Medienwissenschaft / Kiel: Berichte und Papiere 9, 1999

Kiel: Institut für NDL und Medien

ISSN 1615-7060

Redaktion und Copyright dieser Ausgabe by Wolfgang Samlowski.

 

Die Terminologie des Filmlichts: Ein Glossar

Wolfgang Samlowski

 

Above-Key-Niveau Position der Beleuchtungsquelle bezogen auf die Augenhöhe. Normale Position wie z.B. die Sonne, Teil der Normalbeleuchtung.

Aktionslicht Im allgemeinen wird darunter das die Akteure beleuchtende Licht verstanden, also die Kombination aus Führungslicht, Füllicht und Gegenlicht.

Allgemeinbeleuchtung Auch Grundlicht, Allgemeinlicht oder Gesamtaufhellung. Diffuse, dem Führungslicht untergeordnete Beleuchtung des gesamten Sets, der eine Zeichnung in den bildwichtigen Schatten ermöglicht. Es wird durch Flächenleuchten von oben erzeugt. Vgl. Mehnert (1986, 342). In der Frühzeit des Films bei der Nutzung von Glasdachateliers mit Diffusormaterial die übliche Beleuchtungsart.

Apostilb (auch: Stilb) Lichttechnische Maßeinheit der Leuchtdichte. Abk.: asb.

Attached Shadows s. Primärschatten.

Aufgehellter Low-Key-Stil "Er steht zur reinen Low-Key-Variante im selben Verhältnis wie eine Dämmerungsaufnahme zu einer Nachtaufnahme. Aufgehellte Low-Key-Szenen lassen die tiefen dunklen Schwärzen des Low-Key-Stil vermissen. Die dunklen Bildpartien sind nur schwach durchzeichnet. Entsprechend dem 'Dämmerungscharakter' sind die Bilder oft 'suppig'. Sie zeigen auch keine ausgeprägten Lichterdetails. Es sind 'brillanzlose' Bilder. Eine Abart des aufgehellten Low-Keys besteht darin, Lichterdetails möglichst gänzlich zu vermeiden, sehr große Teile des Bildes in die Schatten versinken zu lassen und die Übergänge zwischen ihnen und den Mitteltönen weich zu halten. Diese Ausleuchtungsform ist besonders dazu geeignet, Armut, Not, Trostlosigkeit und Elend zu schildern" (Mehnert 1986, 152).

Aufhellung Licht mit dem Effekt, den vom Führungslicht hervorgerufenen Kontrast zu mindern.

Augenlicht Dient dazu, Glanz in die Augen zu bringen (Mehnert 1986, 343). Es ist demnach ein Vorderlicht oder Frontallicht. Wird durch kleine Beleuchtungseinheiten erzielt. Nach Salt (1983, 327) bringt es "Leben in den Ausdruck des Schauspielers". Auch Catch Light.

Below-Key Niveau s. Unterlicht

Butterfly Rahmen mit diffusem Material, der das Sonnenlicht in Außenaufnahmen an Originalschauplätzen "weicher" macht.

Cameo-Lighting Spielart der Chiaroscuro-Beleuchtung. Extremste Art. Hintergrund bleibt vollständig dunkel. Gerichtetes Licht mit schnellem Fall-off. Cast Shadows vorherrschend. Dient dem Zeigen innerer Zustände (Zettl). Direkte Imitation des Cameo-Steins (helle Figur auf dunklem Grund). Farbe im Schatten schwer kontrollierbar, sehr viel Gegenlicht, gerichtete Aufhellung (wenn überhaupt), wenig Streulicht.

Cast Shadows s. Sekundärschatten.

Catch Light s. Augenlicht

Chiaroscuro-Beleuchtung Aus dem Ital.: chiaro = Licht; oscuro = dunkel. Geht zurück auf die Malerei der Manieristen (Post-Renaissance) und des Barock (1530-1650). Caravaggio (1573-1610) gilt als der Vater, Rembrandt (1606-1669) als der Vollender des Ch.-Lichts. Hervorhebung von Licht und Schatten. Wird oft ohne weitere Differenzierung synonym mit Low-Key verwendet. "Lighting for light-dark contrasts to emphasize volume" (Zettl 1973, 380). Vgl. auch Mikunda (1986, 53).

Cookies Masken oder Blenden, die - in den Strahlungsgang von Lichtquellen eingefügt - auf den beleuchteten Flächen ein Schattenmuster produzieren.

Cooper-Hewitt Ursprünglich die Herstellerfirma von Quecksilberdampfleuchten, die ein weiches gleichmäßiges Licht produzieren. Der Name wurde jedoch synonym für die bis in die 20er Jahre als Standard verwandten Leuchten benutzt (Baxter 1975, 97).

Core Lighting Eng verbunden mit der Arbeit des Kameramanns von Rex Ingram, John Seitz. Zwei gleich intensive Führungslichter als Seitenlicht mit Tendenz zum Streiflicht. Produziert einen "Core"-("Kern-")Schatten auf den Figuren, die schwach aufgehellt werden. "This involves using two equally bright key-lights placed to either side of, and very slightly behind, the figure being lit. This kind of lighting leaves a dark vertical band of shadow down the centre of the figure - the 'core'" (Salt 1983, 185).

Cross-Key Unterart der Frontalbeleuchtung. Licht aus Richtungen zwischen 7H-8H und 4H-5H.

Day-for-Night Auch Nuit Américaine, Amerikanische Nacht, Nachteffekt. Bis 1914 übliche Art der Nachtaufnahmen außen. Unter vollem Sonnenlicht gedrehte Aufnahmen werden konventionell blau eingefärbt. Bis 1920 auch für weiträumige Totalen üblich, da keine geeigneten Apparaturen zur Verfügung standen (Salt 1983, 146). Heute als Bezeichnung für Filmaufnahmen bei Tag auf farbfilm. Voraussetzungen: Sonnenstrahlung senkrecht zur optischen Achse auf die Szene; wolkenloser, tiefblauer Himmel; Polarisationsfilter. Harte Schatten und bläuliche Einfärbung erzeugen den Eindruck von Mondlicht.

Dead Back Direktes Gegenlicht aus Richtung 12H. Produziert eine Silhouette.

Dead Frontal Direktes Frontallicht. Produzierte eine strukturlose Beleuchtung.

Dekorationsausleuchtung "Gesamtbeleuchtung einer Szene [...], die sich aus Führungslicht, Füllicht, Allgemeinlicht, Dekorationslicht usw. zusammensetzt" (Mehnert 1986, 342f).

Dekorationslicht Spezielle Beleuchtung für die Kulissen, Dekoration oder Teile davon (Mehnert 1986, 342f).

Dinky-Inkie Kunstlicht-Spotleuchte mit einer Leistung von 100 oder 150 W. Wird meist als Augenlicht oder Kleidungslicht eingesetzt.

Doppelseitenlicht Unterart des Seitenlichts. Kombination von streng seitlichem Führungslicht mit streng seitlichem Füllicht.

"Bei Personenaufnahmen können mit ihm betont männliche Wirkungen erzielt werden" (Mehnert 1986, 344).

Doppelstreiflicht Im Prinzip eher ein Effekt-Licht. Kombination von zwei Streiflichtern von beiden Seiten.

Drei-Punkt-Beleuchtung Spielart des Figure Lightings. Die Akteure werden von der Hintergrundbeleuchtung getrennt beleuchtet. Sie besteht aus einem Führungslicht, schwächerem Füllicht und einem Gegenlicht. Wird ab ca. 1917 benutzt (Salt 1983).

Drei-Viertel-Gegenlicht Spezifikation des Gegenlichts. Licht aus einer Richtung zwischen 10H-11H und 1H-2H. S. auch Streiflicht.

Dunkelheit Im allgemeinen wird darin die Abwesenheit von Licht verstanden. Für die Anwendung des Begriffs im Film ist es sinnvoll, Dunkelheit von den mit einem Objekt ursächlich verbundenen Schatten zu trennen. Sie entsteht einerseits durch geringe Raumwinkel eines Scheinwerfers oder durch einen Sekundär- oder Tertärschatten eines im Strahlengang einer Lichtquelle stehenden filmtechnischen Hilfsmittels wie z.B. Goboes.

Echte Schatten s. Primärschatten.

Edge Light s. Seitenlicht.

Effektbeleuchtung Hierunter sind im Prinzip jene Lichter zu fassen, die neben Führungs- und Füllicht zur Erzeugung einer bestimmten Atmosphäre dienen. Arnheim (1979, 170) benennt ganz allgemein und wenig differenziert die "kontrastreiche Beleuchtung" auf diese Weise. Bis Ende der 10er Jahre wurden alle von der Allgemeinbeleuchtung abweichendenen Beleuchtungsverwendungen so bezeichnet.

External Light Die auf Zettl (1973, 18) zurückgehende Definition bezeichnet alles von der Kamera "eingefangene" Licht, das normalerweise durch Beleuchtungsapparaturen produziert wird.

Fall-off Verhältnis (Geschwindigkeit) des Übergang von beleuchteten zu beschatteten Partien eines Objekts. Gibt Auskunft über die Lichtqualität. "The 'speed' with which the highlight areas turn into shadow areas. Fast fall-off means that the light ares turn abruptly into shadow areas. Slow fall-off means that there is a very gradual change from light to dark or that there is little contrast between light and shadow areas" (Zettl 1973, 382).

Falscher Schatten s. Dunkelheit.

Figure Lighting auch Aktionslicht, Gestaltausleuchtung. Separate Beleuchtung von Vordergrund mit den Agierenden und der Hintergrundbeleuchtung. Basis ist die Verwendung von Führungslicht, Füllicht und Gegenlicht. Entwickelt haben sich im Laufe der Filmgeschichte die 2-Punkt-Beleuchtung der Anfangszeit, 3-Punkt-Beleuchtung und 4-Punkt-Beleuchtung.

Flat-Lighting auch Frontalbeleuchtung, Notan-Lighting. Gegensatz zur Chiaroscuro-Beleuchtung. Beleuchtung zur Sichtbarmachung, eng verbunden mit High Key. "Omnidirectional light. It seems to come from no particular single source. Slow fall-off" (Zettl 1973, 382).

Flächenleuchte Scheinwerfertyp, der über einen großen Raumwinkel verfügt. Er wird für großflächige Beleuchtung (insbesondere zur Allgemeinbeleuchtung) eingesetzt. Zusätzlich weist das Licht im allgemeinen einen langsamen Schattenverlauf auf.

Flächentore Zusatzgerät zur Flächenleuchte, mit dem man das Licht gezielt begrenzen kann.

Freistehender Schatten s. Tertiärschatten.

Fresnel-Licht Spotlicht. Konzentrische Ringe der vorgelagerten Linse ermöglichen breite Variationen der Lichtkegelgröße mit schnellem Fall-off. Praktisch kaum Schattenübergang von Hell in Dunkel (Salt 1983, 269). Basiert auf einer Entwicklung von A.L. Fresnel in Paris 1821 (Unruh 1969, 29).

Frontalbeleuchtung Überwiegend durch Vorderlicht erzielte Ausleuchtung, die Strukturen unterdrückt und flach und ausdruckslos wirken kann.

Führungslicht Auch Schlüssel-Licht, Key-Light, Hauptlicht.

"Es stammt in allen vorkommenden Fällen von der lichtstärksten Lichtquelle der Ausleuchtungsanordnung oder von derjenigen Lichtquelle, die innerhalb der Szene die höchste Beleuchtungsstärke hervorruft. Beim Einrichten jeder Ausleuchtung ist die Festlegung der grundlegenden oder der Führungslichtquelle der erste und entscheidende Schritt" (Mehnert 1986, 341).

Füllicht Auch Fill-in, Fill-Light, Aufhellung.

"Unter dem Füllicht soll nur das Licht verstanden werden, das die durch das Führungslicht verursachten Schatten aufhellt (oder auffüllt)" (Mehnert 1986, 341). "Das Füllicht ist dem Führungslicht untergeordnet. Das durch das Verhältnis von Führungs- und Fülllicht entstandene Beleuchtungsstärkenverhältnis richtet sich nach dem für die jeweilige Sequenz geforderten fotografischen Stil" (Mehnert 1986, 342).

Gegenlicht "...vom Rücken des Objekts zur Kamera hin strahlendes Licht. Es dient fast ausschließlich zur Trennung des Objekts vom Hintergrund oder zu Glamour-Effekten" (Mehnert 1986, 344). Hinzu kommt der Einsatz bei Silhouetten.

Gestaltausleuchtung s. Figure Lighting. Der Begriff ist allerdings enger mit dem Begriff "Gestalt" bei Arnheim verbunden (s. Zettl 1973). Es geht um die Offenbarung der "Textur", d.h. der Form und der Struktur eines Objekts.

Geworfene Schatten s. Sekundärschatten.

Glamour-Effekt Auch Glamour-Beleuchtung, Gloriole. "Beschreibung für eine durch Doppelstreiflicht erzeugte Erscheinung: für einen Lichtsaum um den Kopf einer Person" (Mehnert 1986, 344).

* Dazu: Hollywoods Ruhm und Schönheit. The Famous John Kobal Collection - die hohe Kunst der Glamou-Fotografie. München 1983, 334 S.

Glühlicht 1854 von Göbel erfunden, 1879 von Edison patentiert, 1881 als Bühnenlicht in Paris vorgestellt. Ab 1927 für den Film genutzt (Salt 1983, 222). Geringere Lichtintensität, geringerer Personalbedarf gegenüber Kohlebogenlicht. Produziert weiches, diffuses Licht. Auch "Mazda Light" aufgrund des 1928 in den USA vorgenommenen Mazda-Tests.

Goboes Stellwände aus schwarzem Material, die Flächen von Lichteinfall freihalten, indem sie in den Strahlungsgang der Lichtquellen positioniert werden. Sie produzieren dadurch Flächen von Dunkelheit.

Grundlicht s. Allgemeinbeleuchtung.

Hagio-Portraiture Heiligenscheineffekt wie z.B. beim Glamour-Effekt (Baxter 1975, 103). Laut Mehnert (186, 344) entsteht sie durch Doppelstreiflicht, ein Oberlicht (Top-Light) und einen Kicker.

Handlicht Aufhellung kameranaher Objekte, meist mit einer Handlampe.

Hauptlicht s. Führungslicht.

High-Key-Stil Mit Einschränkung auch Flat-Lighting oder Notan-Lighting. "Eine im High-Key-Stil aufgenommene Szene ist eine Bild- oder Einstellungsfolge in hellen, lichten Tonwerten. [...] Bei der Ausleuchtung wird ein möglichst ausgeglichenes Beleuchtungsniveau angestrebt. [...] Ein High-Key ist in seinen Tonwerten weich graduiert, aber nicht unscharf und verschwommen. Es gleicht vielmehr einer zarten Kohlestiftzeichnung. Die 'mikroskopisch feinen', Bildeinzelheiten sind deutlich wahrnehmbar. Die kleinen Fältchen in den Lippen, Wimpern, Brauen sind durchaus scharf. Sie sind 'Mikrokontraste' und bilden den eigentlichen Reiz eines High-Key" (Mehnert (1986, 153). "Der High-Key-Stil wird überall dort angewandt, wo auf einen glücklichen Ausgang des Geschehens hingewiesen werden soll. Er betont im allgemeinen Glück, Gelingen, Hoffnung und frohe Zuversicht" (Mehnert 1986, 153). Hauptsächlich diffuses Licht, langsamer Fall-off, geringe selektive Beleuchtung, heller Hintergrund. Unabhängig vom Standpunkt des Führungslichts: helle Szene (Zettl 1973). "High overall light level. General (nonspecific) lighting. Background usually light. Predominance of bright picture details" (Zettl 1973, 382).

Highlighting Akzentuierung von Personen durch die Verwendung von Gegenlicht.

Internal Light Nach Zettl (1973, 18) jenes Licht, das in der Projektion im Kino und der Wiedergabe im Fernsehen als elektronischer Strahl zur Verwendung kommt. In dieser Arbeit werden darunter zusätzlich jene Aspekte der Beleuchtung verstanden, die durch Beeinflussung des Lichts 1. durch die Kamera (in Form von Blenden, Filtern, Masken, Belichtung, Über- oder Unterbelichtung), 2. durch chemische Bearbeitung in Kopierprozessen (Veränderungen der Kontrastverhältnisse) entstehen.

Kante s. Streiflicht

Key-Light s. Führungslicht.

Kicker "Streiflicht von schräg unten" (Mehnert 1986, 344).

Kleidungslicht Spezielles Vorderlicht, daß der getrennten Beleuchtung der Kostüme diente, besonders in den Zeiten geringer Lichtempfindlichkeit.

Kliegl-Light Typ einer Kohlebogenleuchte, die 1896 entwickelt wurde (Baxter). Nach diesen Quellen auch Standard-Leuchte bis in die 20er Jahre.

Kohlenbogenlicht s. auch Kliegl-Light, Cooper-Hewitt. Manchmal auch HI-Scheinwerfer (= High-Intensity-Scheinwerfer).

Beleuchtung durch das Bogenlicht zwischen zwei Kohlestäben unter Spannung, Kohlen mußten meist von Hand wegen des Abbrands nachgeführt werden, Rußpartikel wurden freigesetzt. In der Folge entstanden Augenkrankheiten bei den Akteuren ("Kliegl-eye disease"). Extremer Lichtabfall in die Tiefe, hoher Personalbedarf gegenüber Glühlicht. Bis 1927 künstliche Standardlichtquelle. Wegen des Netzbrummens im Tonfilm erst nach Entwicklung entsprechend geeigneter Stromkreise wieder verwendet.

Körperschatten s. Primärschatten.

Kunstlichtleuchten Scheinwerfertyp, der ein Lichtspektrum von 3200 K aufweist.

Leuchtdichtemessung Meßvorgang zur Bestimmung der Menge des Lichts (mittels Belichtungsmesser oder Spotfotometer), welches von einer Fläche in einem bestimmten Winkel reflektiert wird. Maßeinheit ist das Apostilb (asb).

Lichtmessung s. Leuchtdichtemessung. Lichttechnische Maßeinheiten: Beleuchtungsstärke in Lux (Lx); Leuchtdichte in Apostilb (asb); Lichtstrom in Lumen (lm); Farbtemperatur in Kelvin (K).

Lichtzange Hartes Licht von beiden Seiten. Ein Gesicht, von beiden Seiten angestrahlt, erhält so ein dämonisches Aussehen.

Limbo-Beleuchtung Spielart des High-Key. Einheitlich heller Hintergrund, die Objekte im Vordergund werden normal beleuchtet. Dient besonders der Präsentation von Objekten vor neutralem Hintergrund in der Werbung (Zettl 1983).

Low-Key Stil auch Chiaroscuro-Beleuchtung. Attached Shadows haben einen schnellen Fall-Off, dunkler Hintergrund, selektiv eingesetztes Licht, gering Aufhellung, niedriges Helligkeitsniveau. Unabhängig vom Standpunkt des Führungslichts: dunkle, kontrastreiche Szene (Zettl 1973). "Low overall light level. Selective lighting with fast fall-off. Background is usually dark. Predominance of shadows" (Zettl 1973, 383).

Mehnert (1986) unterteilt in 1. Reiner Low-Key-Stil, 2. Unaufgehellter Low-Key-Stil, 3. Aufgehellter Low-Key-Stil. "Die verschiedenen Spielarten des Low-Key unterscheiden sich hauptsächlich durch die Steilheit des Übergangs zwischen den Schatten, Mitteltönen und Lichtern sowie durch die Anteiligkeit der Lichter und den Grad der Allgemeinaufhellung. Bei allen drei Low-Key-Varianten werden die Szenen so ausgeleuchtet, daß große Bildteile undurchzeichnet sind" (Mehnert 1986, 152).

Night-for-Night Praxis der nächtlichen Außenaufnahmen an Originalschauplätzen. Mit Hilfe künstlicher Beleuchtung wird das zur Belichtung notwendige Maß an Helligkeit produziert. Ab 1916 in Amerika für Nahaufnahmen angewandt. Ab 1920 in Außentotalen nachts üblich. Möglich durch weitreichende Spotleuchten, die dem militärischen Suchlicht nachempfunden wurden (Salt 1983, 183).

Normalstil "Der fotografische Normalstil ist derjenige Stil, in dem nicht nur die größte Zahl der Spielfilm- und Fernseheinstellungen gehalten ist, sondern auch die Stilart, in der 80% aller fotografischen Bilder ausgeführt wird" (Mehnert 1986, 150). "Er wird überall da verwandt, wo es der Zeitpunkt, in dem die Handlung spielt, oder die vom Drehbuch her verlangte Stimmung nicht verlangt, einen von der normalen Behandlung einer Szene abweichenden Stil zu verwenden" (Mehnert 1986, 150).

Ein natürlicher Stil, bei dem die Kontraste (Leutedichteunterschiede) denen der Objekte in der Natur entsprechen. Auf Schattendetail kann "um so eher verzichtet werden, je geringer deren Leuchtdichte und um so kleiner ihre Flächenausdehnung ist" (Mehnert 1986, 151).

Notan-Lighting Auch High Key, Flat-Lighting. Gegensatz zu Chiaroscuro. Beleuchtung zur Sichtbarmachung. Aus der japanischen Graphik. Emotional flach (Zettl 1973).

Oberlicht Auch Top-Light. Vertikal von oben gerichtes Licht.

Off-screen-Lichtquellen Im Bild nicht sichtbare Beleuchtungsquellen.

On-screen-Lichtquellen Im Bild sichtbare Lichtquellen, auch Requisitenleuchten.

Out-of-Balance-Lighting s. Unaufgehellter Low-Key-Stil.

Personenbeleuchtung s. Aktionslicht, Figure Lighting.

Pictoralist Style Zurückgehend auf die Salon-Malerei Ende des 19.Jahrhunderts. Salt (1983, 145) sagt Maurice Tourneur und anderen französischen Emigranten in Amerika diesen Stil nach. Zeigt sich als Silhouetten-Beleuchtung.

Predictive Lighting "Vorhersagende" Beleuchtung. "Light changes from one mood to another, signaling an impending happening" (Zettl 1973, 384)

Primärschatten Fester, zum Körper gehöriger Schatten. Sie befinden sich auf einem Objekt selber, sie sind Teil des Körpers. Sie geben durch ihren Verlauf Auskunft über Oberflächenbeschaffenheit, Form und Gestalt. Es lassen sich daran z.B. runde oder eckige Formen erkennen. Andere Bezeichnungen sind Körperschatten, attached shadows, echte Schatten, zugehörige Schatten.

Reiner Low-Key-Stil "Bilder in diesem Stil zeichnen sich durch ausgedehnte wenig oder gar nicht durchzeichnete Schattenflächen aus. Bei einem reinen Low-Key-Stil werden harte Kontraste vermieden und die Schatten weich ausgeleuchtet. Das vom Führungslicht getroffene Gesicht derjenigen Darsteller, auf denen die Betonung liegen soll, wird normal beleuchtet" (Mehnert 1976, 151).

"Der Low-Key-Stil wird dann gewählt, wenn es die Dramatik des Geschehens oder der Zeitpunkt, in dem die Handlung spielt, erfordern" (Mehnert 1976, 151). "Szenenfolgen, in denen Verbrechen oder geheimnisvolle Vorgänge geschehen oder in denen die Aufwühlung innerster Gefühle gezeigt werden sollen, werden am besten im Low-Key-Stil ausgeleuchtet. Zu diesen Geschehen gehören auch - dies mag nicht weiter verwundern - Liebesszenen" (Mehnert 1986, 151).

Rembrandt-Licht Spielart der Chiaroscuro-Beleuchtung und des Low Key. Benannt nach dem Maler Rembrandt (1606-1669), der als der Vollender des von Caravaggio entwickelten Stils gilt. Stark selektive Beleuchtung mit Flächen im Halb- oder Volldunkel, scharf (hart) definierbare Flächen (Schatten). Erzeugt durch direkte Spotleuchten mit Toren. "A type of chiaroscuro lighting in which only highly selected areas are illuminated while others are kept relatively dark" (Zettl 1973, 384).

"Bei Rembrandt ist das Licht weit mehr als bloß bildnerischer Faktor. Zu einer tiefen metaphysischen Wirkung gesteigert, verklärt es die Geschehnisse, sowohl die Begebenheiten mit heiligen Personen als auch die mit den Menschen seiner Umgebung. Rembrandts Licht läßt sich nicht von einer realen Lichtquelle - der Sonne, einer Kerze, einem Feuer - herleiten; es ist als Lichtweben (und Schattenmasse) nur dem Ganzen eigen. Es ist 'in sich selbst lebendig', und es entfaltet und begrenzt sich innerhalb der Komposition. Dieses Licht verhält sich wie der Seinsausdruck Rembrandtscher Menschen, 'die die so bezeichnete Bedeutung unmittelbar an sich tragen, und nicht daraufhin, daß irgendein Transzendentes, ein dogmatischer Sachverhalt an ihnen sichtbar würde. Dieses Licht ist sozusagen als natürliche Wirklichkeit religiös, wie jene Menschen es als seelische Wirklichkeit sind' (Georg Simmel)" (Pawlik & Strassner 1973, 82).

Requisitenleuchten Im Bild sichtbare Lichtquellen, auch On-screen-Lichtquellen.

Schattenverlauf Übergang des Schattens von Helligkeit zu Dunkelheit, auch "Fall-off". Man unterschiedet einen "schnellen" Verlauf bei hartem Licht und "langsamen" Verlauf bei weichem Licht.

Schlagschatten s. Sekundärschatten.

Schlüssellicht s. Führungslicht

Seitenlicht Unterteilt sich weiter in Doppelseitenlicht. Der Richtung nach charakterisiert. "Seitenlicht eignet sich gut zur Herausarbeitung von Konturen und Strukturen. Allein verwandt, kann es dramatisch wirksam sein und charakterisieren" (Mehnert 1986, 344). "Die plastische Hervorhebung bis zur Herausarbeitung kleinster Unebenheiten, die uns die charakteristische Oberflächenstruktur eines Materials zeigen, erzielt man mittels eines scharf konzentrierten Seitenlichts" (Arnheim 1979, 119).

Sekundärschatten Sie bezeichnen die von einem Objekt auf einem anderen Objekt oder Material (z.B. Untergrund) produzierten Schatten. Sie sind mit dem Objekt verbunden und lassen den Standpunkt im Verhältnis zur Umgebung erkennen. Sekundärschatten werden auch Schlagschatten, cast shadows, geworfene Schatten, unechte Schatten genannt. Funktion als "Ansager" und "Conférencier" (Arnheim 1979a, 102).

Silhouetten-Beleuchtung s. auch "Pictorialist" Style. Spielart der Chiaroscuro-Beleuchtung. Der Einsatz ist stark vom Inhalt abhängig. Heller Hintergrund, dunkler Körper, Hervorhebung der Kontur. Einsatz bei Wichtigkeit von Bewegung (z.B.Tanz), Verstecken (Incognito, Verbrechen) (Zettl 1973).

Gegenlicht als Führungslicht. Es fehlt die Aufhellung von vorne. Ein so beleuchtetes Objekt ist nur seiner Gestalt nach am Unriß erkennbar und damit prinzipiell eher einem Schatten verwandt.

Spitze, Spitzlicht s. Streiflicht

Spotleuchte Ein Scheinwerfertyp, bei dem das austretende Licht mit Hilfe von Sammellinsen (plankonvex oder Fresnellinsen) oder speziellen Parabolreflektoren im Gehäuse gebündelt wird und der dadurch eng begrenzte Flächen beleuchten kann. Er wird deshalb oft als Effektlicht eingesetzt. Vom Theaterbereich als Verfolgerlicht bekannt. Besondere Bauarten ermöglichen, ihn als Projektor zu benutzen. In dem Fall werden Lochblenden (cookies) in den Strahlengang eingefügt, die am Beleuchtungsort ein scharf abgegrenzten Schattenmuster erzielen.

Streamlight Konstruktion aus mindestens zehn Spot- und Flächenleuchten, die sich zur Beleuchtung von Innenräumen eignet, in denen Darsteller die Beleuchtung ein- und ausschalten müssen.

Streiflicht Effektlicht von hinten, um eine Person oder einen Gegenstand vom Hintergrund abzuheben: "vom Rücken des Objekts zur Kamera hin strahlendes Licht" (Mehnert 1986, 344). Von der Position her ein Zwischending zwischen Seitenlicht und Gegenlicht. Auch Kante, Spitze.

Streulicht Unkontrollierte und unerwünschte Reflektionen des Lichts von Objekten, Flächen oder Lichtquellen, die sich nachteilig auf Kontrastwiedergabe auswirken können.

Swinging keylight Auf einem beweglichen Kran montierte Spotleuchte, die sich zur Erzeugung beweglicher Schatten eignet.

Tageslichtleuchten Scheinwerfertyp, der ein Lichtspektrum von 5600 K aufweist.

Tertiärschatten Dieser von einem Objekt hervorgerufene Schatten ist nicht mehr unmittelbar mit seinem Ursprung verbunden, sondern ist sozusagen "freistehend". Diese Differenzierung des Sekundärschattens wird auch Vorauseilender Schatten oder Freistehender Schatten genannt.

Three-Quarter Back s. Drei-Viertel-Gegenlicht.

Top-Light s. Oberlicht

Umgebungsbeleuchtung Im Kino aufgrund von Sicherheitsbestimmungen notwendiges Paniklicht. Bei TV-Rezeption das ebenfalls die Wahrnehmung von Kontrasten beeinträchtigende umgebende Zimmerlicht.

Unaufgehellter Low-Key-Stil Auch Out-of-Balance-Lighting. "Sie zeichnet sich durch extrem harte Übergänge vom Hell zum Dunkel aus. Die Mitteltöne fehlen fast gänzlich. Die Schatten überwiegen die Lichter bei weitem. Als Lichtquellen werden brilliant strahlende Scheinwerfer verwandt" (Mehnert 1986, 152).

"Diese Ausleuchtungsform eignet sich besonders zur Darstellung einer ungeschminkten Realität - zur Darstellung niederschmetternder Realistik" (Mehnert 1986, 152).

Unechte Schatten s. Sekundärschatten.

Unterlicht Below-Key-Niveau. Position der Beleuchtungsquelle, von unten strahlendes Licht. Bezugspunkt ist die Augenhöhe.

Verfolgerleuchte s. Spotleuchte.

Vier-Punkt-Beleuchtung Spielart des Figure Lightings. Kombination von Führungslicht, Füllicht und doppeltem Gegenlicht. (Salt 1983, 143). Dieser Stil wurde besonders für den Profile Two-Shot, die klassische Dialogsituation, benutzt. Verstärkt eingesetzt ab 1920 (Salt 1983, 183).

Vorauseilender Schatten s. Tertiärschatten.

Vorderlicht s. Frontalbeleuchtung. Nach der Richtung qualifiziert, mehr oder weniger aus der Kameraachse gesetztes Licht. Per Definiton sind Augenlicht und Kleidungslicht reine Vorderlichter.

Zugehörige Schatten s. Primärschatten.

Zwei-Punkt-Beleuchtung Spielart des Figure Lightings. Zwei Scheinwerfer aus verschiedenen Richtung werden kombiniert, meist als Frontallicht und Gegenlicht. Ab 1914 bis ca. 1917 der vorherrschende Beleuchtungsstil (Salt 1983).