Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.1991

Mit Dynamit gegen die Dunkelheit

Im Kino: "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" von James Cameron



Los Angeles im Jahre 1994. Noch drei Jahre bleiben der Menschheit bis zum letzten Atomkrieg. Der 29. August 1997 wird ein unerfreulicher Tag für alle Menschen, die keinen Sunblocker mit dem Lichtschutzfaktor zwei Millionen aufgelegt haben. Also spricht Sarah Connor, die als einziges Lebewesen hienieden weiß, was war und was sein wird, und die man deshalb in eine Nervenheilanstalt gesperrt hat. 2029, wenn die letzten überlebenden Menschen unter der Führung von John Connor, dem Sohn Sarahs, einen verzweifelten Krieg gegen die Übermacht der Maschinen führen werden, liegt 1994 fünfunddreißig Jahre zurück. Und fünfundvierzig Jahre wird es dann her sein, daß der Terminator aus der Zukunft kam, um John Connors Mutter zu töten, ausgesandt von Skynet, dem Super-Computer, der 1997 den Atomkrieg ausgelöst und die Herrschaft der Maschinen begründet hat.

Heute, im Los Angeles des Jahres 1994, sind die Vergangenheit und die Zukunft Gegenwart. Der erste Terminator hat versagt, John Connor wurde geboren und ist mittlerweile zehn Jahre alt, und Skynet schickt einen zweiten Terminator aus. Der John Connor des Jahres 2029 schickt einen dritten Terminator hinterher, der aussieht wie der erste, jedoch darauf programmiert ist, den zehnjährigen John Connor zu schützen, auf daß jener fünfunddreißig Jahre später die letzten Menschen wider die Maschinen führen könne.

Das ist die Geschichte des Films "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" von James Cameron, der 1984 mit "Der Terminator" einen der erfolgreichsten Science-f iction-Filme inszenierte. Wer die Geschichte von "Terminator 2", die nicht mehr ist als eine Variation des plots seines Vorgängers, kompliziert findet, unlogisch gar, hat recht und unrecht zugleich. Denn auf Stringenz und Plausibilität kommt es schon lange nicht mehr an im Science-fiction-Genre, das sich nicht erst mit den Arbeiten von James Cameron zum Abenteuerspielplatz ausgeflippter Pyrotechniker, Trick- und Stuntspezialisten entwickelt hat. Ihnen gehört die Zukunft im Science-fiction-Genre, nicht den Drehbuchautoren oder den Regisseuren, schon gar nicht den Schauspielern - und "Terminator 2" ist der Film, der mit schmerzhafter Deutlichkeit zeigt, warum dies so ist. Vierundneunzig Millionen Dollar soll dieser Film gekostet haben, vielleicht auch hundert Millionen. Es spielt keine Rolle. Nichts spielt eine Rolle in diesem Film, der keinen Widerspruch duldet, der wehrlos macht, weil er jeden Gedanken der wenigen Menschen auf der Leinwand und der vielen unten im Kinosaal mit seinem Dauerfeuer der Explosionen, Verfolgungsjagden und Schießereien konsequent auslöscht. Was bleibt, ist die Leere eines menschenverachtenden Zynismus. Weil in diesem Film alles gesagt und gezeigt wird, was man sich bisher noch nicht einmal vorstellen konnte, ist nichts zu hören und nichts zu sehen. Auf der Leinwand sind Tod und Zerstörung, im Gehirn der Zuschauer ist Dunkelheit.

Im Kino hat die Zukunft der Maschinen schon begonnen. Und weit und breit ist kein John Connor in Sicht, der die Menschheit vor Filmen wie "Terminator 2" retten könnte. ANDREAS OBST