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Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Eilhard Alfred Mitscherlich


Noch heute verwenden Forscher weltweit die "Mitscherlich-Gefäße", um die Nährstoffaufnahme von Pflanzen zu untersuchen. Die Karriere des Agrarwissenschaftlers begann an der Kieler Universität.


Vermutlich konnte er gar nicht anders, als eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen: Der Pflanzenbauwissenschaftler und Bodenkundler Eilhard Alfred Mitscherlich, der 1874 in Berlin geboren wurde, wuchs als Spross einer bekannten Gelehrtenfamilie teils in Berlin, teils auf den Gutsbetrieben in der Kurmark und in Niederschlesien auf, die seinem Großvater mütterlicherseits gehörten. Sein anderer Großvater war Professor für Chemie und Mineralogie, der Vater Professor für Chirurgie. Mitscherlich selbst machte sich später weltweit einen Namen, weil er das Wissen um Wachstum und Ertrag von Kulturpflanzen stark erweitert hat.

Doch zunächst begann Mitscherlich 1895 ein Studium der Physik in Kiel. Nach nur einem Semester wechselte er das Fach. Er hatte seine eigentliche Berufung gefunden: die Landwirtschaft. 1898 promovierte er über "Beurteilung der physikalischen Eigenschaften des Ackerbodens mit Hilfe seiner Benetzungswärme". Später arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent bei Hermann Rodewald, dem damaligen Leiter des Landwirtschaftlichen Instituts der Kieler Universität, das damals noch am Niemannsweg angesiedelt war. 1901 habilitierte Mitscherlich sich und erhielt für seine "Untersuchungen über die physikalischen Bodeneigenschaften" von der Bayerischen Akademie den Liebig-Preis. Bis 1906 blieb er als Privatdozent am Landwirtschaftlichen Institut, 1906 wechselte er als ordentlicher Professor an die Universität Königsberg.

Eine von Mitscherlichs wichtigsten, bereits in Kiel erbrachten Leistungen hält Professor Hans-Peter Blume von der Agrarwissenschaftlichen Fakultät in der Hand. Es ist das Lehrbuch "Bodenkunde für Land- und Forstwirte". Jahrzehntelang wurde es zum Studium verwendet. Auf einer der ersten Seiten des Buches prangt die Widmung an Mitscherlichs »verehrten Lehrer Hermann Rodewald«. Als diese Auflage erschien, war Mitscherlich selbst zwar schon längst in Königberg, »fühlte sich aber offenbar noch seiner alten Universität und dem Professor verbunden«, sagt Blume.

Mitscherlich war einer der ersten Forscher, die die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Bodens als besonders entscheidend für das Wachstum von Kulturpflanzen erkannten. In Gefäßversuchen studierte er die Ernährung dieser Pflanzen und brachte seine dabei gewonnenen Erkenntnisse zur Ertragssteigerung 1909 in eine mathematische Formel, das "Wirkungsgesetz der Wachstumsfaktoren". Das wurde in aller Welt interessiert aufgenommen und Grundlage für neue Fragestellungen und Forschungen.

In der 1924 begründeten Internationalen Bodenkundlichen Gesellschaft war Mitscherlich von Anfang an dabei, viele Jahre als Vorsitzender der "Kommission für Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung", später als Ehrenmitglied.Und 1946 war er bereits so renommiert, dass die Sowjetbesatzung ihn »überspitzt formuliert: im Salonwagen nach Berlin brachte«, berichtet Blume. Dort, in der ehemaligen DDR, wurde Mitscherlich Ordinarius für Kulturtechnik an der Landwirtschaftlich- Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Vier Jahre später nahm er seine Arbeit als Direktor des Instituts zur Steigerung der Pflanzenerträge der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin auf, der er sich bis zu seinem Tod 1956 widmete. Mitscherlich wurde für seine Leistungen hoch geehrt, mehrere Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, unter anderem auch die CAU. Seit 1964 vergibt die Gießener Universität einen nach ihm benannten Preis an Agrarwissenschaftler.

Jana E. Seidel



Töpfe mit doppeltem Boden


Foto von Mitscherlich-Gefäßen

Foto: pur.pur © Uni Kiel

Eilhard Alfred Mitscherlich erfand spezielle Pflanzgefäße für Düngeversuche. Die so genannten "Mitscherlich-Gefäße" haben einen doppelten Boden, in den die überschüssige Nährlösung fließt. Dadurch lässt sich die den Pflanzen zugeführte Nährstoffmenge genau bemessen. »In den Gefäßen werden bis zu zehn Kilo Boden in vorgegebener Weise gedüngt, um dann feststellen zu können, wie viel Nährstoffe beispielsweise Weizen oder Kartoffeln davon aufnehmen«, erklärt Professor Hans-Peter Blume vom Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde.

Ertragsgesetze


Das 1909 erstmalig erschienene "Wirkungsgesetz der Wachstumsfaktoren" ist wohl Mitscherlichs bedeutendster Beitrag zur Forschung. Vor ihm waren Carl Sprengel und Justus von Liebig in ihrem "Minimumgesetz" davon ausgegangen, dass von allen Nährstoffen derjenige das Wachstum einer Pflanze maßgeblich bestimmt, der in der geringsten Menge vorhanden ist. Mitscherlich hingegen wies nach, dass die Ertragshöhe von jedem einzelnen dieser Nährstoffe abhängig ist und durch eine Intensivierung jedes einzelnen gesteigert werden kann.

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