epd Film 12/86 

Aliens - Die Rückkehr 


ALIENS

USA 1986. R und B: James Cameron. K: Adrian Biddle. Sch: Ray Lovejoy. M James Horner. T.- Roy Charman. Ba: Bert Davey. A: Peter Lamont. Ko: Emma Porteous. Sp: John Richardson. Pg: Twentieth Century Fox Corp. Gl: Gordon Carroll, David Giler, Walter Hill. P: Gale Anne Hurd. V: Twentieth Century-Fox. L: 3751 m (137 Min.). FSK: 18, nffr. St: 13.11.1986. D: Sigourney Weaver (Ripley), Carrie Henn (Newt), Michael Biehn (Corporal Hicks), Paul Reiser (Burke), Lance Henriksen (Bishop), Bill Paxton (Private Hudson), William Hope (Leutnant Gorman), Jeanette Goldstein (Private Vasquez), Al Matthews. 


Kino: das war einmal eine konkrete, äußerst gegenwärtige Weise zu handeln, zu schauen, zu gehen, zu gestikulieren, zu reden; und auch zu sehen, zu zeigen, zu erzählen. Niemand verstand die Welt, aber im Kino gab es eine Vision, wie sie zu verstehen wäre. Nicht, was ihren Sinn betrifft. Nur, was ihren Zustand angeht, ihre äußere Erscheinung. Auf einesehr geheimnisvolle Weise brachte das Kino (und da besonders die Mistfilme) die Erfahrungen unseres Körpers zum Klingen. 

Heutzutage dagegen sind diese Filme wie unsere Zeit: rasant, rabiat, sehr raffiniert and doch schon ziemlich ranzig. Die Geschichte von ALIENS, gemixt aus ein bißchen Science Fiction, ein bißchen Krieg and ein bißchen Horror, ist darüber hinaus bis auf den Kern reduziert. Ruhe, Gefahr, Abenteuer; und am Ende Tod oder Bewährung. Man erkennt schnell, die Welt ist aus den Fugen, also auch in der fernen Zukunft noch so wie in der momentanen Gegenwart. Die Machtfrage scheint fürs erste geklärt: dieTechniker regieren; Leute, die forschen (und dabei ihre Karrieren nie aus dem Auge verlieren). Und die Soldaten, arrogant and tough, sichern das Ganze. Sie beherrschen ihre Waffen perfekt, ansonsten aber verstehen sie nicht, worum es eigentlich geht. Seine Soldaten, sagt Cameron, stehen "für den Hochmut vor dem Fall". Als sie auf etwas treffen, dem sie nicht gewachsen sind, geraten sie in Panik. Die Helden in dem Film wachsen zwar nie zu Charakteren, aber hinter der Maske der Strichmännchen entdeckt man doch einen Entwurf: ein einziges Bild des Jammers. Nur auf den Androiden ist Verlaß. Und auf die Monster, die sowieso nur äußere Zeichen für den Wahnsinn sind, der in uns selbst steckt. 

Selbstverständlich ist ALIENS vor allem ein abscheulicher Mistfilm. Die Geschichte ist viel zu geheimnislos, die Bilder ziehen viel zu neureich an unseren Augen vorüber, die Schnitte mißachten viel zu betont die Grenzen unserer Wahrnehmung. Alle Konturen verschwimmen, und nichts geht einem mehr durch den Kopf. 

Ripley (Sigourney Weaver) is back, 57 Jahre nach ihrem Sieg über das glitschige Monster, das sich in menschliche Körper einpflanzt and Säure statt Blut in sich trägt. In RidleyScotts ALIEN von 1979 überlebte Ripley ja eher zufällig, sie war damals bloß die glücklichere unter allen anderen, das letzte der zehn kleinen Negerlein. Nun, in Camerons ALIENS, ist Ripley eine tragische Heldin, gebeutelt von ihren Erinnerungen and einer Zeit, einer Umwelt, die ihren Erlebnissen and Erfahrungen keinerlei Glauben schenkt. So verweigert sie sich ihrem alten Leben, flieht in fremde Arbeiten, sie meidet, was sie kann und was sie auszeichnet. Aber dann rafft sie sich doch wieder auf: weil sie tun muß, was sie zu tun hat. Diese Ripley ist ein moderner Westerner, dem das Ethos des Handelns ganz selbstverständlich über jede Ethik des Benehmens geht. Ihre Furcht ist nur das Gefühl einer verschreckten Frau; ihre Tatkraft aber ist die Konsequenz eines Menschen mit Ehre. Tief im Innern, sagte 1929 Gary Cooper in Flemings THE VIRGINIAN, tief im Innern gibt es etwas, das einem Mann sagt, was er tun muß. Und tief im Innern gibt es etwas, das heutzutage einer Frau des 21. Jahrhunderts sagt, what she has to do. 

ALIENS ist weder- wie in Kritiken zu lesen stand - "ein lupenreiner Kinofilm" noch ein "spannender, überzeugender Thriller", und schon gar nicht kann man in seiner Geschichte eine "Kritik an skrupelloser Wissenschaft" lesen. ALIENS ist bloß ein leerer Wirkungsfilm, der sich schon auf der ersten Ebene erschöpft, in Spannung und Rasanz. 

Norbert Grob