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Wie Genomanalysen die individuelle
Krebstherapie der Zukunft gestalten

Lymphome sind maligne Tumoren, die sich von Zellen des Immunsystems ableiten.
Die Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet aufgrund morphologischer, klinischer und zunehmend auch genetischer Aspekte mehr als 40 Subgruppen. Unter den jährlich mehr als 13.000 Neuerkrankungen in Deutschland sind die Burkitt-Lymphome und -Leukämien sowie die diffusen großzelligen B-Zell-Lymphome (DLBCL) im Kindesalter am häufigsten, im Erwachsenenalter die DLBCL und die follikulären Lymphome.

Im Fokus des ICGC MMML-Seq-Projektes stehen Sequenz-Analyse und Katalogisierung genetischer und epigenetischer Veränderungen dieser drei Gruppen von Keimzentrums-B-Zell-Lymphomen, die bei Kindern über 80% und bei Erwachsenen über 50% aller B-Zell-Lymphome ausmachen. Ziel des Verbundes sind neue Ansatzpunkte für das molekulare Verständnis sowie für Klassifikation, Risikoabschätzung und gezielte Therapie dieser Tumoren.

Im Kontext des internationalen ICGC Verbundes setzt das ICGC MMML Seq-Projekt die deutsche Tradition der Erforschung der molekularen Mecha-
nismen der Lymphomentstehung fort, die 1974 von Prof. Lennert mit der "Kiel-Klassifikation der Lymphome" begründet wurde. Mit dem technologi-
schen Fortschritt gab es neue Einblicke in die Biologie der Keimzentrums-B-Zelllymphome, an denen deutsche Wissenschaftler z.B. im Rahmen des zwischen 2003 und 2011 von der Deutschen Krebshilfe geförderten Verbundprojektes "Molekulare Mechanismen der malignen Lymphome" (MMML) beteiligt waren.

In Zusammenarbeit mit klinischen Studiengruppen (DSHNHL, NHL-BFM) gelang dem MMML z.B. die molekulare Definition von bekannten und neuen Lymphom-Subtypen (Burkitt-Lymphom, „Intemedi-
ate“ Lymphom, IRF4-Translokation positives Keim-
zentrums-Lymphom des Kindes- und jungen Erwachsenenalters), die Identifizierung von prog-
nostischen Markern (MYC-Gen-Translokationen als bei DLBCL) oder die erste genomweite Analyse der DNA-Methylierungsmuster bei aggressiven B-Zell-Lymphomen. 

Mit Förderung des BMBF werden im ICGC MMML-Seq-Projekt die etablierten Strukturen des MMML in Klinik, Referenzpathologie, Genexpres-
sion/Genetik und Bioinformatik ergänzt durch die genomweite Sequenzanalyse auf DNA, RNA und Epigenomebene.

In den kommenden 5 Jahren werden 250 Keimzen-
trums-B-Zell Lymphome und korrespondierendes Keimbahnmaterial mittels standardisierter Sequen-
zierung nach Vorgabe des ICGC analysiert. Zusätzlich werden B-Zellpopulationen gesunder Spender analysiert, um die normalen Veränderung-
en, die bei der B-Zellreifung im Keimzentrum entstehen zu charakterisieren. Die Analyse schließt Genom (DNA-Ebene), Transkriptom (RNA-Ebene), small RNAome (RNA-Ebene) und DNA-Methylierung ein. Neben der Datenspeicherung erfolgt eine statistische Analyse mit Hinblick auf die Lymphom-
entstehung.

 

 

 

 

Funding
ICGC-Verbund international
Copyright © 2011 Institut für Humangenetik