Medienwissenschaft / Kiel: Berichte und Papiere 24, 2000

Kiel: Institut für NDL und Medien

ISSN 1615-7060

Copyright by Michael Schwarz and Corinna Günther.

 

 

Michael Schwarz / Corinna Günther

Die Funktion von Musik in Soap Operas in Bezug auf Setting, Trends und Platzierung der Stars

 

Die Funktion und Bedeutung von Musik in Soap Operas in Bezug auf das Setting

 

Die Bedeutung von Musik für deutschsprachige Soap Operas lässt sich schon quantitativ fassen: Der zeitliche Musikanteil einer in Bezug darauf repräsentativen Folge Verbotene Liebe vom 12.01.2000 beträgt knapp 82%.

Im Umkehrschluss bedeutet dieses Ergebnis, dass nicht einmal 20%, also fünf von fünfundzwanzig ausgestrahlten Minuten, keinerlei Musik als Träger stilistischer Funktion beinhalten.

Der Versuch einer näheren Betrachtung der unterschiedlichen Arten und Funktionen von Musik und ihrer Präsenz anhand einer ausgewählten Folge sollen nunmehr auch eine potentielle qualitative Bedeutung von musikalischen Einspielungen in Soap Operas untersuchen und herausstellen.

Die folgenden Ausführungen und zeitlichen Untersuchungen beziehen sich nur auf eine Folge einer Soap, ungefähre Vergleiche mit weiteren Folgen dieser und anderer Dailys bestätigen jedoch die grundsätzliche Übertrag- und Verwertbarkeit der Ergebnisse als Diskussionsgrundlage.

Zunächst gilt es, sinnvolle Kategorien zu schaffen, um über diese die unterschiedlichen Funktionen von Musik in dieser Folge und über den jeweiligen Anteil die Bedeutung und Wichtigkeit der unterschiedlichen Musikkategorien fassbar zu machen. Die Grundfrage bei allen Kategorien ist stets, wann diese Musik eingesetzt wird, bzw. vielmehr auch, wann gerade nicht.Neben einem musikfreien Anteil, der eindeutig zugeteilt werden kann, unterscheiden wir im Folgenden zwischen

  1. Titelmusik ohne Sprachunterlegung (Rückblenden auf vorhergehende Folgen im Auftakt sowie Off-Hinweise auf nachfolgende Sendungen im Abspann),
  2. Titelmusik mit der oben genannten Sprachunterlegung,
  3. Mise en Scène- Musik. Dieser Art ist eine ganz klar informationstragende Funktion zuordbar, die es im Verlauf detaillierter zu untersuchen gilt. Sie steuert Affektbelegungnen unter anderem über einen offensichtlich angestrebten Wiedererkennungscharakter (das heißt, bestimmte Situationen oder Gefühlsregungen der Serie erfordern stets diese Hintergrungeinspielungen),
  4. einem Musikteppich, welcher im Bezug auf die grundsätzliche Art der Musik der vorhergehenden Kategorie verwandt ist . Ähnlich auch in der Platzierung der Musik im Hintergrund lässt sich hier jedoch weniger klar eine eindeutige Funktionszuweisung vornehmen,
  5. der "echten Musik" (diegetische Musik), die natürlich auch funktionstragend ist und sogar oftmals als Einführung in eine Szenerie genutzt wird. Der Unterschied zu den anderen Kategorien besteht auf der Rezeptions-Ebene: Die Darsteller nehmen in der Serienrealität diese "echte Musik" im Gegensatz zu der für sie praktisch unhörbaren, später hinzugemischten Film-Musik auch als solche wahr, hören beispielsweise CDs, Fließbandmusik in der Kneipe oder spielen selbst in Bands

Untersucht man nun die einzelnen Musikarten aufgrund der unterschiedlichen Erscheinungsintensität, so ist festzustellen, dass nur die "Titelmusik ohne Sprache" und Teile der "echten Musik" im Vordergrund erscheinen. Musik aller anderen Kategorien wirken dagegen im Hintergrund und unterlegen, verstärken oder beeinflussen etwas Vordergründigeres.

Im Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass in unserer repräsentativ untersuchten Folge Verbotene Liebe keine Szene gesamt ohne Musik auskommt, unterstreicht es das Verständnis des Musikeinsatzes als einen entscheidenden Aspekt der Szenengestaltung und des Settings.

Musikeinsatz also in nahezu allen Szenen, meist mit fließendem Auftakt. Oftmals beginnen Szenen ohne Musik. Nach wenigen Sekunden jedoch wird das Geschehen dann je nach Funktionsanforderung mit einem "Musikteppich" oder "Mise en Scène-Musik" untermalt.

Nicht zu beobachten war der Umgekehrte Fall: Liegt der Musikeinsatz mit dem Szenenanfang zusammen, handelt es sich meistens um "echte Musik". Diese wird dann nicht unterbrochen sondern läuft - was ja logischen Grundregeln der Realität entspricht - bis zum Ende der Szene.

Dass aber auch in den Kategorien "Mise en Scène-Musik" und "Musikteppich" Musikeinsatz stets auf musikfreie Anteile folgt, nie umgekehrt, lässt auf eine bewusste Komposition dieser Anteile als wirkender Teil der Gesamtinszenierung schließen.

Knapp 7% der Gesamtzeit einer Folge "Verbotene Liebe" entfällt auf den Einsatz der Titelmusik. Die vordergründige Funktion, alleinig einen Wiedererkennungswert oder das Signal zum Auftakt bzw. Ende der Sendezeit zu geben, erschöpft sich offensichtlich in 1,94% der Zeit. Der Rest der Titelmusikeinspielung, 5,4% der Gesamtsendezeit, wird mit zusätzlichen Funktionen belegt: Im Opening-Bereich werden Sequenzen vergangener Folgen zum Einstieg in die Handlungsstränge nochmals eingespielt und am Ende aus dem Off Hinweise auf nachfolgende Sendungen oder Fan-Artikel gegeben. In diesen beiden Fällen weicht die Musik in den Hintergrund und ihre subjektive Wahrnehmbarkeit für den Zuschauer verringert sich deutlich, ohne dass die Hauptfunktion der Wiedererkennung vollständig ausgeblendet wird.

Der Anteil der "Mise en Scène-Musik" liegt als relativ größter bei 34,55%, also bei fast 9 von 25 Sendeminuten. Diese Instrumentalmusikeinspielungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eindeutig funktionstragende Bedeutung, einen Wiedererkennungswert und einen festgelegten Platz im Szenenablauf haben. Mit dem Einsatz dieser Musik wird die Choreographie und die Schauspielerische Kompetenz hinsichtlich einer Verdeutlichung der Szenenaussage ergänzt und komplettiert, wenn nicht gar streckenweise ersetzt.

Dem Hörspiel ähnlich werden hier über Geräusche für den Rezipienten wichtige Informationen transportiert: Musik, die aus Variationen gleicher Tonfolgen besteht, wird hintergründig in Szenen gleicher Grundstimmungen eingespielt. In der untersuchten Folge waren dies Szenen der Trauer, Dramatik oder Liebe.

Die gleiche Musik wird zweckgebunden und folgenübergreifend eingesetzt. Der Zuschauer wird in die Lage versetzt, schon anhand dieser Musik zu erkennen, dass es in Verbotene Liebe gleich traurig, dramatisch oder gefühlsintensiv wird.

Genau wie aber die Doppelfunktion der Titelmusik über die in anderen Fernsehproduktionen hinausgeht, lässt der quantitative Einsatz dieser "Mise en Scène-Musik", die ja grundsätzlich auch in anderen Produktionen verwand wird, darauf schließen, dass ihr innerhalb der Soap Operas eine ganz besondere Rolle zukommt: Schon weil die Szenerie aus produktionstechnischen Gründen einfach gehalten werden muss und "eingefangenen" neuen Zuschauern der Einstieg in die Szenerie möglichst einfach und klar gemacht werden soll, ist der hohe Einsatz dieser Musikform der entscheidende Weg, um bei anderen Funktionsträgern wie Dialog- und Szenendichte, Ausstattung und nicht zuletzt auch schauspielerischer Leistung Abstriche machen zu können. Ohne diese genannten, kostenintensiveren Funktionsmittel so intensiv wie in anderen Produktionen einsetzten zu müssen, kann den Zuschauern die Absicht und die Bedeutung der dargestellten Szenerie in relativ kurzer Zeit verdeutlicht werden. Diese dazu benötigte Zeit verkürzt sich dann noch umso mehr, wenn der Wiedererkennungswert dieser in Situationen gleicher Art immer gleichen Musik einsetzt.

Darüber hinaus ist mit ihr ein Identifizierungsprozess verbunden. Je mehr der Soap-Fan sich in seinem Wissen darüber, welche Art der Handlung in der momentan ausgestrahlten Szene wohl folgt, bestätigt sieht, umso "heimischer" fühlt er sich in "seiner" Soap. Die "Mise en Scène-Musik" bewirkt für geübte Zuschauer ein grandioses Zurechtfinden in über 30% der Sendezeit.

Ebenfalls wird hier deutlich, warum "Mise en Scène-Musik" stets auf musikfreie Passagen folgt, nie aber umgekehrt: Die Steigerung der Handlung führt in den Soap Operas beständig auf Ziele wie eben Dramatik, Trauer, Intrige oder Liebe. Und diese Art der Musik dient selten der Einführung in eine neue Szene, sondern der Einführung in eine sich steigernde oder entscheidende Entwicklung innerhalb dieser Szene. Ist die Gesamtszene der besonderen musikalischen Ausstattung würdig, wird auch die Musikuntermalung bis Szenenschluss fortgesetzt.

Etwas anders verhält es sich beim "Musikteppich", dessen prozentualer Anteil an der Gesamtsendezeit immerhin bei 18,87% liegt. Dabei ist der Verlauf vom Szenenbeginn bis zum Einsatz dieser Musik dem der oben beschrieben ähnlich. Kurzen musikfreien Passagen folgt Musikuntermalung. Dennoch ist die Art der Musik scheinbar wesentlich willkürlicher aber vor allem die Wahrnehmungsintensität deutlich geringer.

Der Zuschauer nimmt diese Komplettierung der Gesamtausstattung kaum bewusst war. Wahrscheinlich soll er es auch gar nicht. Es ist oberflächlich nicht nötig zu begreifen dass oder gar warum hier Musik im Hintergrund läuft. Ohne eine handlungstragende Funktion erfüllen zu müssen, ist sie einfach da wie ein Requisit im Hintergrund und erfüllt auf einer hintergründigen Rezeptionsebene die Funktion eines zu vermittelnden Wohlgefühls wie spezielle Kaufhausmusik, die konzipiert wurde, um Käufer in eine offene konsumfreudige Grundstimmung zu bringen. Ähnlich scheint der "Musikteppich", der hier bewusst wie eine Art Möbel tituliert wird, sehr hintergründig Einfluss auf die Beurteilung und Behaltensleistung der Soap Opera zu nehmen.

Gerade das wirft interessante Fragen auf, wann und wann gerade nicht diese Beeinflussung vorgenommen wird, die den Rahmen dieser Arbeit jedoch sprengen.

Von jeweiligen Handlungssträngen abhängig ist der Anteil der "echten Musik", also derjenigen, die auch in der Soap-Realität von den Akteuren wahrnehmbar ist. Wie wir im weiteren Verlauf dieser Arbeit ausführlich untersuchen werden, ist das Plazieren von Stars, die sich musikalisch betätigen oder deren Einflechtung in das Handlungsgeschehen eine marketingfreundliche und sehr verbreitete Form der Vernetzung unterschiedlicher werbeträchtiger Maßnahmen.

Da diese "Real-Musiker" innerhalb der Handlung in der Zeit ihrer Präsenzabschnitte reichlich Raum und Zeit zum Üben und Spielen und damit bewerben ihrer Titel bekommen, steigt in dieser Zeit der Anteil der "Echten Musik" gegenüber der jetzt gemessenen 21,01% wahrscheinlich leicht an.

"Echte Musik" dient aber auch häufig zu Einführung in eine Szene. In der untersuchten Folge diente eher klassisch angehauchte Weihnachtsmusik beispielsweise der Einführung in eine Szene des Weihnachtsbaumschmückens auf dem Schloss der Protagonisten.

Getragene Klaviermusik verdeutlicht sekundenschnell und höchst funktional, dass die Szene in einem Edel-Bistro spielt, aktuelle Radiomusik macht dem Zuschauer die Umgebung der Szene-Kneipe deutlich. In ihrer Funktion und Intensität gleicht die echte Musik daher der "Mise en Scène-Musik", unterscheidet sich aber in der erwähnten Rezeptionsrealität und der Platzierung innerhalb der Szene.

"Echte Musik" ist meist von Szenenanfang an zu hören, dient also weniger der Verdeutlichung von Entwicklungen als vielmehr der sehr funktionalen Einführung in eine Szenerie.

Das häufige Abspielen von aktueller Pop-Musik in den Soap Operas wirft einerseits die Frage nach einer unterschwelligen werbenden Beeinflussung der Zielgruppe auf, andererseits die Frage, ob hier Trends gesetzt oder aufgegriffen werden. Ist bei der Platzierung der Stars und ihrer Musik in die Handlung eine trendsettende Ausrichtung immanent, bleibt diese Frage bei der Nutzung von Pop-Musik zumindest diskussionswürdig.

Fest steht, dass es zu allen deutschen Vorabendsoaps Sampler gibt, auf denen die "Musik aus eurer Serie" käuflich zu erwerben ist. Ferner werden Marktforschungsinstitute von den Produktionsfirmen beauftragt, die Wirkung der Kurzeinspielungen, wohlmöglich noch im Zusammenhang mit in Werbeunterbrechungen beworbener CDs, zu erforschen und auszuwerten. Hier ist also mindestens ebenfalls eine weitere Funktion neben der oben beschriebenen rein ausstattenden zu Vermuten.

Unterlegt wird diese Vermutung auch dadurch, dass in der untersuchten Folge Verbotene Liebe in nur unterbrochenen Handlungssträngen aus der Kneipe, die ja in der Serienrealität unmittelbar aufeinander folgen und sich innerhalb ca. vier Minuten abspielen müssten, drei unterschiedliche Lieder im Hintergrund zu hören sind.

Diese Art der Musik gestaltet jedoch auch die inszenierte Umwelt auf Jugend bezogen. Jugendkultur abzuspiegeln beinhaltet in diesem Zusammenhang nahezu eine Pflicht, Musik als einen wesentlichen Identifikationsfaktor und Teil der Lebenswirklichkeit mit abzubilden. Als Funktion ist hier also die Vernetzung der Bewerbung und des Verkaufs von Musik als Produkt und einem aktuellen Setting von Jugendkultur auszumachen.

Wie bereits erwähnt, bleibt keine einzige Szene der untersuchten Folge wirklich musikfrei, was nunmehr im Hinblick auf die enorme Wichtigkeit der Komplettierung der Choreographie nur logisch erscheint.

Auffallend gern verbannt wird die Musik neben den kurzen Einführungen in Szenen, wo die Einführung in die Umgebung nicht mehr unterstützt werden muss, in Szenen, die sich in der Öffentlichkeit abspielen und per se reichlich Nebengeräusche bieten. In der untersuchten Folge waren das Außenaufnahmen mit Autogeräuschen oder einer Menschenansammlung mit Stimmengewirr. Hier vermuten wir, dass diese "Musiklosigkeit" praktisch wie eine "echte Musik" genutzt wird und für die Einführung in diese - zumeist ungewöhnlichen - Orte dringend benötigt wird.

Abschließend lässt sich ein überraschend hoher Musikeinsatz mit einer enorm hohen Funktionalität ausmachen, der verschiedenste Aufgaben erfüllt und sich in Quantität und Qualität sehr deutlich von anderen Produktionen unterscheidet (vgl. hierzu Abb. 1 und 2 im Appendix des Artikels!).

 

Funktion und Bedeutung von Musik in Soap Operas in Bezug auf Trends und Plazierung der Stars

 

Nach dieser Analyse des Setting der Musikeinspielungen innerhalb einer Soap und ihrer Kategorisierung in die Bereiche "Titelmusik ohne bzw. mit Sprachunterlegung", "Mise en Scène-Musik", "Musikteppich" und "echte Musik" folgt nun eine genauere Analyse des zuletzt genannten Teilbereiches: der echten Musik. Dabei soll der Akzent vor allen Dingen auf die gezielte Plazierung der singenden Stars der Serie, das Placing von neuen Gruppen und die Wechselwirkung von Fernsehen und Musikszene gelegt werden. Dazu ist es zunächst sinnvoll, einige der singenden Soap-Stars detaillierter vorzustellen:

 

Platzierung der Stars

 

1. Oli. P: Ricky in GZSZ, RTL

(Rap) + Oliver Petzokat, *10.08.1978

Petzokat spielt seit dem 21.01.1998, also seit Folge 1396, in der Serie mit. Er singt seit 1997 in einer Band, hatte seinen Durchbruch dann 1998 als er bereits als Ricky in GZSZ spielte. Sein erster großer Hit, der sieben Wochen lang Platz eins in den deutschen Charts belegte war eine gerappte Coverversion von Grönemeyers Song Flugzeuge im Bauch, die Single verkaufte sich 1,6 Mio. Mal und bescherte ihm dreimal Platin. Er bekam unter anderem folgende Auszeichnungen, die Aufschluß über seine Zielgruppe geben: Bravo - Goldener Otto und Echo ‘99.

 

2. Christian Wunderlich: Frank Lewinsky in Verbotene Liebe, ARD (ausgestiegen)

(Gesang) + Nesthocker, Familienserie, ZDF

Sein erstes Lied (That’s my way to say Goodbye) sang Wunderlich innerhalb der Serie, es wurde in die Serienrealität mit eingebaut, obwohl Wunderlich alias Frank bis dahin nicht als Sänger in Erscheinung getreten war. That’s my way to say Goodbye wird in der Serie als ein von Frank selbstgeschriebenes Lied verkauft, welches dieser bei der Beerdigung seines Freundes Ramon zum Besten gibt. Kurz darauf war das Lied dann auch im Handel erhältlich und das Video auf VIVA und MTV zu sehen. Wunderlich brachte eine eigene CD heraus und ist inzwischen aus der Soap ausgestiegen. Er spielt jetzt in einer neuen Familienserie im ZDF mit.

 

3. Judith Hildebrandt: Tinka Kuczinsky in Marienhof, ARD

(Gesang) > Single: I can still believe

Hildebrandt hat inzwischen zwei Singles herausgegeben und eine CD, außerdem ist eine Tour durch Deutschland und Japan geplant. Hildebrandt übt auch als Tinka innerhalb der Serie den Beruf Sänger aus und geht als Tinka auf Tour nach Japan.

 

4. Laura Lee in Marienhof, ARD

(Rap) > Singles: Er ist nicht der Richtige (mit Ex-TicTacToe Sängerin Ricky) sowie Immer wieder

Laura ist innerhalb der Soap Schülerin, die Lieder haben direkten Bezug zur Serie. Außerdem wird die Illusion erweckt, Laura schreibe die Lieder selbst: der Inhalt der Lieder spiegelt die Gedanken und moralischen Grundsätze der Soap wider. Beispielsweise handelt es sich bei Er ist nicht der Richtige um ein Lied über Liebe, Vertrauensbruch und Untreue, das Fazit des Liedes, der Titel und Chorus, ist einfach und kann von der Zielgruppe leicht identifiziert werden. Es dient innerhalb der Serie dazu, einen untreuen Freund zu entlarven und vor der Serienöffentlichkeit bloßzustellen.Wie bereits man bereits an den Verkaufszahlen von Oli. P‘s CDs erkennen konnte, werden die singenden Soapstars werden von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert und rezipiert. Die aus der Soap gewachsene Popularität der einzelnen Darsteller überträgt sich vom Fernsehen auf die Musikszene. Die Schauspieler werden auch als Sänger bzw. Rapper angenommen. Diese Entwicklung läßt sich auch über die Plazierungen der Soapsänger in den deutschen Charts dokumentieren:

 

RSH-Charts vom 14.01.2000: Maxi-CDs

Platz 8 - Laura, Immer wieder (Marienhof, ARD)

Platz 13 - Oli. P, So bist du (Und wenn du gehst...) (GZSZ, RTL)

—: Longplay Cds

Platz 44 - Oli. P, o.ton (GZSZ)

 

Bravo Charts vom 13.01.2000:Maxi-CDs

Platz 3 - Oli. P, So bist du (Und wenn du gehst...)

 

Einen weiteren Beweis für die Akzeptanz der singenden Soapstars liefert uns die Analyse von populären Samplern, für die auch teilweise im Fernsehen geworben wird. Auf fast jedem dieser Sampler ist zumindest einer der Soapstars mit einem seiner Hits vertreten. Des weiteren gibt es CDs, die von Soapstars vorgestellt werden.

 

Sampler:

The Dome Vol. 8, 9, 10, 12 - Oli. P (GZSZ, RTL)

Christian Wunderlich (Verbotene Liebe, ARD)

Just the Best Vol. 1/99

Oli. P, Christian Wunderlich

Just the Best Vol. 2/99

Oli. P

Bravo The Hits ‘98

Oli. P

Bravo Hits 24

Oli. P

Bravo Hits 23, 27

Christian Wunderlich

Booom 2000

Oli. P, Christian Wunderlich, Laura (Marienhof, ARD)

Popcorn Live

von Oli. P, mit Christian Wunderlich

 

Einige Daily Soaps (GZSZ (inzw. Vol. 22), Unter Uns (RTL), Marienhof) haben sogar ihre eigenen Sampler herausgebracht, auf dem v.a. Chartmusik und "serieneigene Stars" zu hören sind.

Die RTL-Serie GZSZ übertrifft in ihrer breitgefächerten Orientierung auf dem Markt alle anderen deutschen Soaps: es gibt sogar eigene Hörspiele (Flos und Andys Traumhochzeit, 50 min.), auf denen einer der Darsteller als Erzähler fungiert. Durch die Einbindung der Musikszene werden die Zuschauer auf einer weiteren Ebene an "ihre Soap" gebunden.

Kategorien der Musiker/Bands innerhalb von Soaps

 

Es gibt vier Kategorien von Musikern bzw. Bands innerhalb von deutschen Daily Soaps, die sich wie folgt klassifizieren lassen:

1. Singende Soap-Darsteller (Oli. P, Judith, Laura, Christian Wunderlich);

2. Placing von serienunabhängigen Musikgruppen innerhalb der Soap (z. B. Caught in the Act, Unter Uns, RTL; Princessa, Marienhof, ARD);

3. Singende Soap-Darsteller, die auch innerhalb der Serie den Beruf Sänger ausüben (Judith Hildebrandt alias Tinka in Marienhof, ARD, geht auch innerhalb der Soap auf Tour und übt ihre neusten Hits innerhalb der Serie ein.);

4. Sänger, die innerhalb der Serie sowohl singen als auch zeitweilig eine Hauptrolle übernehmen (Ricky, Marienhof, ARD; Scycs, Unter Uns, RTL).

Die Gruppe Scycs und Ricky werden in die Serienrealität eingebunden, die Band spielt sich selbst, sogar die Texte werden teilweise in die Serie miteingebunden, wie am Beispiel Er ist nicht der Richtige von Laura und Ricky bereits deutlich geworden ist.

 

Wirkungsrichtungen (Kreislauf) des Placing und Pushing

 

Die Wechselwirkung von Fernsehen (Soap) und Musik ist vielschichtig. Auch die Richtungen der gegenseitigen Unterstützung und des gegenseitigen Placements lassen sich in vier Kategorien unterteilen: 1. Soap-Stars werden als "Sänger" gepusht (Oli. P, Christian Wunderlich, Laura, Judith);2. neue Bands werden gepusht/bekannt gemacht (Caught in the Act, Scycs, Princessa);3. in Vergessenheit geratener Sänger wird wieder in Erinnerung gerufen (Ricky):

4. Sänger (und Ex-Soap-Star) pusht neue Serie (Christian Wunderlich).

Dass auch die Richtung "Sänger und Ex-Soap-Star pusht neue Serie" (Fernsehen > Musik > Fernsehen) funktioniert, wird am Fall Christian Wunderlich deutlich, der inzwischen als Sänger erfolgreich ist, und dessen Tourbeginn mit dem Beginn der neuen Serie übereinstimmt. Sicherlich sorgt die Besetzung Christian Wunderlich in einer neuen Familienserie im ZDF nicht allein für die guten Einschaltquoten, aber Wunderlich ist sicherlich eins der großen Zugpferde - er nimmt seine Fans mit in die neue Serie. Die Serie läuft erst seit zwei Wochen, aber die Einschaltquoten der ZDF-Vorabendserie sind beachtlich, wie man anhand des folgenden Auszugs aus der Tageshitliste vom Dienstag, dem 18.01.2000, erkennen kann.

 

Plazierung; Name; Zuschauer(in Mill.); Marktanteil (in Prozent); Sender

1; Tagesschau; 7,11; 23,1; ARD

4; GZSZ; 5,37; 18,3; RTL

9; Nesthocker; 4,96; 16,2; ZDF

19; Verbotene Liebe; 3,48; 17,7; ARD

20; Marienhof; 3,41; 15,1; ARD

 

Über die Qualität der von den Soapstars vorgestellten Lieder und die musikalischen Qualitäten der durch die Soaps gepushten Bands läßt sich natürlich keine wissenschaftlich relevante Aussage treffen, da Qualität betreffende Aussagen im Bereich Musik rein subjektiv sind. Dennoch wollen wir es an dieser Stelle wagen, eine Beurteilung vorzunehmen, indem wir Christian Wunderlich selbst für sich und seine Kollegen sprechen lassen; denn Christian Wunderlich, der in einem Interview Stevie Wonder als sein musikalisches Vorbild angab, antwortete auf die Frage nach dem Grund eben dafür:

"Er trifft immer genau meinen Geschmack. Und er hatte keine Gesangsausbildung."

Abschließend läßt sich also zusammenfassen, daß die Wechselwirkung von Soap und Musikszene sehr fruchtbar ist und ein gegenseitiges Placement im Interesse beider vorliegt. Die Zuschauer der Soap werden nicht nur über das Fernsehen sondern auch über die Musik an ihre Soap gebunden. Die Tatsache, daß einige Soaps sogar Hörspiele veröffentlicht haben, unterstützt außerdem die These, daß gerade über den Einsatz verschiedener Musikeinspielungen die Soap teilweise Hörspielcharakter bekommt, da der Musikeinsatz die sichtbare Handlung nicht nur unterstützen, sondern sogar ersetzen kann.

Diese Art von Placement läßt sich in dieser Form wohl nur innerhalb einer Daily Soap verwirklichen.

 

Quellen

 

www.mediendaten.de.

www.rtl.de (Links auf GZSZ, Unter Uns, Biographien der Soap-Sänger).

www.ard.de (Links auf Verbotene Liebe).

www.Judith-Fanclub.dewww.zdf.de (Link auf Nesthocker).

www.Christian-Wunderlich-Home.de (über www.Yahoo.de; Links auf verschiedene Charts, unter anderem die Bravo-Charts).