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Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Friedrich Christoph Dahlmann


Der Mitverfasser der Paulskirchen-Verfassung war von 1812 bis 1829 außerordentlicher Professor für Geschichte an der Kieler Universität.


Für Professor Thomas Riis vom Historischen Seminar liegt das herausragende Wirken von Friedrich Christoph Dahlmann vor allem in seiner politischen Tätigkeit, für die er Inspiration in der Geschichte suchte. »Dahlmann war einer der frühen Nationalisten und stritt für die Eigenstaatlichkeit Schleswig-Holsteins innerhalb Deutschlands. Das ist wohl heute eine seiner wichtigsten Taten«, so Riis. Sein wissenschaftliches Erbe ist die »Quellenkunde der deutschen Geschichte«. Die erste Ausgabe seiner Bibliographie der Quellen und Literatur zur deutschen Geschichte erschien erstmals 1830 in Göttingen. In immer neuen Bearbeitungen wurde sie zu einem Standardwerk der Geschichtsforschung und existiert heute in zwölf Bänden. Georg Waitz (1813 – 1886), ebenfalls ein Kieler Geschichtsprofessor, setzte die Arbeiten an dem Werk, das heute als Dahlmann-Waitz bekannt ist, fort.

Friedrich Christoph Dahlmann wurde am 13. Mai 1785 im damals schwedischen Wismar geboren. Er studierte Philologie in Kopenhagen, Halle und Wittenberg, wo er 1810 promovierte. Im folgenden Jahr habilitierte sich Dahlmann in Kopenhagen mit einer Arbeit über das antike Drama. 1812 erhielt er den Auftrag, an der Universität Kiel geschichtliche Vorlesungen zu halten, 1813 wurde er als außerordentlicher Professor für Geschichte angestellt, obwohl er vom Fach Altphilologe war. Seine philologische Methode erlaubte ihm, Neocorus' Chronik des Landes Dithmarschen (I – II, 1827), herauszugeben. Seit 1815 war Dahlmann Sekretär der schleswig-holsteinischen Ritterschaft und trat mit Eifer und Entschiedenheit für deren Rechte ein. Er war noch außerordentlicher Professor, als er 1829 einen Ruf nach Göttingen als Professor der Staatswissenschaften und der deutschen Geschichte annahm.

Dort erwarb Dahlmann wissenschaftlichen Ruhm mit seiner »Quellenkunde der deutschen Geschichte«. Auch politisch war er weiterhin aktiv. Er wirkte bei der Abfassung des hannoverschen Verfassungsentwurfs mit und wurde für die Universität in die Volksvertretung des Königreichs Hannover gewählt.

Weithin bekannt wurde er durch den Protest gegen den hannoverschen König. Als Ernst August II von Hannover 1837 den Thron bestieg und die Verfassung außer Kraft setzte, protestierte Dahlmann an der Spitze von sechs weiteren Göttinger Professoren, unter ihnen die Brüder Grimm. Sie gingen als »Göttinger Sieben« in die Geschichte ein. Des Landes verwiesen ging Dahlmann nach Jena, wo er seine »Geschichte von Dänemark« (bis 1523) schrieb.

1842 wurde der Historiker als Professor für deutsche Geschichte und Staatswissenschaft an die Universität Bonn berufen. Er galt weithin als politische Autorität, und auch die Regierung holte in wichtigen Universitätsan-gelegenheiten seinen Rat ein. Unter den Vorlesungen, die er in Bonn hielt, ragten besonders die über die englische und französische Revolution durch ihre politische Bedeutung hervor; sie wurden 1844 und 1845 erstmals gedruckt, fanden reißenden Absatz und prägten das politische Urteil der gebildeten Bürger in Deutschland.

Eine sehr wichtige und einflussreiche Rolle spielte Dahlmann in der nationalen Bewegung des Jahres 1848. Er nahm an den Beratungen zur deutschen Verfassung teil und wurde als preußischer Vertrauensmann in die Frankfurter Nationalversammlung geschickt. Der maßgeblich von ihm erarbeitete Verfassungsentwurf fand jedoch weder beim König noch bei der Mehrheit des Parlaments Zustimmung. Nach dem Ende des Paulskirchen-Parlaments blieb er zunächst politisch aktiv, zog sich aber 1850 resigniert aus der Politik zurück.

Dahlmann starb am 5. Dezember 1860 in Bonn.

Kerstin Nees



Die Göttinger Sieben


1837 wandten sich die sieben Professoren Wilhelm Eduard Albrecht, Friedrich Christoph Dahlmann, Georg Heinrich August Ewald, Georg Gottfried Gervinus, die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm und Wilhelm Weber gegen den hannoverschen König Ernst August II und beschuldigten ihn wegen der Aufhebung der Verfassung von 1833 des Verfassungsbruchs. Die führende Persönlichkeit dabei war Dahlmann. Die Professoren wurden vom König ihrer Ämter enthoben und einige von ihnen des Landes verwiesen. Ihnen wurde vorgeworfen, das Protestschreiben, die so genannte Protestation nicht nur unterschrieben, sondern auch verbreitet zu haben. Ihr Wortlaut kursierte in Deutschland in Tausenden von Exemplaren. Dies war der Verdienst von Göttinger Studenten, die Freunde, Verwandte und Zeitungsredakteure mit dem Text der Protestation versorgten.

Der Schritt der Göttinger Sieben wurde in ganz Deutschland beachtet und war ein Zeichen dafür, dass die liberale Bewegung in weiten Teilen Deutschlands wieder lebendig wurde. Die sieben Professoren waren so etwas wie Superstars, ihre Konterfeis schmückten Pfeifenköpfe und Kinderspielzeug. Überall in den deutschen Städten schlossen sich Bürger zu »Göttinger Vereinen« zusammen und machten es zu ihrer Aufgabe, den Sieben bis zu ihrer Wiederanstellung durch Geldspenden ihr Gehalt zu sichern. Das hatte es zuvor noch nicht gegeben.

Zum Weiterlesen


Dahlmann-Waitz: Quellenkunde der deutschen Geschichte. Bibliographie der Quellen und der Literatur zur deutschen Geschichte, 10. Auflage 1965 ff.

Die 10. Auflage des Nachschlagewerkes berücksichtigt zeitlich die deutsche Geschichte von deren Anfängen bis 1945. Die Ausgabe beruht auf einer systematischen Neuerfassung und kritisch auswählenden Auswertung aller Veröffentlichungen zur deutschen Geschichte bis zum Bearbeitungsschluss, wenige Jahre vor Erscheinen des jeweiligen Bandes.

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