Kieler Nachrichten, 28.11.1986

Filmkritik: Aliens - Die Rückkehr

Heimtückische Dialektik und eine böse Pointe


Ein fremdes, undefinierbares Monster bedroht die Menschheit auf perfide Weise: es nistet seine Embryos im menschlichen Körper ein, and wenn die ausgereift sind, stoßen sie brutal aus den menschlichen Eingeweiden hervor ans Licht der Welt, nicht ohne die dabei erzwungene Gast-Mutterschaft des Menschen mit einem unvorstellbar grausamen Tod zu bestrafen.

Der englische Filmemacher Ridley Scott konfrontierte uns 1979 zum erstenmal mit diesem fremdartitgen Wesen, das er kurzerhand einfach Alien nannte. Sieben Jahre später wagt sich der amerikanische Regisseur James Cameron (Der Terminator) nun an eine Fortsetzung jenes legendären Weltraum-Abenteuers.

In Aliens - Die Rückkehr gibt es keine atmosphärischen Bildtableaus, in denen der Zuschauer seinen Blick einrichten kann. Camerons Film kommt ruppiger, aber auch physischer daher. Dadurch wird ein rasantes erzählerisches Grundteinpo erzeugt - es bleibt keine Zeit, in schönen Bildern zu baden. Anhänger des Ridley-Scott-Films mögen das bedauern, aber schließlich hat sich in der Fortsetzung die gesamte Konstellation grundlegend geändert. Wurde in Alien die Besatzung des Raumfrachters "Nostromo" von dem Monster überrascht, so daß den Menschen nur ein verzweifeltes Rückzugsgefecht gegen die unheimliche and unerklärliche Bedrohung blieb, so kehrt 57 Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen von damals eine wohlvorbereitete Truppe von Weltraum-Marines auf den inzwischen besiedelten Planeten zurück, auf dem die "Nostromo"-Besatzung erstmals auf das "Alien" stieß. Mit von der Partie ist auch die einzige Uberlebende von damals, der Deckoffizier Ripley (Sigourney Weaver), die dem Manager der Gesellschaft eindringlich klargemacht hat, daß sie nur unter der Voraussetzung mitkommt, sämtliche "Aliens" auszulöschen.

Camerons Fortsetzung fährt wahrhaft schweres Geschütz gegen die fremde Bedrohung durch die "Aliens" auf. Martialisch mit neuester Waffentechnologie hochgerüstet landet die merkwürdige Vernichtungstruppe auf dem gespenstischen Planeten. Voreilige Kritiker haben darin eine Variation des "Rambo"-Schemas vom legitimierten Töten gesehen, doch auf so simple Identifikationsmuster 1äßt sich der Film beim besten Willen (ihn schlecht zu finden) nicht reduzieren.

Cameron zeigt im Gegenteil, wie die geplante Aggression der Marines nach hinten losgeht. Im entscheidenden Moment können seine Protagonisten weder ihre Laser-Kanonen noch ihre elektronisch gesteuerten Maschinengewehre benutzen, weil sie damit empfindliche nuklear betriebene Kühlsysteme treffen könnten and damit letztlich rich selbst gefährden würden.

Diese heimtückische Dialektik von Gewalt and Gegengewalt durchzieht den gesamten Film. Vermeintliche Stärke entpuppt sich als Schwäche and ausgerechnet "das schwache Geschlecht" erweist sich im mörderischen Kampf gegen die "Aliens" als überlebensfähig.

Ripley entkommt mit einem kleinen Mädchen and eine Schlüsselszene läßt ahnen warum: in einem höhlenartigen Raum steht Ripley mit der Kleinen auf dem linken Arm and einem Flammenwerfer in der rechten Hand plötzlich der Ur-Mutter der "Aliens" gegenüber, die schützend über die noch nicht ausgebrüteten Eier wacht. Spätestens hier wird klar, daß wir es mit einem besonderen Feldzug zu tun haben: dem Kampf gegen die Idee der Mutterschaft. Eine böse Pointe. 

GAD KLEIN