. Wie vor über 300 Jahren sieht sich die Christiana Albertina als
Drehscheibe nach Skandinavien und zum Ostseeraum, die mehr denn je wissenschaftliche Marksteine
setzt.
(Dr. Carsten Jahnke, Historisches Seminar, CAU) |