Splatting Image, September 1991 (Nr.8)

TERMINATOR 2

Blue Steel

TERMINATOR 2  JUDGEMENT DAY 


USA 1991, Regie: James Cameron: Drehbuch: James Cameron & William Wisher; Produktion: Mario Kassar; Musik: Brad Fiedel; SFX: Stan Winston (ILM); Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Edward Furlong, Robert Patrick u. a. 

An ihm ist kein Vorbeikommen mehr. Ob im gesellschaftlichen Leben, als 'President's Council on Physical Fitness', oder als höchstbezahlte 'Filmikone' der Neuzeit - Arnold Schwarzenegger. Während sein Name in der eingefleischten Fangemeinde für Unterhaltung pur bürgt, assoziieren seine (Film-) Kritiker damit eher Begriffe wie Stupidität and Gewaltverherrlichung. Vorurteile wie, sein Intelligenzquotient verhalte sich umgekehrt proportional zu seinem Bizepsumfang, gehören zum Standardrepertoire seiner Gegner (oder vielleicht Neider?). Doch solche verbalen Schläge unter die Gürtellinie dürften den Mann aus Graz kaum noch aus der Fassung bringen. Schließlich hat er es allen gezeigt, er, dessen Name für die meisten Amerikaner fast unaussprechlich ist, aber dennoch in größeren Lettern ab gedruckt wird als der Filmtitel. 

Mit TERMINATOR II dürfte er nun wahrscheinlich am Höhepunkt seiner Karriere angelangt sein, zumindest was den finanziellen Erfolg und die Popularität betrifft. Aufatmen kann auch Regisseur James Cameron, der sich nach seinem Megaflop ABYSS wieder gesundstoßen kann. Doch bei aller Gigantomanie hinterläßt TERMINATOR II einen fahlen Nachgeschmack beim Zuschauer. So besteht der Film im Grunde nur aus einer Aneinanderreihung von Höhepunkten, die für sich genommen zwar prächtig funktionieren, aber im Ganzen keine homogene Einheit bilden. Ein weiterer Schwachpunkt ist Teenager-Newcomer Edward Furlong, den man für die Rolle des heranwachsen den John Connor auswählte. Seine Darstellung des rebellischen, bei lieblosen Pflegeeltern aufwachsenden Jungen wirkt völlig überzeichnet und weitgehend unglaubwürdig. 

Auf der Haben-Seite vermag Cameron die von ihm beabsichtigte Endzeitstimmung eindrucksvoll zu erzeugen. Dies gelingt ihm visuell durch seine Vorliebe für stahlblaue, in diffusem Licht ausgeleuchtete Nachtaufnahmen, sowie akustisch durch den Einsatz von Brad Fiedels hämmerndem Maschinenbeat-Soundtrack. Cameron kreiert eine kalte und gefühllose Welt, in der sich die Dominanz der Maschinen und Computer wie ein roter Leitfaden durch den gesamten Film zieht. Was die Sache allerdings wirklich sehenswert macht, sind die Special-FX, die man als bahnbrechend bezeichnen kann und die aus einer anderen Welt zu kommen scheinen. Hauptaugenmerk gehört hier dem 'bösen' Terminator, Modell T-1000, welcher aus einer Flüssigmetallegierung besteht und in der Lage ist, praktisch jede Form und Gestalt anzunehmen. Realisiert wurden diese Vorgaben durch das nahtlosperfekte Zusammenspiel von Realfilm und Computeranimation. Hier scheinen der Fantasie keine Grenzen gesetzt zu sein, und man wird Zeuge aller nur möglichen und unmöglichen Metamorphosen. Lediglich im letzten Drittel droht beim Zuschauer die Gefahr einer Effektübersättigung. Trotzdem bleibt es bis zum Schluß spannend, da eine Zerstörung des T-1000, dank seiner Fähigkeit, sich nach jeder Attacke wieder vollständig regenerieren zu können, unmöglich scheint. Umso erstaunter ist man am Ende über die banale
Lösung dieses Problems. 
 


Unterm Strich beweist Cameron zwar, daß er die technische Seite des Filmens perfekt beherrscht, was jedoch den emotionalen Teil betrifft, hat er noch eine Menge Nachholbedarf. So ist TERMINATOR II über weite Strecken genauso seelenlos wie die beiden titelgebenden Cyborgs. Allen No-Future-Zeitgenossen sei er uneingeschränkt empfohlen, diejenigen, denen es auch mal gern warm ums Herz wird, sollten sich für ROBIN HOOD entscheiden. 




Römo


TERMINATOR 2