Kieler Nachrichten, 18.8.1994

"True Lies"-Regisseur James Cameron:

"Ja, ich bin ein Moralist"


Er begann vor 13 Jahren bei Roger Corman mit "Piranha 2" heute gehört der Kanadier James Cameron zu den profitabelsten Action-Regisseuren von Hollywood: über 500 Millionen Dollar spielte sein "Terminator 2" weltweit ein. Für 120 Millionen Dollar inszenierte Cameron jetzt mit "True Lies" eine gigantische James Bond-Version. In der Hauptrolle: Arnold Schwarzenegger. Der Regisseur, der als großes Vorbild Stanley Kubrick nennt, äußert sich in einem KN-Interview zu seinem Film und seinen Plänen.

Nach den "Terminator"-Filmen Ihre dritte Arbeit mit Arnold: wie hat er sich verändert?

Arnold hat sich als Schauspieler stark verbessert. Für "Abyss" wäre er sicherlich kaum in Frage gekommen. aber heute könnte ich mir jede Rolle für ihn vorstellen.

Im Unterschied zum üblichen Action-Film gibt`s in "True Lies" auch Beziehungsprobleme...

"True Lies" ist nicht für Zehnjährige, es ist kein Nintendo-Spiel und kein Krieg der Sterne. Der Film zielt auf ein bestimmtes Publikum. Zuschauer, die mit Liebesbeziehungen etwas anfangen, auch darüber lachen können. Man muß dem Publikum dabei die Möglichkeit zur Identifikation geben, weltweit. Natürlich wird kaum ein Zuschauer Spion sein oder Pilot. Aber jeder weiß, wie es ist seinen Partner zu belügen.

Es gibt Kritiken, die dem Film Sexismus vorwerfen...

Ich hasse diese Krankheit "politische Korrektheit", sie wäre das Ende des Kinos. Die besten Filme sind nicht "politisch korrekt". Eine Figur muß Fehler machen können. Wobei der Vorwurf des Sexismus gar nicht zutrifft. In der angeblich frauenfeindlichen Verhörszene ist es doch Arnold, der als Verlierer hervorgeht. Während Jamie Lee Curtis selbstbewußt für ihre Meinung eintritt und dabei Stärke entwickelt. Ich habe alle wichtigen US-Kritiken gelesen: bemerkenswert dabei, daß mir nur Männer Sexismus vorwarfen, während die Frauen das ganz anders verstanden.

Ein anderer Vorwurf gilt der wenig freundlichen Darstellung der Araber...

"True Lies" ist nicht anti-arabisch. Sondern anti-terroristisch. Diese Terroristen sprechen arabisch, schließlich gibt es nun einmal viele Terroristen im Nahen Osten. Wir machen aber keineswegs den Umkehrschluß, daß alle Araber böse wären. Wir richten uns absolut nicht gegen Moslems, es gibt keinerlei Anspielungen auf den Islam. Religion spielt überhaupt keine Rolle.

Sie verfilmen als nächstes den Comic "Spiderman". Wie teuer wird der. Und welche Effekte werden dabei aufgefahren?

Der Etat liegt noch nicht fest. Aber es wird sicher kein billiges Projekt. Der Stil wird sehr naturalistisch, ich stelle es mir als moralisches Stück vor: was wäre, wenn ein kleiner Junge zu diesem Tier wird. "Batman" war für mich eine schöne Übung in Produktions-Design. Aber thematisch brachte er nicht sehr viel. Bei "Spiderman" wird das anders...

Cameron ein Moralist?

Ja, ich glaube schon, daß ich ein Moralist bin. In jedem meiner Filme gibt es moralische Aspekte. Und im Fantasy-Genre läßt sich beispielsweise die Abhängigkeit des Menschen von der Technik gut darstellen. Im Unterschied zu "Abyss" allerdings, der so realistisch wie möglich war, "True Lies" ist eher ein Cartoon: eine Action-Abenteuer-Romanze vor nuklearem Hintergrund.

Man kann auch hier wieder einige Referenzen zu Stanley Kubrick entdecken. Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Regie-Vorbild?

Wir hatten uns bislang nie getroffen. Erst bei der London-Premiere haben wir telefoniert und werden uns demnächst treffen. Er will, daß ich bei den digitalen Effekten für sein Projekt "Künstliche Intelligenz" mitarbeite.

Und wann gibt es den "Terminator 3"?

Dazu gibt es keine Pläne.

Die Fragen stellte

Dieter Oswald