Christian-Albrechts-Universität zu Kiel


Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Victor Hensen


Der Physiologe, Mediziner und Meeresbiologe war ein Pionier in den zu seiner Zeit noch jungen Naturwissenschaften. Er führte den Begriff "Plankton" ein.


Sie ist knapp 40 Meter lang, sieht durch den weiß-roten Anstrich eher aus wie ein Rettungsschiff und schippert heute unter der Flagge Maltas irgendwo durch die flachen Küstengewässer Europas: Die "Victor Hensen" ist inzwischen ein ausgemuster­tes Forschungsschiff, das aber den Namen eines berühmten Meeresforschers trägt. »An Bord dieses Schiffes kam ich zum ersten Mal mit dem Namen Victor Hensen in Berührung«, erzählt Professor Ulf Riebesell vom Leibniz- Institut für Meereswissen­schaften (IFM-GEOMAR) von seinen ersten Forschungsfahrten Anfang der achtziger Jahre. Die Expeditionen auf dem Schiff brachten ihn dazu, sich auch mit der Person Victor Hensens zu befassen.

Christian Andreas Victor Hensen wurde am 10. Februar 1835 in Schleswig geboren. Er studierte Medizin in Würzburg, Berlin und Kiel – Medizin unter anderem bei Rudolf Virchow (1821–1902), dem bedeutendsten Vertreter in den Anfängen der modernen Schulmedizin. Nach seiner Promotion 1859 lehrte er zunächst als Prosektor und von 1864 bis 1911 als Professor für Physiologie an der Universität Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte waren zunächst die Anatomie und Physiologie der Sinnesorgane. In späteren Jahren galt sein Hauptinteresse verstärkt der Meeresbiologie. Er leitete mehrere Forschungsexpeditionen im Atlantik. Dabei faszinierte ihn die riesige Masse der frei im Wasser schwebenden Kleinstlebewesen.

Dass Plankton die Basis allen Lebens im Meer ist, wusste zu Hensens Zeiten noch niemand. »Victor Hensen war der erste, der das Meer als eine Produktionsstätte angesehen hat. Auf einer von der Humboldt-Stiftung (damals Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften) unterstützten Plankton-Expedition von 1889 erkannte er: Das Meer produziert auch etwas«, sagt der Kieler Zoologe Professor Thomas Bosch.« Die Entdeckung, wie wichtig das Plankton ist, sei zu dieser Zeit so bahnbrechend für das Verständnis der Biologie des Meeres gewesen wie heute etwa die Entzifferung des menschlichen Genoms für das Verständnis der Biologie des Menschen. Noch heute profitiere zum Beispiel der Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" in Projekten zu Ressourcen aus dem Meer von den Erkenntnissen Hensens, so Bosch.

Victor Hensens meeresbiologische Arbeiten waren die Grundlage für den später in Kiel eingerichteten Lehrstuhl für Planktologie, den es bis in die vierziger Jahre des 20. Jahr hunderts gab. Auch wenn die heutige Ausrichtung der Forschungsabteilung weiter gefasst ist, basiert auch die aktuelle Forschung auf Hensens Methoden der quantitativen Planktologie. »Er versuchte zu ergründen, wo es mehr und wo es weniger Plankton gibt und was die Faktoren sind, die dies bestimmen«, erläutert der heutige Lehrstuhlinhaber Riebesell.

Hensen betätigte sich auch als Chemiker und erfand eine Methode zur Darstellung von chemisch reinem Glykogen aus Tiergewebe. Diese Substanz – eine Zuckerverbindung – ist ein heute in der Medikamentenherstellung vielfach eingesetzter Grundstoff. Bis zu seinem Lebensende war er Vorsitzender der Preußischen Meereskommission. Victor Hensen starb am 5. April 1924 in Kiel.

Michael Wieczorek





Faible für Regenwürmer

Im Garten seines Kieler Instituts studierte Victor Hensen die Biologie der Regenwürmer und war damit faktisch auch ein Zoologe. Er fand heraus, dass Regenwürmer den Boden bis weit über einen Meter Tiefe durchbohren und dass die von ihnen hinterlassenen Kanäle den Pflanzenwurzeln als Leitbahnen dienen. Mit seinen nicht unumstrittenen Veröffentlichungen über die Nützlichkeit der Regenwürmer erwarb er sich in Kreisen des Landbaus hohe Anerkennung. Sogar Charles Darwin zitierte Hensen in seiner letzten Publikation "Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer".

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