DVD Home, Nr. 5 / 2000

The Abyss: Special Edition

Entstehung eines Prunkstückes fürs Heimkino

Das Unterwasser-Spektakel "The Abyss" hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Jetzt ist gerade eine Super-DVD in der Mache!


Ursprünglich war "The Abyss" als eine der ersten DVD-Veröffentlichungen von 20th Century Fox Home Entertainment geplant. Aber als das Studio 1998 auf den DVD-Markt ging, verschwand der Film von den Release-Listen und tauchte erst vor kurzem wieder auf. Der Grund dafür: Das Studio hatte beschlossen, eine sorgfältig ausgearbeitete Special Edition daraus zu machen, eine Edition, die dem ehrgeizigen Filmprojekt gerecht werden sollte.
Monatelang brütete man bei Fox über dieser Special Edition von "The Abyss", aber das Projekt war nie eines der eiligeren. Schließlich trat jemand auf den Plan, der das Projekt endlich fest in die Hand nahm und Ideen dafür entwickelte. Dieser Mann war Van Ling, seit langem ein DVD-Liebhaber, Produzent von Fox' hoch angesehener Laserdisc-Special-Edition von "The Abyss" und - weit wichtiger- auch ein langjähriger Mitarbeiter  von James Cameron. Er hat bei vielen seiner Filme mitgewirkt, darunter auch "The Abyss" selbst.
Ling wurde von Fox beauftragt und begann im späten Juli als Berater für das Projekt zu arbeiten. Ling schlug vor, eine "Multi-Story-Präsentation" des Films zu machen, da zwei sehr verschiedene Versionen von "The Abyss" existierten. Die eine war die auf 14o Minuten geschnittene Kinoversion des Films. 1992, drei Jahre nach dem Kinostart, beschloss James Cameron, einen Director's Cut des Films herzustellen, der seinen Vorstellungen näher kam als die etwas atemlose Kinofassung. Mit 28 Minuten mehr Material hat die neue Fassung spürbar mehr Wucht und eine dichtere Handlung und ist daher für die meisten Fans die bevorzugte Version. Van wollte nun die Branching (Verzweigungs-)Fähigkeit der DVD ausnutzen, also die Möglichkeit, mehrere Versionen bestimmter Sequenzen parallel auf die Scheibe zu bringen. So können die Zuschauer wählen, welche Version sie sich anschauen wollen, und zwar völlig nahtlos. Diese Idee fand großen Anklang bei den Leuten von Fox. Es gab schon ein paar andere US-DVDs, bei denen das nahtlose Branching verwendet wurde, wie zum Beispiel "Kalifornia", "Crash" und die "Star Gate Special Edition" von Artisan, bei der Van ebenfalls als Berater mitgewirkt hat. Sein Kommentar: "Star Gate war der Trainingslauf für das, was wir hier machen - und für das nächste Projekt,'Terminator 2', wo wir die Special Edition auch in dieser Form umsetzen wollen. Aber vom technischen Stand punkt her gesehen ist "The Abyss" eine echte Herausforderung, weil wir in der Spezialversion 30 Minuten mehr unterbringen müssen."

"Die Eigenschaften der DVD machen es erforderlich, dass man zwei verschiedene Filmspuren wie einen Reißverschluss ineinander verschränkt, um schnell von einer zur anderen springen zu können, und deshalb muss jeder DVD-Spieler auf dem Markt das auch abspielen können. Im Grunde genommen passiert hier das gleiche wie bei Multi-Angle-Präsentationen, Filmsequenzen mit mehreren Kameraperspektiven:

"Der Hauptunterschied ist, dass bei mehreren Blickwinkeln die einzelnen Filmspuren alle gleich lang sein müssen, während bei 'The Abyss' die beiden Spuren natürlich völlig unterschiedlich lang sind. Sie müssen dementsprechend völlig verschieden vorbereitet und angeordnet werden (das ist das so genannte Authoring'). Auch wenn das eigentlich zu den DVD-Grundeigenschaften gehört, ist es trotzdem schwierig, diese Anordnung so vorzunehmen, dass alle Playerkonfigurationen sic korrekt abspielen können", erklärte Ling.


Als er schließlich tatsächlich Produzent der DVD war und nicht "nur" Berater, hatte Van ein weiteres großes Hindernis zu überwinden. Ärgerlicherweise sah der Telecine-Transfer der Kinoversion von 1989 bei weitem nicht so gut aus wie der Transfer der Special Edition, die ja erst Jahre später hergestellt worden war. In dieser Zeit hatte sich die Oualität der Telecine-Technologic so dramatisch verbessert, dass das Branching von einer Version auf die andere deutlich sichtbar gewesen wäre. Der Unterschied war so stark, dass er vom eigentlichen Film abgelenkt hätte.


Während der Authoring-Phase wurden bei DVCC, dem Digital Video Compression Center in Universal City, alle Elemente, die Van vorbereitet hatte, codiert, sodass sie für die DVD verwendet werden konnten. Jedes Bit Video- und Audio-Information und jeder einzelne Frame musste so komprimiert und codiert werden, dass DVD-Player die Information korrekt wiedergeben können. Eine gewaltige Aufgabe: In dem Film müssen mehr als 20  Verzweigungspunkte berücksichtigt werden und die Special-Edition-Zusatzmaterial-Scheibe besteht aus über 4.000 Frames mit Bildern und Texten.
Damit alle Zuschauer zwischen der Kinoversion und der 168 Minuten langen Special Edition des Films wählen können, verbrachten Van Ling und seine Video-Cutterin Lauryl Duplechan endlose Stunden damit, jeden einzelnen Unterschied zwischen den Versionen aufzuspüren. Sie fassten all diese Unterschiede in einem Schaubild zusammen, damit die Leute in der Authoring-Abteilung die korrekten Branching-Punkte für die DVD daraus ableiten konnten. "Wir bastelten für DVCC eine Art Führer, damit sie wussten, wo die Bruchstellen sind. Wir definierten, wo eine Verzweigungsstelle ist, von der aus sie zwischen den beiden Versionen branchen konnten. Wir versuchten herauszufinden, wo die Unterschiede zwischen den Versionen liegen und wie das beim Authoring untergebracht werden kann. Am Ende berechnete die Authoring-Software, wo genau die Verzweigungen liegen, weil die letzte Entscheidung davon abhängt, wie das Material komprimiert ist: Wenn die Kompressionsrate hoch ist, kann der Verzweigungspunkt ein anderer sein als bei einem weniger stark komprimierten Abschnitt."


Die Liste, die zusammengetragen wurde, enthielt ursprünglich 32 Verzweigungspunkte, die dann aber auf 20 reduziert wurden, um die Player nicht zu überfordern. Anstatt mehrere kleine Verzweigungen einzufügen, machte man daraus lieber eine längere Branching-Strecke. Dadurch ist das Authoring weniger komplex und Player- und Authoring-Fehler werden weniger wahrscheinlich.

Damit die maximale Oualität für die DVD sicher gestellt ist, wurde der gesamte Transfer des Films von THX abgenommen. Ling erzählte einige interessante Dinge über den Film: "lm Kino mussten wir die Laufzeit kurz halten - deswegen läuft der Abspann sehr schnell, insgesamt nur vier Minuten. Für den Lauftext hatten wir nur zwei Minuten, und wir mussten mehrere Spalten und winzige Schrift verwenden, um alles in so kurzer Zeit auf die Leinwand zu bekommen. Sogar im Kino war der Abspann kaum lesbar. Als wir den Film schließlich auf Video brachten, beschloss Jim [Cameron], dass es im Heimkino kein Zeitproblem mehr gibt also überarbeiteten wir den Abspann noch einmal." Deshalb wurde er für die Video-Version komplett neu gefilmt und die Musik neu eingespielt. Der Text war jetzt umfangreicher, lief glatter über den Bildschirm und der Abspann war nun neun Minuten lang. "Nicht einmal in der Auflösung der DVD hätte man den Original-Abspann lesen können", sagte Ling. "Daher nahmen wir den längeren, aber besser lesbaren Video-Abspann. Wir wollten, dass man die Namen all derer, die hart an dem Film gearbeitet hatten, auch wirklich lesen konnte." 

Guido HENKEL

Dieser Artikel ist ein kurzer Aus schnitt aus dem Produktionstagebuch "The Abyss Production Diary", das auf meiner Webseite DVD Review (www.dvdreview.com ) veröffentlicht ist. Über Monate habe ich die Entwicklung des Projekts verfolgt und regelmäßig über die Arbeit an dieser großartigen Special Edition berichtet. Besuchen Sie die Webseite, um das komplette Produktionstagebuch zu lesen!


 

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