Frankfurter Rundschau, 16.3.1985

Übermorgen heute erledigen

James Camerons Film "Terminator": brutal-pfiffiger Horror-Science-fiction

Frankfurt a.M. Der Terminator erscheint, kaum daß Conan zum zweiten Mal abgetreten ist, Arnold Schwarzenegger, Mr. Body-Building, bleibt uns also erhalten. Er spielt in James Camerons Film (dessen zweitem nach "Piranhas II - Fliegende Killer") eine Killermaschine, die unter Blitz und Donner auf die Erde niedergeht, sich die modernsten Faustfeuerwaffen besorgt und als personifizierter Kugelhagel Los Angeles in höllische Angst und Schrecken versetzt.

Der Film frönt zwei Spezialitäten des Action-Kinos, also neben der stupid-brutalistischen Ballerei der Autojagd. Die Lust am Schießzeug und am Auto als Waffe wird selbstzweckhaft, fast ritualisiert zelebriert. Cameron, der das Drehbuch mitverfaßte, gibt allzu bereitwillig einem billigen Erfordernis des Action-Kinos nach und nimmt zumindest in der ersten Hälfte seinem Film viel von der Horror-Fiction, die ihm durchaus innewohnt.

Die Geschichte ist nämlich interessant ausgedacht. Der Terminator kommt aus der Zukunft, in der Computer die Macht übernommen haben und die letzten Menschen jagen, insbesondere mittels der Terminator-Roboter, deren menschliche Hülle mit exquisiter Technik vollgestopft ist. Die Biester sind nahezu unverwundbar und können sich selbst reparieren. Ein Terminator wird in die Vergangenheit zurückgeschickt, um dem Schicksalsrad in die Speichen zu greifen, etwas, was in der Zukunft geschehen ist, ungeschehbar zu machen: Er soll im Los Angeles des Jahres 1984 jene Frau (Linda Hamilton) töten, deren Sohn im Jahre 2029 der Anführer der Rebellen gegen die Computerherrschaft ist. Dieses letzte Häuflein wiederum sendet dem Terminator einen der seinen (Michael Biehn) nach, um dem das Handwerk zu legen.

Das darf nun wirklich als originelle Science-fiction-Idee gelten, handelt es sich doch um nichts weniger als das Rückgängigmachen von etwas, das bereits stattfand, aber andererseits noch nicht geschehen ist, jedenfalls aus der Sicht der jetzt Lebenden. Es soll eingegriffen werden in den Weltenplan, der sozusagen als Drehbuch bereits vorliegt, und radikalerweise legt der Terminator die Axt an die Wurzel eines künftigen Hoffnungspflänzchens. Der Böse und der Gute aus dem Übermorgen kämpfen im Heute um ihre eigene Gegenwart, die uns Zukunft ist.

Der zusätzliche Clou mag manchem Zuschauer im Verlauf der Geschichte vorab dämmern: wer eigentlich wird der Vater jenes Sohnes, der - zu Beginn der Handlung noch gar nicht gezeugt - bereits vor deren Empfängnis in Person der Mutter quasi abgetrieben werden soll?

Schwerarbeit in diesem Film leisten die Maskenbildner und Tricktechniker. Der Terminator wird nach und nach zerstört, am Ende bleibt ein stählernes Skelett übrig, das immer noch schauerlich unverdrossen seines Vernichtungsweges stapft - da werden Reminiszenzen an fechtende Knochenmänner in alten Sindbad-Filmen wach.

Diesen Countdown bis zur Schrottpresse hat James Cameron brillant inszeniert, er läßt den militanten Waffen & Auto-Fetischismus des Beginns weit hinter sich - und ein Türchen für eine Fortsetzung offen.

Helmut Schmitz