Christian-Albrechts-Universität zu Kiel


Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Theodor Curtius


Der gebürtige Rheinländer leitete von 1889 bis 1897 das Chemische Institut. Am 27. Mai wäre er 150 Jahre alt geworden.


Theodor Curtius wurde 1857 in Duisburg geboren. Er studierte in Leipzig und Heidelberg zunächst Musik und Naturwissenschaften. Später wandte er sich unter dem Einfluss seiner Lehrer Robert Wilhelm Bunsen in Heidelberg und Hermann Kolbe in Leipzig mehr und mehr der Chemie zu. Nach seiner Promotion in Leipzig ging er an die Universität München ins Labor von Adolf von Baeyer. Dort gelang ihm die Entdeckung des Diazoessigesters, des ersten Vertreters einer neuen Klasse von organischen Stickstoffverbindungen, den Diazofettsäuren. »Diese interessante Beobachtung war für die Wissenschaft von folgenschwerer Bedeutung und für den jungen Forscher richtungsweisend für sein ganzes Leben«, schreibt Carl Duisberg anlässlich der Theodor-Curtius-Gedächtnisfeier der Heidelberger Chemischen Gesellschaft im Mai 1930. »Es gibt wohl nur ganz wenige Wissenschaftler auf dem Gebiet der Chemie, von denen man, wie von Curtius, sagen kann, dass ihre sämtlichen Arbeiten in systematischer, logischer Entwicklung aus ihrer ersten Arbeit hervorgegangen sind«, resümiert Duisberg (1861–1935), der ehemalige Leiter der Farbenfabriken Bayer in Leverkusen.

Curtius habilitierte sich 1886 an der Universität Erlangen mit einer Arbeit über die Diazofettsäuren. Kurz darauf (1887/1888) machte er mit einer weiteren Entdeckung auf sich aufmerksam: der Bildung des Hydrazins aus Diazoessigester, das er in Deutschland und den USA zum Patent anmeldete. »Gerade diese Entdeckung, die den Namen Curtius allgemein bekannt gemacht hatte, war der Hauptanstoß für seine Berufung nach Kiel gewesen, wo man nach derartigen Leistungen auf den erst 32-jährigen Forscher große Hoffnungen setzte«, berichtet Otto Diels in seinem Aufsatz über die Geschichte der Chemie in Kiel. Am 23. Dezember 1889 wurde Curtius zum Ordentlichen Professor der Chemie und Direktor des Chemischen Instituts in Kiel ernannt. Schon im folgenden Jahr setzte er seine Erfolgsserie mit der Bildung der Stickstoffwasserstoffsäure aus dem Hydrazin fort.

Die neue Säure war eine Substanz mit ganz besonderen Eigenschaften. »Ihre Zusammensetzung, ihr mit dem der Salzsäure vergleichbarer Charakter und ihre beispiellose Explosivität waren Eigenschaften genug, um ihr und ihrem Entdecker das Interesse der gesamten wissenschaftlichen Welt zu sichern«, so Diels. In der Sprengstofftechnik fand diese Entdeckung auch praktische Anwendung: Im ersten Weltkrieg wurde das Bleisalz der Stickstoffwasserstoffsäure als Initialzünder eingeführt. In seine Kieler Zeit fällt auch die Veröffentlichung des nach ihm benannten Abbauweges von Carbonsäureaziden – die sogenannte Curtius-Umlagerung.

1897 verließ Curtius die Kieler Universität, nachdem er bereits 1892 einen Ruf nach Würzburg und 1895 einen nach Tübingen abgelehnt hatte, um die Nachfolge des bekannten Chemikers August Kekulé an der Universität Bonn anzutreten. Schon im April des nächsten Jahres leistete er einem Ruf nach Heidelberg Folge. Dort wirkte er 28 Jahre als Direktor des Chemischen Instituts. Mit Ende des Wintersemesters 1925/26 trat er von dem Lehramt und der Leitung des Instituts zurück. Seinen Ruhestand konnte er aber nur kurze Zeit genießen. Am 8. Februar 1928 starb Curtius in Heidelberg.

Bei so viel wissenschaftlichem Erfolg fehlten auch die Ehrungen nicht: 1895 wurde er zum preußischen Geheimen Regierungsrat ernannt, mit der Berufung auf den Lehrstuhl in Heidelberg erhielt er zugleich Titel und Rang eines badischen Geheimrats II. Klasse. Die Universität Erlangen, von der seine ersten großen Entdeckungen ausgingen, verlieh ihm 1908 die Würde eines Doktors der Medizin ehrenhalber, und die Technische Hochschule in Karlsruhe ernannte ihn anlässlich seines 70. Geburtstages zum Dr. Ing. E. h. Der Junggeselle Curtius war kein Gelehrter, der nur seine Wissenschaft kannte. So schreibt Duisberg: »Immer war er derselbe, heitere, feinsinnige und warmherzige Genosse, der nicht von seinen Fachinteressen ganz in Anspruch genommen war, sondern sein ganzes Leben hindurch ein begeisterter Verehrer der Kunst und ein warmer Freund der schönen Natur blieb. Er war ein tüchtiger Klavierspieler und guter Komponist, ein trefflicher Sänger mit wohlklingender Baritonstimme, der in jüngeren Jahren mehrfach in Konzerten auftrat (...) Seine Vorliebe für den Alpensport, seine Begeisterung für die schöne Bergwelt (...) sind allgemein bekannt.«

Kerstin Nees



Curtius und die Berge

Theodor Curtius war in jungen Jahren ein begeisterter Bergsteiger, er musste den Sport allerdings wegen einer schweren Krankheit 1892 beenden. Während seiner Münchner Zeit lernte er den Bergführer Christian Klucker kennen, mit dem er viele gemeinsame Bergtouren unternahm, auch Erstbesteigungen. Zur Erholung in den Ferien besuchte er meist die Schweizer Berge. Besonders angetan hatte es ihm die Bergwelt des Ober-Engadins. Mit seinem Bruder Friedrich ließ er 1891 die Forno-Hütte am Forno-Gletscher als Stützpunkt zur Aufklärung der damals noch wenig bekannten Bergeller Alpen bauen. Später kaufte er sich ein kleines Anwesen in Sils-Maria im Engadin, wo er regelmäßig seine Herbstferien verbrachte. 1894 gründete Curtius die Kieler Sektion des Alpenvereins dessen 1. Vorsitzender er bis Ende 1896 war.

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