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Beginn der medizin-klimatologischen Forschung auf Sylt

1931 nahm an der Universität Kiel eine Wissenschaftlergruppe unter der Leitung des Medizinprofessors Schittenhelm die Arbeit auf mit dem Ziel, in den schleswig-holsteinischen Kurorten Meß- und Forschungsstellen zu errichten. Man wollte die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimas auf den Menschen, die bisher hauptsächlich auf Erfahrung basierten, quantitativ erfassen und interpretieren. Dabei war es eine wichtige Aufgabe, die ideologisch gefärbten Meinungen über die mythologischen Allheilkräfte der Natur von den nachweislichen Therapieerfolgen zu unterscheiden und mit wissenschaftlich fundierten Daten zu untermauern.

1936 konnte die Forschungsstation Westerland in Betrieb genommen werden, ab 1939 unter der Leitung vom späteren Professor H. Pfleiderer. Der zweite Weltkrieg unterbrach die Arbeit, erst Ende der 1950er Jahre stellten die Stadt Westerland durch Überlassung von Gebäuden und Gelände sowie die Kieler Universität durch Einrichtung neuer Stellen die Fortführung des „Instituts für Bio-Klimatologie“ sicher (Hundhausen 1996).

Die Keimzelle der Meßstelle des Umweltbundesamtes

Es war Prof. U. Jessel, der sich schon sehr früh der Messung der umwelt-relevanten Eigenschaften von Luft und Wasser widmete. Hinweise auf den sauren Regen (Jessel 1964) und den relativ hohen Wert des bodennahen Ozons auch bei Seewind (Jessel 1964) sind wichtige Ergebnisse aus dieser Zeit. Ihm gelang es dann 1965, die Deutsche Forschungsgemeinschaft davon zu überzeugen, ihre geplante „Aerosol-Meßstelle“ dem Westerländer Universitätsinstitut anzugliedern. Die fachliche Kompetenz der Forschungseinrichtung wurde durch die Kooperation von Medizinern und Naturwissenschaftlern wesentlich erweitert.

1974 hat das neu gegründete Umweltbundesamt die Aktivitäten des DFG-Projektes übernommen und betreibt bis heute diese einzige deutsche Luftmeßstation, in der die von regionalen Quellen unbelastete Nordatlantikluft analysiert werden kann. Da die nationalen Schadstoffemissionsbilanzen die Grundlage für globale Klima- abkommen bilden, ist die Bedeutung der Westerländer Meßstelle deutlich gewachsen. Durch die Erstellung eines neuen Gebäudes im Jahre 1999 trug das Umweltbundesamt dem Rechnung.

Als durch Impfung und Antibiotika die Tuberkuloseerkrankungen zurückgegangen waren und auch die Welle der Kuraufenthalte unterernährter Kinder in den 1950er Jahren abebbte, kamen im Zuge des Wirtschaftswunders die Urlauber nach Sylt. Die Faszination der See und des Strandes, das typische „Inselgefühl“ und besonders das Sonnenbaden spielten für die Besucher sicher lange Zeit die Hauptrolle, medizin-klimatologische Überlegungen traten in den Hintergrund.

Neuausrichtung der Forschungstätigkeit

1970 trat Prof. E. Witzleb die Nachfolge von Prof. H. Pfleiderer an. Er stellte eine Arbeitsgruppe aus Medizinern, Chemikern, Meteorologen und Physikern zusammen, um die Klimafaktoren dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechend zu untersuchen und Modellrechnungen für deren Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen zu beginnen (Theves 1979, Theves und Hundhausen, 1982).

Die Professoren Jessel und Witzleb waren davon überzeugt, daß eine seriöse, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Bäderheilkunde, speziell in der Rehabilitation und Prophylaxe, ihre Bedeutung wiedererlangen würde. Um solche Überlegungen zu unterstützen, gründeten im Jahre 1976 Mitglieder der medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel den gemeinnützigen Verein „Forschungsstation Medizinische Klimatologie Westerland“. Das Hauptziel des Vereins ist es, die wissenschaftliche Arbeit der Sylter Sektion des „Instituts für Medizinische Klimatologie“ (neuer Institutsname seit 1997) durch Bereitstellung von Arbeitsplätzen und Geräten zu fördern. Außerdem werden finanzielle Beihilfen für die Veranstaltung von Kolloquien und Exkursionen gewährt sowie Vorträge und Veröffentlichungen, auch populärwissenschaftliche, unterstützt.

Aktuelle Themen: Ultraviolett-Strahlung und bodennahes Ozon

Im Jahre 1997 erfolgte die Berufung von Prof. C. Stick zum leitenden Direktor des Instituts. Mit ortsansässigen Kliniken wurden, zum Teil in Kooperation mit der Industrie, die Arbeitsgebiete „Klimaeinfluß auf die körperliche Konstitution“ und „Wirkung des Sonnenbadens am Strand“ weiterverfolgt.

Neu hinzu kam die Messung der Intensität der ultravioletten Sonnenstrahlung mit einem modernen Spektralradiometer (Stick et al., 1997). Die Online-Auswertung der Strahlungsmessungen und, zusammen mit Empfehlungen für die Dauer des Sonnenbadens, ihre zeitnahe Übertragung auf Fernsehmonitore ins Syltness Center und in die Asklepios Nordseeklinik werden von Urlaubern und Patienten stark beachtet.

E. Hundhausen